Herford Heute beginnt der Abriss der Bäckerstraße 7

Der Giebel wird per Hand Stein für Stein abgetragen

Peter Steinert

Herford. Wer am Geschäftshaus der Bäckerstraße 7 durch die Sichtblenden der beiden Schaufenster lugt, der kann den Hyundai 300 Nic-9A sehen: ein gelber Bagger. Seit Mitte Februar kämpft er sich aus den hinteren Gebäudegefilden voran, um das seit Jahren leer stehende und zuletzt einsturzgefährdete Objekt abzureißen. Jetzt hat die spannende Phase zur Fußgängerzone begonnen. "Wir gehen etagenweise voran", sagt Uwe Neurath, der mit dem 30 Tonnen schweren Arbeitsgerät nicht nur rustikal, sondern auch äußerst filigran umgehen kann. Als wenn er im Restaurant mit chinesischen Stäbchen hantieren würde, pflückt er mit dem Greifer seines Baggers einzelne Element aus dem Bau, schüttelt den Schutt ab und lässt etwa Holzbohlen in eine dafür in der Waisenhausstraße bereitstehende Mulde krachen. Von der Bäckerstraße selber war bislang allenfalls etwas zu hören, aber noch nichts vom Abriss zu sehen. Den hatte die Stadt eingeleitet, weil die Sicherheit des Objekts nicht mehr gewährleistet war. "Das ist eine Zwangsmaßnahme, mit der neues Landesrecht umgesetzt wird", sagte Bürgermeister Tim Kähler, als der sich zum Auftakt selbst in den Bagger gesetzt hatte. Es wird in Handarbeit abgetragen Inzwischen hat dieser amtlich verordnete Rückbau seine dritte und damit letzte Etappe erreicht. Bei der gibt nicht mehr Baggerführer Neurath den Takt vor, sondern Bauhelfer Andreas Holz. Der lässt sich heute Vormittag mit einem Baukran auf Giebelhöhe hieven, um die Fassade mit einem 15 Kilogramm schweren Elektrohammer Stein für Stein abzutragen. "Dafür wird die Bäckerstraße halbseitig gesperrt", sagt Polier Uwe Neurath, der mit dem Einsatz in der Fußgängerzone verhindern will, dass einzelne herunterfallende Steine Passanten gefährden. "Einerseits wird der Giebel stückweise nach innen gedrückt, andererseits steht mit Andreas Kroll ein weiterer Bauhelfer auf der Arbeitsbühne, um die Steine stückweise zu entsorgen." Im Akkord müssen die Männer dabei nicht ans Werk gehen. "Das würde nur auf Kosten der Sicherheit gehen", sagt Andreas Holz, der in der Fußgängerzone Plastikmatten ausgelegt hat - falls dann doch einmal ein Mauerstein auf dem frisch verlegten Straßenpflaster aufschlägt. Baulücke soll schnell geschlossen werden Bis Mitte nächster Woche soll diese Feinarbeit abgeschlossen sein. "Mit dem Bagger hätte ich dafür zehn Minuten gebraucht", lacht Uwe Neurath, der nach Abrissende mit seinen beiden Kollegen an der Häuserecke von Bäckerstraße und Waisenhausstraße 3.000 Tonnen Bauschutt verarbeitet haben wird. Ungewiss ist, wie lange die aufgebrochene Baulücke im Innenstadtbild Bestand haben wird. Alexander Strese, Eigentümer der Immobilie Bäckerstraße 7, hat auch Interesse am Haus Bäckersraße 5. Nach langen Querelen scheint das jetzt verfügbar zu sein. Mitte März möchte sich Strese deswegen mit Bürgermeister Tim Kähler, Beigeordneten Peter Böhm und Wirtschaftsförderer Dieter Wulfmeier zusammensetzen und künftige Möglichkeiten ausloten. Der Detmolder weiß schon jetzt, was er will: "Wir werden der Stadtverwaltung unsere Pläne vorstellen." Dass den Herfordern an einer schnellen Lösung gelegen ist, signalisierten sie erst unlängst, als sie Unstimmigkeiten im Zusammenhang mit dem Abriss einräumten. Alexander Strese: "Entgegen öffentlich gemachter Äußerungen war ich als Eigentümer der Immobilie nicht über den Abriss informiert worden. Dafür hat sich die Stadt in einem vom Beigeordneten Peter Maria Böhm unterzeichneten Schreiben bei mir entschuldigt."

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