Im Januar 2018 präsentierten Sebastian Bathe und Frederik Flötotto das Regalsystem in Knallfarben. - © Friderieke Schulz
Im Januar 2018 präsentierten Sebastian Bathe und Frederik Flötotto das Regalsystem in Knallfarben. | © Friderieke Schulz

Rietberg Kultmöbelhersteller Flötotto: Insolvenzverfahren ist eröffnet

Bereits seit März ist der heimische Möbelhersteller zahlungsunfähig - seitdem wurden keine Investoren gefunden

Nicole Hille-Priebe
05.06.2019 | Stand 04.06.2019, 19:04 Uhr

Rietberg. Es steht weiterhin schlecht um die Zukunft des heimischen Möbelherstellers Flötotto. „Das Insolvenzverfahren wurde zum 1. Juni eröffnet", bestätigte der Insolvenzverwalter Norbert Küpper im Gespräch mit der Neuen Westfälischen. Bislang sei es zwar noch nicht zu Kündigungen gekommen, einzelne Mitarbeiter wurden aber bereits freigestellt und beziehen nun Arbeitslosengeld. „Es ist einfach nicht ausreichend Kapital vorhanden, um alle Arbeitnehmer zu bezahlen", erklärte der Verler Rechtsanwalt, der das Unternehmen bereits bei seiner letzten Schieflage im Jahr 2007 durch eine Insolvenz begleitet hatte. Einige Mitarbeiter haben bereits von sich aus gekündigt Zuletzt arbeiteten noch 34 Mitarbeiter für den renommierten Möbelhersteller mit Sitz in Rietberg und Produktion in Delbrück-Westenholz. Knapp 30 Prozent von ihnen haben laut Küpper aufgrund der unsicheren wirtschaftlichen Situation nun bereits von sich aus gekündigt. „Das sind gut ausgebildete Facharbeiter, viele können sich aussuchen, wo sie hingehen und sie wollen natürlich einen Arbeitsplatz, der Zukunft hat." Dass die bei Flötotto fehlt, zeigt sich auch am mangelnden Interesse potenzieller Investoren. Laut Küpper habe es zwar Gespräche mit Interessenten gegeben, allerdings ohne Aussicht auf eine Trendwende für das Unternehmen, dessen Hauptprodukt zuletzt das Regalsystem war. Hier gebe es mehrere Problemlagen: Neben der Konkurrenz durch andere Regalsystemanbieter auch im Onlinehandel fehlten die Kunden für dieses Segment. Die Zeiten der Kassenschlager sind schon länger vorbei „Die Büroausstattung hat vor 20 Jahren anders ausgesehen. Es stellt sich schon die Frage: Wer braucht heute noch Regale? Um das PC-Handbuch reinzustellen?", fragt sich offenbar nicht nur Küpper. „Zudem sind die Produktionskosten einfach zu hoch für die Erlöse. Das zu ignorieren, hieße sich gegen Entwicklung und Zeitgeist zu stellen." Die Zeiten, in denen Flötotto einen echten Kassenschlager vorweisen konnte, sind schon länger vorbei. Der legendäre „Flötotto-Formsitz" wurde ab den 1950er Jahren 21 Millionen Mal ausgeliefert und sicherte dem Unternehmen einen festen Platz in der deutschen Designgeschichte – aber dafür kann man sich heute nichts kaufen. Laut Küpper wird der Gläubigerausschuss noch in diesem Monat darüber entscheiden, wie es weitergeht.

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