Projekt erfolgreich beendet: Der Engeraner Musiker Gunnar Ennen zeigt die Platte zum Film „Gundermann“. Die Filmmusik hat er miteingespielt. - © Mareike Patock
Projekt erfolgreich beendet: Der Engeraner Musiker Gunnar Ennen zeigt die Platte zum Film „Gundermann“. Die Filmmusik hat er miteingespielt. | © Mareike Patock

Enger Gunnar Ennen spielt Musik für Kinofilm ein

Klangvolles Projekt: Der Engeraner Musiker hat am Film „Gundermann“ mitgewirkt, der zurzeit in den deutschen Kinos läuft. Wie es dazu kam, berichtet er im Gespräch mit der Neuen Westfälischen

Enger. Er arbeitete als Baggerfahrer im Braunkohletagebau der DDR. Gerhard Gundermann schrieb aber auch Rockmusik mit poetischem Text und berührte die Menschen in der ehemaligen DDR – auch noch lange nach der Wende. Für viele von ihnen wurde er zum „Bruce Springsteen des Ostens", während er in Westdeutschland weitgehend unbekannt blieb. Gerhard Gundermann, der 1998 mit nur 43 Jahren starb, war aber nicht nur Baggerfahrer und Musiker. Er war auch Stasi-Spitzel und Bespitzelter. Sein ungewöhnliches Leben ist jetzt unter der Regie von Andreas Dresen verfilmt worden. Derzeit läuft der Streifen in den deutschen Kinos – unter anderem im Bielefelder Lichtwerk. Auch der Engeraner Gunnar Ennen hat bei dem Film mitgewirkt: Er hat die Musik zu „Gundermann" miteingespielt. Wie es dazu kam und wie er die Aufnahmen in Berlin erlebt hat, berichtet der 42-Jährige im NW-Gespräch. Vor einem Jahr ging es ins Tonstudio Angefangen habe eigentlich alles mit einer Anfrage bei Gisbert zu Knyphausen im Sommer vergangenen Jahres, berichtet der Engeraner. Der musikalische Leiter des Films hatte damals bei dem Liedermacher angeklingelt. Er wollte ihn und seine frühere Band dafür gewinnen, die Musik für „Gundermann" einzuspielen. Gisbert zu Knyphausen musste aus zeitlichen Gründen absagen, seine alte Band aber war dabei – und zu der zählt auch Gunnar Ennen. Mitte September 2017 ging es für die vierköpfige Band nach Berlin ins Tonstudio. 13 Songs und daneben noch fünf Solo-Stücke spielten Frenzy Suhr (Bass), Jens Fricke (Gitarre), Sebastian Deufel (Schlagzeug) und Gunnar Ennen (Gitarre, Tasteninstrumente) für den Kinofilm ein. Als Sänger am Mikrofon stand Hauptdarsteller Alexander Scheer, der auch aus „Sonnenallee" bekannt ist. Der hauptberufliche Musiker Gunnar Ennen hat schon in vielen verschiedenen Bands gespielt. Mit der Gruppe „Staring Girl" aus Hamburg geht er zum Beispiel ab Oktober auf Tour. Dass er Filmmusik eingespielt habe, das sei jedoch das erste Mal gewesen, sagt er. „Und die Einblicke in die Kinowelt waren spannend." Wenn der Schauspieler singt Eine ganz neue Erfahrung sei es auch gewesen, mit einem Sänger zusammenzuarbeiten, der eigentlich Schauspieler ist: „Es ist etwas völlig anderes, wenn ein Schauspieler anstatt eines Musikers als Sänger am Mikro steht", sagt er. „Er bringt sofort das Darstellerische mit auf die Bühne." Knapp zehn Tage standen die fünf zusammen im Tonstudio, dann hatten sie die Filmmusik im Kasten. Das Besondere: Es wurde nicht jede Stimme getrennt eingespielt. Also zum Beispiel erst der Schlagzeug-Part und danach getrennt der Bass. „Wir haben alle zusammen live gespielt", berichtet Gunnar Ennen. Bis ein Stück saß, brauchte es jedoch mitunter ein paar Versuche. „Sieben bis acht Durchläufe waren nicht unüblich", sagt der 42-Jährige und ergänzt lachend: „Der berühmte erste Take ist uns nicht gelungen." Aber das sei normal. Wie es gelingt, sich selbst bei solchen Aufnahmen nicht unter Druck zu setzen – Gunnar Ennen hat da einen Tipp: „Abschalten, nicht dran denken, dass jetzt aufgenommen wird, und einfach spielen." Gundermann eine Identifikationsfigur Ende August feierte der Film schließlich in Berlin Premiere. Auch Ennen war dabei. Ebenso wie Gundermanns Frau Conni und dessen Tochter Linda. „In Berlin hat man auch so richtig mitbekommen, welche Bedeutung Gundermann eigentlich für die Menschen in Ostdeutschland hatte", sagt der Engeraner. Der Musiker sei eine Identifikationsfigur gewesen, ein Musiker aus dem Volk. Der Film über Gundermanns Leben sei erfolgreich angelaufen, berichtet Ennen. „Er stand immer zwischen Platz sieben und elf in den deutschen Kino-Charts."

realisiert durch evolver group