Die Jubilare: Zur Feier ihrer Goldkommunion nehmen 26 Frauen und Männer am Hochamt in der Kirche St. Achatius teil. In den Jahren 1966 bis 1968 wurden sie vom damaligen Pfarrer Anton Bangen in Glaubensfragen unterwiesen. - © Knut Dinter
Die Jubilare: Zur Feier ihrer Goldkommunion nehmen 26 Frauen und Männer am Hochamt in der Kirche St. Achatius teil. In den Jahren 1966 bis 1968 wurden sie vom damaligen Pfarrer Anton Bangen in Glaubensfragen unterwiesen. | © Knut Dinter

Schloß Holte-Stukenbrock Warum Kinder am Tag der Tage lange Gesichter machten

Goldkommunion: Beim Hochamt in der Senner Kirche St. Achatius kommen 26 Männer und Frauen nach 50 Jahren wieder zusammen. Außerdem wird in der Senne ein fröhliches Pfarrfest gefeiert

Schloß Holte-Stukenbrock. Acht bis zehn Jahre alt waren die 56 Kinder, die 1966, 1967 und 1968 in Senne ihre Erste Heilige Kommunion empfangen haben. Am vergangenen Sonntag trafen sich 26 von ihnen nach 50 Jahren wieder. Beim Hochamt in der Kirche St. Achatius feierten sie Goldkommunion. „Vieles war damals anders und auch schön, aber nicht alles war auch besser“, sagte Pfarrer Johannes Epkenhans im Gottesdienst. „Vieles war sehr streng geregelt.“ Epkenhans erinnerte daran, dass die Kommunionkinder nach allgemeiner Auffassung vor dem Gottesdienst nüchtern bleiben sollten. „Nicht mal ein Schluck Wasser war erlaubt. Das war sicher nicht kindgerecht.“ Der regelmäßige Besuch der Messe und die Beichte gehörten zur Vorbereitung auf die Kommunion. Einmal pro Woche erteilte der damalige Pfarrer Anton Bangen außerdem Unterricht, der zusätzlich von den Lehrern in der Volksschule begleitet wurde. Bangen brachten die Kindern großen Respekt entgegen. „Auch was feierlich war, bestimmte der Pfarrer“, sagt Epkenhans. In seiner Predigt betonte er, man dürfe an so einem Tag selbstverständlich zurückblicken und sogar in der Vergangenheit schwelgen. Man solle es aber nicht übertreiben. „Wenn wir uns aber in der Vergangenheit verlieren, sind wir untauglich für die Gegenwart.“ Beim Hochamt wurde er von Hermann Josef Klöpper, Pfarrer im Ruhestand, unterstützt. Der Musikkreis St. Achatius mit Victoria Gerkens, Helen Schniedermann, Manuela Brok-Schniedermann und Franziska Gees sorgte für die Begleitung. „Alle Jungs trugen kurze Hosen“ Günter Biermeier kann sich noch genau an seine Kommunion im Jahr 1968 erinnern. „An dem Sonntag herrschte eine große Hitze“, berichtete Biermeier. „Alle Jungen trugen deshalb kurze Hosen zu ihren Anzügen.“ Die Kleidung war ganz auf den ernsten und feierlichen Anlass abgestimmt. Rolf Schapöhler zum Beispiel trug einen blauen Anzug und hatte sich erstmals eine Fliege umgebunden. Nicht zufrieden war Ulrich Pott allerdings mit seiner Frisur. „Wir hatten alle einen Meckischnitt. Für uns sah das aus, als ob du Glatze hättest.“ Marie Stöß weiß noch genau: „Wir mussten alle Lieder, die im Gottesdienst gesungen wurden, auswendig können.“ Selbstverständlich war der Tag für die damals Zehnjährige „etwas ganz Besonderes, nach der Messe hat man zu Hause gefeiert.“ Wie alle anderen Kinder erhielt auch sie Geschenke von Verwandten und Nachbarn. „Es gab stapelweise Pralinenkästen und umhäkelte Taschentücher. Einige habe ich erst kürzlich originalverpackt aussortiert.“ Monika Pickert ergänzt: „Außerdem wurden wir mit Hortensien überhäuft, in Blau, Rosa und Weiß. Aber was sollten wir Kinder damals denn damit anfangen?“ Die Topfblumen wurden dann meistens zur Kirche gebracht. Mit „Sammeltassen in Massen“ wurde Ursula Schlier bedacht. „Sie stehen alle noch bei mir im Schrank, mit wunderbarem Rosenmuster.“ Was sie jedoch mit den Büchergeschenken anfangen sollte, ist ihr bis heute rätselhaft. „Die waren alle so todernst und enthielten nur Geschichten, bei denen ich weinen musste.“ Beim geselligen Beisammensein ging es keineswegs ernst und streng zu. Die Goldkommunikanten tauschten vorzugsweise heitere Geschichten von früher aus. Beim Pfarrfest am Sonntagnachmittag gab es unter anderem Spiele für Kinder und eine Fragen-Rallye der Bücherei „Senner Lesequelle“. Monika Müller, Ursula Kopplin und Anja Stockhausen hatten Literatur und aktuelle Spiele mitgebracht, die dienstags in der Bibliothek ausgeliehen werden können.

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