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Begeisterte: Die Brassband „Moop Mama", hier beim Serengeti-Festival 2015. - © Sarah Jonek
Begeisterte: Die Brassband „Moop Mama", hier beim Serengeti-Festival 2015. | © Sarah Jonek

Schloß Holte-Stukenbrock „Senne-Brass“ zum Stadtjubiläum

Ausschuss: Kommunalpolitiker diskutieren über ein Festival, das anlässlich des 50-jährigen Bestehens von SHS im nächsten Jahr starten soll. Warum es Kritik am Gelände gibt, obwohl es für Aktionen dieser Art bestens geeignet ist

Birgit Guhlke
04.04.2019 | Stand 04.04.2019, 12:58 Uhr

Schloß Holte-Stukenbrock. Rock-Festivals, Metal-Festivals, Elektro-Festival – alles schön und gut und längst etabliert. Jetzt soll es im Jahr des Stadtjubiläums ein Brass-Festival geben, das Schloß Holte-Stukenbrock einen großen Bekanntheitsgrad verschaffen könnte. Die Festival-Macher Walent Cerkez und Volker Hagen erklärten den Mitgliedern des Ausschusses für Wirtschaft, Marketing und Stadtentwicklung ihre Idee. Und sie versahen ihre Ausführungen mit Schlüsselbegriffen wie „Festival-Standort", „Alleinstellungsmerkmal" und „neuer Trend". Dazu gab es kritische Fragen, aber auch viel Lob. Der Schloß Holte-Stukenbrocker Walent Cerkez ist als Konzert- und Festivalveranstalter längst etabliert. Er ist Geschäftsführer der Bielefelder Konzertagentur Vibra Agency und hat das Serengeti-Festival in SHS aufgebaut und von 2006 bis 2015 veranstaltet. Campus-Festivals Bielefeld und Paderborn, Parklichter Bad Oeynhausen, die Open-Air-Veranstaltung zum 111-jährigen Bestehen des DSC Arminia Bielefeld – das sind nur einige Referenzen der Konzertagentur. Nun also Brass – Blasmusik in vielerlei Variationen. In München, so erklärte es Volker Hagen, gebe es bereits solch ein Festival, die „Brass Wiesn", mittlerweile im siebten Jahr. „Es ist ein buntes, fröhliches Format für Jung und Alt", sagte Volker Hagen, und liege absolut im Trend. Beim „Senne-Brass", so der Titel, soll genau so etwas auf dem ehemaligen Serengeti-Gelände gegenüber vom Safariland in Stukenbrock-Senne möglich werden. Fortsetzungen nicht ausgeschlossen. Sonntag ist Familientag Stattfinden könnte es im kommenden Jahr von Freitag bis Sonntag, 10. bis 12. Juli. Sollte die Fußball-Nationalmannschaft an dem besagten Sonntag im Finale der Fußball-Europameisterschaft stehen, werde auch das berücksichtigt. Walent Cerkez verspricht zudem für den Sonntag einen kostengünstigen Eintritt oder auch kostenlosen Familientag. Tagestickets sollen ansonsten 40 Euro, ein Wochenendticket 70 Euro kosten. Auf den insgesamt zwei Bühnen könnte die Brassband „Moop Mama" oder die Blasmusikgruppe „LaBrassBanda" stehen. Gebucht ist noch keine Band, der Kontakt aber besteht schon. Erstgenannte Band hatte bereits das Serengeti-Festival-Publikum begeistert, zuletzt 2015. Von Ska, Soul und Big-Band-Sound bis hin zu traditioneller Blasmusik sei bei solch einem Festival „alles möglich", erklärte Volker Hagen. Es solle kein „Oktoberfest oder ein bayrisches Volksfest" werden, sondern ein lokales Fest. Und: SHS sei ja nun einmal eine „Blechbläser-Stadt". Diesen Hinweis quittierten einige Kommunalpolitiker mit einem Lachen und einem Augenzwinkern in Richtung Blasmusiker und Bürgermeister Hubert Erichlandwehr. Andere, wie Stefan Burckardt (CDU), nahmen den symbolischen Ball gerne auf. „Als Mitglied eines Blasorchesters bin ich begeistert", auch die Wahl des – bereits als Festivalstandort erschlossenen – Geländes halte er für berechtigt, „auch auf lange Sicht". „Für ein Stadtjubiläum zu weit draußen" Diesen Gedanken teilten nicht alle Kommunalpolitiker. Kritik gab es von Udo Richter (Grüne), Wolfgang Gerbig (CDU) und Jürgen Gärtner (CDU). Udo Richter lobte das Konzept und die Idee eines Brass-Festivals, ihm ist der Standort aber „für ein Stadtjubiläum zu weit draußen". Wolfgang Gerbig vermisste „die Schnittstelle, das muss man mehr in die Stadt verlagern". Für Jürgen Gärtner muss zu diesem besonderen Anlass „das Konzert zu den Menschen kommen", nicht umgekehrt. Walent Cerkez versuchte, die Kritik mit dem Hinweis auf die guten Bedingungen in Stukenbrock-Senne zu entkräften. Hier gebe es – anders als beispielsweise am Hallenbad mitten in der Stadt – Platz für zwei Bühnen, einen Campingbereich sowie die Möglichkeit, das Safariland mit einzubeziehen. Außerdem sei das Sicherheitskonzept an dieser Stelle erprobt und einfacher. Shuttle-Busse könnten Verbindungen zum und vom Stadtzentrum schaffen. Auch der Pollhansplatz sei nicht geeignet, hier sei bereits im Vorfeld absehbar, dass sich Anwohner über solch eine Veranstaltung beschwerten. Volker Hagen bot an, Aktionen rund um das Festival auch an anderen Orten stattfinden zu lassen. Denkbar sei eine kleine Brass-Parade nach Stukenbrock-Senne oder sogenannte „Weckrufe" der Bläser von Kirchtürmen. Unterstützung bekamen die Festival-Macher vom Bürgermeister, „Es ist ein Festival, kein Konzert", und von Jürgen Schnatmann von der CSB, „Die eigentliche Jubiläumsveranstaltung ist ja im Ort". Die Kommunalpolitiker stimmten mehrheitlich für die Variante „Senne-Brass" vom 10. bis 12. Juli 2020. Vibra Agency muss in dem Jahr nichts für städtische Leistungen zahlen, die Stadt sponsert das Festival mit 20.000 Euro und übernimmt eine Ausfallbürgschaft. Am Gewinn ist sie zu 50 Prozent beteiligt, am Verlust ebenfalls – hier aber mit maximal 50.000 Euro.

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