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Rege Diskussion: Moderatorin Claudia Schelp notiert die Anregungen der Bürger. - © Mareike Patock
Rege Diskussion: Moderatorin Claudia Schelp notiert die Anregungen der Bürger. | © Mareike Patock

Enger Besser radeln in Enger: Stadt sammelt Vorschläge der Bürger

Die Kommune will ihr Radwegenetz verbessern und hat jetzt die Einwohner nach ihren Anregungen gefragt. Die sahen an einigen Stellen Verbesserungsbedarf - eine Straße stand besonders im Blickpunkt.

Mareike Patock
09.11.2019 | Stand 08.11.2019, 17:52 Uhr

Enger. Die Stadt Enger möchte ihr Radwegenetz verbessern. Um ein entsprechendes Konzept zu erstellen, hat sie das Büro "Planungsgemeinschaft Verkehr Dargel Hildebrandt" (PGV) gewinnen können. Die Experten aus Hannover haben vor Ort in Enger und online bereits eine Befragung zum Thema gemacht. Aber: In das neue Alltagsradwege-Konzept sollen auch die Wünsche der Engeraner Bürger einfließen. Um deren Ideen zu dokumentieren, hat die Kommune am Donnerstagabend zu einem Bürgerforum ins Schulzentrum an der Ringstraße eingeladen. "Wir möchten diejenigen mit ins Boot holen, die es betrifft - das ist uns wichtig", betonte Bürgermeister Thomas Meyer. Denkverbote gab es bei der Veranstaltung nicht, alle Anregungen waren gefragt. Und die kamen zahlreich - auch Ungewöhnliches war dabei. Rund 50 Radler beteiligten sich Etwa 50 Einwohner waren der Einladung gefolgt. Zunächst gaben ihnen PGV-Geschäftsführer Edzard Hildebrandt und seine Mitarbeiterin und Projektleiterin Annika Wittkowski einen Überblick über das Ergebnis der Online- und der zweitägigen Vor-Ort-Befragung. Insgesamt rund 180 Radler hatten sich daran beteiligt. Auf die Frage, wie sicher sie sich im täglichen Alltagsverkehr fühlen, habe ein Großteil der Befragten geantwortet, sie fühlten sich relativ sicher, berichtete Wittkowski."Aber 55 Personen haben auch gesagt, sie fühlen sich eher unsicher - hier müssen wir konkret ansetzen." So sehen die Bürger die Schutzstreifen Viele hätten außerdem den Wunsch nach einer Sanierung bestehender Wege oder nach mehr Radverkehrsflächen geäußert. Bei Letzterem sei die Meller Straße "mit Abstand am häufigsten genannt worden", sagte Wittkowski. Auch zusätzliche Querungsmöglichkeiten seien nachgefragt worden - etwa an der Werther Straße/"Im Felde" oder an der Meller Straße in Höhe des Friedhofs Dreyen. Zum Teil sehr kritisch angesprochen worden seien in der Befragung sogenannte Schutzstreifen. Das sind mit gestrichelten Linien aufgezeichnete Streifen für Radfahrer auf der Fahrbahn, wie es sie in Enger etwa an der Meller Straße oder an der Spenger Straße seit einiger Zeit gibt. Der motorisierte Verkehr darf diese Linien überfahren, wenn etwa durch den Gegenverkehr nicht genügend Platz für ihn auf seiner Spur ist. Das sind die Vorschläge für die Spenger Straße Auch beim Bürgerforum war ein Ergebnis: "Der Schutzstreifen an der Spenger Straße wird sehr kritisch gesehen", sagte Wittkowski. "Die Autofahrer überholen hier oft sehr eng." Ein Vorschlag sei darum gewesen, "den Gehweg an der Spenger Straße zumindest auf Teilstrecken zusätzlich für den Radverkehr freizugeben". An anderer Stelle sei ein Schutzstreifen von den Bürgern aber durchaus gewünscht worden: an der Bünder Straße von der Bahnhofstraße bis hoch zum "Lidl"-Kreisel. Kleinbahntrasse könnte "schnelle Fahrradachse" werden Intensiv diskutiert wurde auch über die alte Kleinbahntrasse. Sie zähle zu den sogenannten grünen Radrouten in der Stadt, auf denen es keinen oder nur wenig Kfz-Verkehr gebe, erklärte Wittkowski. Hier können sich die Planer vorstellen, sie in eine "schnelle Fahrradachse" umzuwandeln. Das bedeute, dem Radverkehr werde hier Vorrang eingeräumt - auch an Knotenpunkten mit kreuzenden Straßen. Außerdem können sich die Verkehrsplaner vorstellen, künftig Fahrradstraßen in Engers Verkehrsnetz zu integrieren. Sie sind dem Radverkehr vorbehalten, andere Fahrzeuge dürfen sie nur dort benutzen, wo dies durch Zusatzzeichen angezeigt ist. Die Elsestraße zum Beispiel könnte nach Meinung der Planer in eine solche umgewandelt werden, was auch auf Zustimmung bei den Bürgern stieß. Einer der teilnehmenden Bürger machte außerdem einen ungewöhnlichen Vorschlag: Er wollte die Ringstraße zu einer Fahrradstraße machen. Wann das Konzept fertig sein soll Ein Wunsch der Bürger sei aber auch gewesen, sich mit Geschäftsleuten zusammenzusetzen und Ideen zu entwickeln, wie mehr Radler in die Innenstadt von Enger gelockt werden könnten. Vorschlag sei zum Beispiel gewesen, ein kleines Präsent zu verteilen, wenn jemand mit dem Rad in die Stadt komme. Die Anregungen der Bürger sollen jetzt ausgewertet werden und - wenn praktikabel - in das Konzept einfließen. Das soll laut Wittkowski im März/April kommenden Jahres fertiggestellt sein. "Ziel ist auch, möglichst 2020 noch kleinere Maßnahmen aus dem Konzept umzusetzen." Das bemängeln Schüler Der ADFC hat außerdem unter Schülern des Widukind-Gymnasiums und der Realschule Enger eine Mobilitätsumfrage gemacht und rund 1.300 Fragebögen ausgewertet. Die Ergebnisse stellte Gottfried Sielmann vom ADFC beim Bürgerforum vor. So beklagten 80 Prozent der Schüler die Fahrrad-Abstellmöglichkeiten an ihrer Schule. Aber auch auf ihren Schulwegen sahen die Kinder und Jugendlichen Verbesserungsbedarf. Die Nordhofstraße etwa sei zu schmal, es fehle an Beleuchtung oder es gebe Fahrbahnschäden. An der Werther Straße in Lenzinghausen wiederum gebe es Wurzelschäden am Radweg. Und aus der Oldinghausen Mark oder Siele würden erst gar keine Schüler mit dem Rad zur Schule fahren, weil es hier "keinen Radweg, keine Beleuchtung und nur schmale Straßen" gebe, fasste Sielmann zusammen.

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