Klare Trennung: Trockener Salat und Bananenschalen gehören in die Biotonne mit dem braunen Deckel - eventuelle Verpackungen haben darin nichts zu suchen. Kunststoffe und Plastiktüten werden in der grünen Tonnen entsorgt. - © Ekkehard Wind
Klare Trennung: Trockener Salat und Bananenschalen gehören in die Biotonne mit dem braunen Deckel - eventuelle Verpackungen haben darin nichts zu suchen. Kunststoffe und Plastiktüten werden in der grünen Tonnen entsorgt. | © Ekkehard Wind

Enger Plastik gehört nicht in den Biomüll

Sortierung nach der Abfuhr kostet Geld

Karin Wessler

Enger. Der Anrufer am Lesertelefon der Neuen Westfälischen war aufgebracht: "Es wird Plastik in Biomülltonnen geworfen. Das Zeug hat dort nichts zu suchen. Das ist schädlich für unsere Umwelt und damit für die Menschen. Außerdem verursacht die unzureichende Müllsortierung der Allgemeinheit hohe Kosten." Der Anrufer sieht die Stadt - in diesem Fall Enger - in der Pflicht, Biotonnen zu kontrollieren, zumindest stichprobenartig. Kunststoffe in der Biotonne zu entsorgen sei eine Ordnungswidrigkeit, die verfolgt werde müsse. "Alle sind untätig. So geht das nicht weiter, es ist traurig", sagt er. Der Biomüll der Kommunen im Kreis Herford wird zunächst zur Kompostierungsanlage und Umladestation Kompotec an der Dornbreede in Enger gebracht. "Kunststoffe im Biomüll sind in der Tat ein großes Problem, das wird deutschlandweit diskutiert", bestätigt Ute Lepper, Leiterin des Werkes. "Nicht alle Störstoffe kann man aussortieren. Die werden dann im Endeffekt mit kompostiert." Es sei ein großer Kreislauf: Der Biomüll - dazu gehören Kaffeefilter, Apfelschalen, Speisereste oder abgelaufene Lebensmittel - wird wieder zu Kompost und damit zu Dünger, der später im Gemüsegarten oder auf Äckern der Landwirte landet. "Und damit irgendwann wieder auf unseren Tellern", unterstreicht die Diplom-Ingenieurin. "Von daher haben Altholz, Glas, Metalle, Kunststoffe oder Verpackungen überhaupt nichts im Biomüll zu suchen." Ob Bußgelder, wie sie in manchen Kommunen in Deutschland ertappten Bürgern auferlegt werden, dauerhaft für eine höhere Sortierfreudigkeit sorgen würden, wagt sie zu bezweifeln. "Grundsätzlich besteht die Pflicht, Müll und Abfälle ordentlich zu sortieren und in der richtigen Tonne zu entsorgen, für alle Bürger. Bei einer Überlegung, ob Bußgelder verhängt werden sollen, gilt es, wirklich darüber nachzudenken, ob dies der Sache dient. Den Menschen sollte die Biotonne nicht vergrault werden", so ihre Einschätzung. Sie setze vielmehr auf eine umfassende Aufklärung und Information. Es sei besser, Verständnis für die Biotonne zu wecken. "Am besten schon mit Projekten in Kindergärten und Schulen", so ihre Erfahrung. "Bedarf wäre da", ist Ute Lepper sicher. Die Frage bei unterschiedlichen Arten von Informationen und Aufklärung sei aber immer: "Werden auch die Leute erreicht, die ihre Tonne falsch befüllen?" Manche Menschen seien falsch informiert - oder einfach nur gleichgültig. Unter dem Strich sei dies ein Thema, dass jeden betreffe. "Je mehr Störstoffe aus dem Biomüll aussortiert oder gesiebt werden müssen, je höher der Aufwand und damit die Kosten. Wenn die Kosten steigen, gibt es Gebührenerhöhung für alle Bürger", macht Ute Lepper deutlich. "Es kommt wie ein Bumerang zurück." Gerd Althoff, Fachbereichsleiter in Enger, erklärt: "Die Stadt kann es finanziell nicht stemmen, einen Mülltonnenkontrolleur einzustellen." Auch Entsorger Tönsmeier sei in der Pflicht. "Die Mitarbeiter führen stichprobenartig Kontrollen durch." Erst kürzlich sei dies in Enger-Mitte geschehen. "Da gab es nicht zu beanstanden", so Althoff. Es sei ein "grundsätzliches Problem", dass Müll falsch sortiert werde. "Das ist auch beim Altglas oder bei grünen Tonne so." Auch die Stadt Enger informiere und kläre auf. "Aber das muss auf offene Ohren treffen", so seine Erfahrung. In Hiddenhausen habe es mal für kurze Zeit einen Mülltonnenkontrolleur gegeben, berichtet Althoff. "Aber das hatte lange nicht den gewünschten Erfolg. Es ist nichts besser geworden." Wenn ein solcher Kontrolleur eingesetzt werde, müsse das auch effektiv sein. Und es müsse jeder Müll geprüft werden. "Es ist schwierig umzusetzen." So wird der Müll sortiert Braune Tonne (Biotonne) für: kompostierbare Abfälle aus Küche und Garten, Gemüse- und Obstreste, Tee und Teebeutel, Kaffeesatz mit Filtertüten, gekochte und rohe Speiserest (ohne Verpackung sowie ohne Knochen und Gräten), Eierschalen, Brotreste, Schnitt- und Topfpflanzen, Gras-, Hecken- und Strauchschnitt. Plastik- oder Papiertüten gehören nicht in den Biomüll, sondern werden im Restmüll entsorgt. Um Feuchtigkeit aufzusagen, empfiehlt es sich, den Bioabfall lose in Zeitungspapier einzuwickeln. Graue Tonne (Restmüll) für: Abfall, der kein Biomüll und keine Verpackung ist, nicht aus Glas oder Papier besteht, kein Sonderabfall ist und nicht als Elektrogerät gilt. Blaue Tonne (bzw. graue Tonne mit blauen Deckel) für: Altpapier, dazu gehört Schreibpapier, Zeitschriften, Pappen, Zeitungen, Broschüren, Kataloge. Nicht in die Blaue Tonnen gehören: Milch- und Safttüten, Hygieneabfälle, Windeln, Papiertaschentücher, Kohle- oder Pauspapier, beschichtetes Faxpapier, Tapeten, verschmutzte Pappen. Grüne Tonne: Sie ist für Verkaufsverpackungen außer Papier und Glas, restentleerte Verkaufsverpackungen aus Metall (Konserven, Verschlüsse, Aluschachteln), Kunststoff (Becher von Milchprodukten, Flaschen von Spül- oder Waschmitteln, Plastiktüten), Saft- und Milchkartons. Die Stadt Enger hat in ihrer Satzung festgeschrieben, dass eine Ordnungswidrigkeit begeht, wer „für bestimmte Abfälle vorgesehene Behälter mit anderen Abfällen füllt". Je nach Größe und Art der Ordnungswidrigkeit kann sie mit einer Geldbuße von „bis zu 50.000 Euro geahndet" werden. Die Satzung ist nachzulesen auf der Homepage der Stadt Enger unter der Rubrik „Leben in Enger", und hier unter „Planen, Bauen &Wohnen" – Abfall & Straßenreinigung.

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