Bunt, bunter, am buntesten: Lehrerinnen und Lehrer der Gesamtschule laufen mit aufwendig gestalteten Plakaten zu „Schrei nach Liebe“ von den Ärzten in die Sporthalle ein. Von nun an ist die Gesamtschule eine „Schule ohne Rassismus. Schule mit Courage“. - © Noah Matzat
Bunt, bunter, am buntesten: Lehrerinnen und Lehrer der Gesamtschule laufen mit aufwendig gestalteten Plakaten zu „Schrei nach Liebe“ von den Ärzten in die Sporthalle ein. Von nun an ist die Gesamtschule eine „Schule ohne Rassismus. Schule mit Courage“. | © Noah Matzat

Schloß Holte-Stukenbrock Gesamtschule ist jetzt zertifizierte "Schule ohne Rassismus"

Zertifikatsübergabe: Die Schule setzt ein Zeichen, die Schüler werden für ihre Projekte gegen Diskriminierung belohnt. Professor Andreas Zick aus Bielefeld wird Schulpate

Schloß Holte-Stukenbrock. Schlagzeug und Violine. Zwei völlig unterschiedliche Instrumente und doch passen sie wunderbar zusammen, genauso wie Menschen. Das bewiesen Viktoria an der Violine und Kevin am Schlagzeug, die auf der Bühne ein harmonisches Duo abgaben. Sie waren nur einer der vielen Programmpunkte der Feierlichkeiten an der Gesamtschule. Diese hat das Zertifikat „Schule ohne Rassismus. Schule mit Courage" überreicht bekommen. Es war ein buntes Treiben in der Sporthalle am Hallenbad. Und genau das war auch die Intention der Organisatoren. Es sollte bunt sein, bunt und vielfältig. Mit plakativen Sprüchen gegen Rassismus, gegen Gewalt, gegen Ausländerfeindlichkeit und Hass auf bemalten Schildern liefen Lehrerinnen und Lehrer der Gesamtschule zum Ärzte-Song „Schrei nach Liebe" in die Turnhalle ein. Die Schülerinnen und Schüler hatten sich ein aufwendiges Bühnenprogramm überlegt, das zwischen den Reden der Verantwortlichen für heitere Stimmung unter den zuschauenden Schülern sorgte. Bedeutsamer Tag für die Gesamtschule In verschiedenen Projekten hatten sich Kinder und Jugendliche mit Themen rund um Ausgrenzung und Vorbehalte beschäftigt. Die Lehrerinnen Nida Gondal, Christina Fründt und Lehrer Henning Rüschenschmidt, der etwas später zum Team stieß, waren dabei federführende Organisatoren und Initiatoren. Die beiden Lehrerinnen hatten das Projekt angestoßen und ihre Kollegen gebeten mitzumachen. Nach dem Eröffungsrap von Smajl, Felix und Kevin stand Christel Kuch am Rednerpult. Die Schulleiterin sprach von einem bedeutenden Tag für die Schule. „Das erfüllt mich mit Stolz. Aufgrund der Fremdenfeindlichkeit der letzten Jahre bekommt das Projekt eine besonders wichtige Bedeutung", erklärte Kuch. Es sei ganz normal, dass es im Schulalltag auch zu Streit komme. Der muss aber gelingen, ohne den anderen herabzusetzen. „Courage zeigen für ein tolerantes Miteinander" nannte es die Schulleiterin. Selbstverpflichtung unterschrieben Eine Schule bekommt das Zertifikat, wenn mindestens 70 Prozent aller Menschen an der Schule eine Selbstverpflichtung unterschrieben haben. Die beinhaltet, dass sich jeder einzelne das Ziel setzt, Diskriminierungen und Rassismus zu überwinden, Wege gegen Gewalt, Äußerungen oder Handlungen zu finden und einmal im Jahr an der Schule ein Projekt zum Thema „Diskriminierungen" durchzuführen. Mehr als 800 Schulen in Nordrhein-Westfalen besitzen das Label mittlerweile, sagte Sabine Heidjann vom kommunalen Integrationszentrum des Kreises Gütersloh. Sie ist dafür zuständig, dieses Netzwerk aufzubauen, zu betreuen und zu pflegen. Auf der Bühne sagte sie: „Ihr habt Euch den Titel wirklich verdient. Aber nur mit dem Zertifikat hört Rassismus nicht auf, sondern ist nur ein gutes Zeichen." Dem schließt sich Hubert Erichlandwehr an. Gerade in diesen Zeiten sei er als Bürgermeister besonders stolz auf die Schule und alle Schüler. „Diskriminierend zu sein, das ist oft einfach. Aber sucht die Herausforderungen, gebt fremden Menschen die Hand und findet Gemeinsamkeiten", sagt er. Courage bedeutet Mut und Hilfsbereitschaft Andreas Zick, Professor für Sozialisation und Konfliktforschung an der Universität Bielefeld, gestaltete seine Rede interaktiv. Fragte in den Raum, was Courage bedeute. Mut, Hilfsbereitschaft, Respekt, Freundlichkeit. Das sind die Antworten, die die Schüler ihm geben. „Das ist eine Schule, auf die man sich verlassen kann, an die ich gerne komme, weil ich weiß, dass es hier keinen Rassismus gibt." Die Gesamtschule habe nun eine Verantwortung. Jeder einzelne Schüler solle sich überlegen, wie er reagiert, wenn er tatsächlich in eine schwierige Situation gerät. „Ihr habt etwas Großes auf Euch genommen, das müsst Ihr jetzt erfüllen." Nach der Schlussrede der Organisatoren stapften Schüler und Kollegium zum Büfett in der Aula – natürlich ein internationales Büfett.

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