Interview: Katie Freudenschuss kommt nach Bünde

Katie Freudenschuss ist Sängerin, Musikerin und Sachensagerin aus Hamburg

Nicolas Bröggelwirth

Katie, Dein Programm heißt: "Bis Hollywood is eh zu weit". Am vergangenen Wochenende war die Oscar-Verleihung. Bist Du wach geblieben? Katie Freudenschuss: Nein. Ich habe nur noch die Vorberichterstattung geguckt, bin dann auch eingeschlafen und habe wirr geträumt. Aber heute Morgen musste ich sofort das Wichtigste, die Dankesreden ansehen. Natürlich von Leonardo DiCaprio aber vor allem von Ennio Morricone. Mein Programm heißt so, weil es ohne jegliche Resignation die Aufforderung ist, Glamour auch im Alltag zu haben, Pathos zu haben und große Gefühle zuzulassen. Ich denke dann immer, auch für Männer: Mach? mal Morricone an, und lasse Momente in Deinem Leben große Momente sein. Du schreibst, es sei nur ein kleiner Schritt süßer Melancholie zu böser Ironie. Wie sieht dieser Schritt aus? Freudenschuss: Dieser Schritt kann ganz unterschiedlich sein. Manchmal ist es auch nur ein Akkord. Ich liebe das Tragikomische. Auch in den Geschichten, die ich mitunter am Klavier erzähle. Darin wird etwas Hoffnungsvolles auch manchmal sehr schnell sehr ernst. Über Dein Leben sagst Du selbst: "Keinen Mann, keine Kinder, keine Karriere - krieg? das erst mal unter einen Hut." Wie schafft man es? Freudenschuss: (lacht) Durch ein sehr komplexes, emotionales und administratives Management. Welche Musik hörst Du eigentlich privat, welche Radiosender bevorzugst Du? Freudenschuss: Zu den Charts kann ich wenig sagen. Musik höre ich meistens gezielt. Wenn ich im Auto sitze, dann gerne Deutschlandfunk oder Klassikradio und hoffe, dass dann tolle Filmmusiken gespielt werden. In Deinem Programm machst Du Dich auch über Marit Larsen lustig. Hast Du etwas gegen sie? Freudenschuss: Ich habe gar nichts gegen Marit Larsen persönlich. Ich habe einfach einen Song gesucht, an den die Leute sich erinnern. Es geht um ein älteres Phänomen, was mich störte. Überall hat man das emanzipierte Frauenbild eingefordert, und dann gab es immer mehr diese Mäuschenveranstaltungen mit den, wie ich sie nenne, Strickpulloverelfen. Du kokettierst gerne mit Deiner eigenen Figur. Das kann man doch nur machen, wenn man keine Probleme damit hat, oder? Freudenschuss: Im Programm mache ich das nur zweimal. Wenn ich auf die Bühne komme, kommt meine Figur halt mit. Das lässt sich nicht verhindern. Aber ich kokettiere gerne mit Bildern, die wir alle haben wollen, die aber nicht der Realität entsprechen. Was ich damit sagen will: Macht nichts. Wir sollten uns alle damit nicht verrückt machen. Wenn man sich Deine Auftritte anschaut, bist Du oftmals an der linken Hand zum Beispiel anders beringt, aber Du trägst immer diese Ankerkette. Was hat es damit auf sich? Freudenschuss: Du schaust aber genau hin, was? Sie ist ein Glücksbringer, den ich immer an habe. Ich brauche kein Kreuz und keinen Kreuzersatz, den man ja sowieso nicht braucht. Sie ist für mich kein individuelles oder großartiges Symbol. Der Anker bedeutet für mich Freiheit, unterwegs zu sein, aber eben auch gefestigt zu sein. Er steht dafür wie ich bin und wie ich lebe. Du gehörst zur intellektuellen Elite dieser Republik. Freudenschuss: Das stimmt leider. Auch wenn es nicht Dein Gebiet ist: Wie würdest Du die "Flüchtlingskrise" lösen, wenn Du Kanzlerin wärst? Freudenschuss: Wenn ich die Lösung nur wüsste. Wir müssen auf jeden Fall einen klaren Kopf bewahren, tolerant und hilfsbereit sein. Und wir müssen uns den Dingen stellen. Man kann nicht pro Flüchtlinge oder gegen Flüchtlinge sein. Das ist alles, was ich sagen kann. Details und Paragrafen sollen andere regeln. Deswegen nenne ich mich auch nicht Comedian oder Kabarettistin. Ich nenne mich "Sachensagerin". Damit umschiffe ich die Schubladen. Freust Du Dich auf Deinen Auftritt in Bünde und Ostwestfalen? Freudenschuss: Ich bin wahnsinnig gespannt. Hoffentlich erzähle ich jetzt keinen Mist und ich bin schon mal da gewesen. Jedenfalls kann ich mich gerade nicht erinnern. Aber über das Universum hört man in Künstlerkreisen ja wirklich nur Gutes. Zur Person Katie Freudenschuss ist 1976 in Gießen geboren, ist Halbösterreicherin und lebt und arbeitet seit 1999 in Hamburg. Dort absolvierte sie an der Hamburger Hochschule den Kontaktstudiengang für Popularmusik. 2008 bekam sie einen Platz als Stipendiatin des Celler Förderseminars für Textschaffende in der Unterhaltungsmusik, um fortan an den Songtexten zu feilen, die sie für sich und für andere schreibt. Mit ihrem ersten Soloprogramm „Bis Hollywood is eh zu weit" steht sie seit 2014 überall in Deutschland alleine auf der Bühne, sie spielt Klavier, sagt Sachen, improvisiert mit Zuschauern und Situationen und singt ihre eigenen Songs.

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