Arbeitsbeginn im frühen B7: Gut 50 Ehrenamtliche helfen beim Ausräumen der Nachtbar B7. Binnen Jahresfrist soll hier das „neue" Autonome Jugendzentrum FlaFla entstehen. - © Ralf Bittner
Arbeitsbeginn im frühen B7: Gut 50 Ehrenamtliche helfen beim Ausräumen der Nachtbar B7. Binnen Jahresfrist soll hier das „neue" Autonome Jugendzentrum FlaFla entstehen. | © Ralf Bittner

Herford Das FlaFla zieht um

Aufbruch im Abbruch

Ralf Bittner

Herford. „Ich hätte nicht gedacht, dass wir so schnell so weit kommen", sagt Simon Büscher, einer der Sprecher des Autonomen Jugendzentrums (AJZ) FlaFla. Es ist zwölf Uhr Mittags, und seit vier Stunden läuft die Entrümpelung der früheren Nachtbar B7. Innerhalb eines Jahres soll hier der neue Standort des FlaFla entstehen. Mit Wirkung zum 1. Januar hat der Verein für Sozial- und Kulturarbeit das Haus Diebrocker Straße 2 gekauft. Seit 1989 ist der Verein Träger des AJZ, dessen Wurzeln bis ins Jahr 1969 zurückreichen. Erstmals in seiner Geschichte verfügt das FlaFla über eine eigene Immobilie und die Perspektive auf eine dauerhafte Absicherung seiner Existenz. Fast 100 Kubikmeter Müll am ersten Tag der Arbeiten Entsprechend viele Helfer waren zum Start der Aus- und Aufräumarbeiten gekommen. Etwa 50 meist junge menschen lißen Betten, Möbel, Wandverkleidungen, Bodenbeläge in die Mulden wandern. „Zwischen 70 und 100 Kubikmetern werden das heute werden", sagt Büscher. Die Arbeiten laufen koordiniert. Die Bauleitung hat für jeden Raum festgelegt, was dort gemacht wird, entsorgt oder für eine Wiederwendung aufgehoben werden soll. Die Bauvoranfrage des Vereins ist positiv beschieden, die Baugenehmigung werde am 2. Januar beantragt, sobald der Verein offiziell Eigentümer der Immobile sei. Vorliegen soll sie in etwa sechs Wochen. Bis dahin gebe es genug Arbeiten, die keine statisch wichtigen Wände betreffen und auch ohne Genehmigung ausgeführt werden dürfen. So sollen etwa alle nichttragenden Wände im Erdgeschoss entfernt werden, um aus den vielen kleinen „Arbeitszimmern" der früheren Nachtbar einen großen Veranstaltungsraum und einen Caféraum zu machen. Auch zwei lange tragende Wände sollen raus, ein Stahlträger für Stabilität sorgen. „So relevante Arbeiten werden wir natürlich an Fachfirmen geben", sagt Büscher, es werde aber immer wieder Phasen geben, in denen viele Helfer gebraucht werden. Aufrufe werden auf dem Blog flaflabaut.blogsport.eu, der auch als Bautagebuch über den Fortgang der Arbeiten berichtet, veröffentlicht. Hier finden sich auch Informationen zum Spendenkonto und eine Liste mit benötigten Baumaterialien. „Auch Sachspenden sind willkommen", sagt Büscher, denn jeder Cent, der nicht ausgegeben werden müsse, verringere die Höhe des Kredites. Finanziert wird das Projekt, das von einem harten Kern von etwa 20 bis 30 Aktiven plus Helfern umgesetzt werden soll, neben dem enormen Anteil an Eigenleistung aus Rücklagen, Veranstaltungseinnahmen am derzeitigen Standort Goebenstraße 66, einem Sparkassenkredit, Bürgschaften und zinslosen Krediten von befreundeten Autonomen Zentren und Einzelpersonen und mit der Unterstützung eines Fördervereins. Obwohl auf den rund 600 Quadratmetern Aufbruchstimmung zu spüren ist und es so aussieht als würde das FlaFla seinen 50. Geburtstag in selbst finanzierten, eigenen Räumen feiern können, erinnert Büscher daran, dass eine Stadt wie Herford gesetzlich verpflichtet sei Jugendlichen und jungen Erwachsenen adäquate Freizeitangebote bereitzustellen, und für diese Zielgruppe sei das FlaFla in Herford der einzige nicht kommerzielle Ort – ganz abgesehen vom Konzept der Selbstverwaltung. Die ermögliche jungen Menschen Erfahrungen, die sie sonst nirgends machen können: „Allerdings wäre vieles einfacher, wenn man so ein Projekt nicht mit Jugendlichen stemmen müsste, die zum Teil noch nie einen Hammer in der Hand gehabt haben". Büscher sieht auch Positives: „Es sind heute einige Leute hier, die wir noch nie oder nur als Partygäste gesehen haben." Dazu gehören Erik und Thomas, die mit Schraubenziehern die Betten zerlegen. „Wir finden es wichtig, dass es in einer Stadt wie Herford einen Ort für nichtkommerzielle Jugend- und Musikkultur gibt", begründen sie ihr Engagement.

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