Musikalische Zugabe: Zum Abschied greift Andreas Pomp zur Gitarre und trägt einen vertonten Text seines Lieblingsautors Klaus Lettke vor. - © Alexandra Wilke
Musikalische Zugabe: Zum Abschied greift Andreas Pomp zur Gitarre und trägt einen vertonten Text seines Lieblingsautors Klaus Lettke vor. | © Alexandra Wilke

Enger Höhere Mathematik auf der Kulturdeele

Kabarett einmal anders: Holger Grabbe und Wera Kiesewalter luden ein zu einem Abend mit dem Mathematiker Andreas Pomp

Anerkennende Mienen, Lachen und Applaus – das sind übliche Zuschauerreaktionen bei den Veranstaltungen auf der Dreyener Kulturdeele. Am Samstagabend mischte sich dazwischen das eine oder andere kollektive Raunen, als Andreas Pomp sein Publikum mit Flipchart, PQ-Formel und Wahrscheinlichkeitsrechnung konfrontierte. Offensichtlich lag Gastgeberin Wera Kiesewalter mit ihrer Vermutung richtig, dass einige Anwesende Traumata aus Schultagen zu verarbeiten hatten. Im Laufe des Abends konnte Pomp die 45 Zuschauerinnen und Zuschauer jedoch davon überzeugen, dass die außergewöhnliche Kombination aus Mathematik und Kabarett funktioniert. Wera Kiesewalter und Andreas Pomp haben ab der dritten Klasse die gleiche Schule besucht und kennen sich somit bereits seit 56 Jahren. Damals hätten sich ihre Wege jedoch selten gekreuzt, da Pomp – so Kiesewalter schmunzelnd – stets mit einem Rechenschieber unterwegs war. „Ich habe zunächst in der Forschung gearbeitet und war die letzten zehn Berufsjahre in einer Bank tätig. Nach meiner Pensionierung habe ich dieses Kabarettprogramm geschrieben“, erläuterte der Mathematiker, der 1997 aus Sachsen in die Schweiz gezogen ist und sich selbst nicht zu ernst nimmt. Stattdessen lachte er am Samstagabend mit seinem Publikum über sein Fachgebiet und „die Leute, die Mathematik verzapfen“. So sei unbedingt zwischen Mathematikern und ‚normalen Menschen‘ zu unterscheiden, die er mit Nicht-Mathematikern synonym setzte. Denn Mathematiker seien eine eigene Spezies, die das Denken von einer anderen Seite aus angehen, Definitionen schon mit der Muttermilch einsaugen und ihre eigene Sprache sprechen. Sätze wie „Das dauert ja ewig“ gingen einem Mathematiker etwa nie über die Lippen. Schließlich könnte er über den synonymen Begriff „unendlich“ ganze Vorlesungen halten. Raffiniert wagte sich Andreas Pomp von leichten Witzen und Anekdoten zu komplexeren Themen wie Steuern, Wachstum und Wahrscheinlichkeitsrechnung. Er erläuterte, wie es sein kann, dass jemand nur über imaginäre Einnahmen verfügte, aber reale Steuern zu zahlen hatte und rechnete vor, wie unwahrscheinlich es ist, dass zwei Personen eine Liaison miteinander eingehen, sind in letzterem Fall doch allerlei Bedingungen zu berücksichtigen: A muss B gefallen, B muss A gefallen. Einer muss die Initiative ergreifen, beide müssen ungebunden sein und dann auch noch die richtigen Worte finden. „Sie verstehen also, warum ich immer wieder verwundert bin, wenn mir Personen im gepaarten Zustand begegnen“, schloss Pomp den Ausflug in die Wahrscheinlichkeitsrechnung und erntete Applaus für seine gelungene Kombination von Mathematik und Kabarett.

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