Markanter Schwanz: Die Wildtierkamera filmte bereits im August 2017 einen Fischotter an der Else zwischen Bünde und Kirchlengern. Durch den breit angesetzten und spitz zulaufenden Schwanz ist der Fischotter eindeutig als solcher zu identifizieren. Der helle Fleck an der Kehle ist auf dem Bild verschwommen. - © Biologische Station Ravensberg
Markanter Schwanz: Die Wildtierkamera filmte bereits im August 2017 einen Fischotter an der Else zwischen Bünde und Kirchlengern. Durch den breit angesetzten und spitz zulaufenden Schwanz ist der Fischotter eindeutig als solcher zu identifizieren. Der helle Fleck an der Kehle ist auf dem Bild verschwommen. | © Biologische Station Ravensberg

Otter an der Else geblitzt

Naturschutz: Zum ersten Mal seit 70 Jahren wurde in der Elseaue zwischen Bünde und Kirchlengern ein Fischotter gesichtet – eine Wildtierkamera hat ihn gefilmt

Anne Neul

Bünde/Kirchlengern. Fünf Sekunden hält sich der Fischotter vor der Kamera auf, dann springt er aus dem Bild. 1.48 Uhr ist es, als der Otter mit seinen Bewegungen die Kamera auslöst. Sie filmt ihn von hinten, sein breit angesetzter und spitz zulaufender Schwanz ist gut zu sehen. Er sucht etwas am Boden, schnuppert, dreht den Kopf, seine Augen reflektieren kurz das Blitzlicht der Kamera, dann springt er aus dem Bild. Seit den 1950er Jahren war der Fischotter in Nordrhein-Westfalen ausgestorben. Weil er sich von Fischen ernährt und auch wegen seines dichten Felles wurde er gejagt, bis er ausgerottet war. Nach 2000 tauchte er wieder in NRW auf, 2009 entdeckten Biologen mindestens sechs Tiere im Münsterland. 2015/2016 fanden Experten Fischotter-Spuren an der Else in Bruchmühlen, Bünde und Kirchlengern, am Brandbach in Bünde, am Kilver Bach in Rödinghausen-Bruchmühlen und an der Warmenau bei Klein-Aschen. Nun brachte die Wildtierkamera den lebenden Beweis. Die Kamera habe den Otter bereits 2017 gefilmt, sagt Klaus Nottmeyer, Leiter der Biologischen Station Ravensberg in Stift Quernheim. Das sei jedoch erst jetzt bei der erneuten Durchsicht der Bilder aufgefallen. Der Otter wurde am 30. August „geblitzt", von der Kamera, die eigentlich den Biber filmen sollte, der sich ebenfalls im Naturschutzgebiet angesiedelt hat. Biologen wollen Geschlecht und Herkunft des Tieres bestimmen Am 20. Oktober hat eine weitere Kamera der Biostation an der Warmenau ein Otter-Männchen unter einer Brücke gefilmt. Auch hier ist der lange, spitz zulaufende Schwanz deutlich zu sehen. „Wir wollen jetzt Kotproben sammeln", kündigt Nottmeyer an. Wenn die Losung erst ein paar Tage alt sei, könne man Geschlecht und Herkunft des Tieres bestimmen. Dazu würden sie die Proben dem Labor für Naturschutzgenetik des Senckenberg Forschungsinstituts und Naturmuseums Frankfurt schicken, das bundesweit einzige Labor für derartige genetische Untersuchungen an Wildtieren. Ziel der Untersuchung sei, eventuelle Verwandtschaften der Otter bei Melle und im Raum Bünde/Kirchlengern nachzuweisen, sagt Nottmeyer. Dazu werde auch ein im Juli 2017 bei Dielingdorf bei Melle überfahrener Otter herangezogen. Das kräftige Otter-Männchen sei am 30. Juli 2017 am Violenbach nördlich der Else überfahren worden. Das Naturkundemuseum Osnabrück bewahre ihn für derartige Untersuchungen auf. Es müssten mindestens drei Tiere sein, die sich zwischen Melle und Kirchlengern bewegten, sagt Nottmeyer. „Wir wollen herausfinden, ob sie einer oder mehreren Otterfamilien angehören." Im Naturschutzgebiet an der Else hatten Nottmeyers Kollegin Gabriele Potabgy von der Biostation und Otterexpertin Bettina Roy 2015 zwei verschiedene Otter-Spuren gefunden, eine größere und eine kleinere. Mutter und Kind oder ein Paar.  Interessant wäre für die Biologen zu wissen, ob sich der Fischotter an Else und Warmenau fortpflanzt oder „nur" durchzieht. Otter sind nachtaktiv und legen am Stück bis zu zwanzig Kilometer zurück. Sie wandern in und an Gewässern und auch über Land. Nottmeyer hat die beiden Studenten Liane Lücking und Liam Dederke beauftragt, Fischotter-Spuren zu suchen. Sie studieren beide Landschaftsarchitektur am Standort Höxter der Hochschule Ostwestfalen-Lippe und machen seit August ein Praktikum in der Biostation. Sie haben acht Kameras an der Else, der Warmenau und dem Kilverbach aufgestellt, eine davon schickt neue Bilder sofort per E-Mail. Gut möglich, dass der Otter bald wieder in die Blitzer-Falle tappt.

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