Auf schmalen Wegen wie „An der Egge" müssen Autofahrer ihre Geschwindigkeit den Straßenverhältnissen anpassen. - © Burkhard Hoeltzenbein
Auf schmalen Wegen wie „An der Egge" müssen Autofahrer ihre Geschwindigkeit den Straßenverhältnissen anpassen. | © Burkhard Hoeltzenbein

Harsewinkel Raser ignorieren Tempolimit auf enger Straße - und gefährden andere

Der Kreis Gütersloh reagiert auf die Beschwerden und liest den Autofahrern auf dem schmalen Wirtschaftsweg "An der Egge" die Leviten - zeigen die sich einsichtig?

Harsewinkel. Im Harsewinkeler Außenbereich ist auf vielen Wirtschaftswegen außerorts keine Geschwindigkeitsbegrenzung angeordnet. Dort sind Autofahrer verpflichtet, nur so schnell zu fahren, wie dies die Lage im Straßenverkehr und die Rücksicht auf andere zulassen, auch wenn die Höchstgeschwindigkeit von 100 Stundenkilometern gilt. So weit die Theorie. Auf die in der Neuen Westfälischen von Anwohnern der Straße „An der Egge" erhobenen Vorwürfe, wonach viele Autofahrer trotz beengter Verhältnisse Tempo 100 oder gar schneller fahren, reagiert die Kreisverwaltung in einer Stellungnahme. Deren Hauptaussage ist, dass Autofahrer außerorts nicht immer die zulässige Höchstgeschwindigkeit fahren dürfen. Anwohner äußern massive Beschwerden „Der Kreis Gütersloh ist ländlich geprägt. Besonders in Außenbereichen gibt es Wirtschaftswege, auf denen keine Geschwindigkeitsbegrenzung angeordnet ist", erklärt Bernhard Riepe, zuständiger Fachmann für die Verkehrslenkung beim Kreis Gütersloh. Dort seien Autofahrer verpflichtet, nur so schnell zu fahren, wie dies die Lage im Straßenverkehr und die Rücksicht auf andere zulassen, auch wenn die maximale Höchstgeschwindigkeit von 100 Stundenkilometern gelte. Anwohner und Anlieger „An der Egge" hatten massive Beschwerden wegen des zahlreichen und (zu) schnell fahrenden Durchgangsverkehrs auf der schmalen Straße geäußert. Uneinsichtige Raser, die dort auf ihr „Recht" auf Tempo 100 pochten, würden auf Radfahrer und Spaziergänger keine Rücksicht nehmen. "Leider scheint sich vielfach ein Irrglaube festgesetzt zu haben" Solchen Autofahrern liest Riepe nun die Leviten. „Von jedem Fahrschüler und erst recht von jedem Führerscheinbesitzer darf erwartet werden, dass er die Straßenverkehrsordnung kennt, sich im Straßenverkehr rücksichtsvoll verhält und die Geschwindigkeit stets an die Situation anpasst", erklärt der Sachgebietsleiter. „Leider scheint sich vielfach der Irrglaube festgesetzt zu haben, dass man außerhalb geschlossener Ortschaften auf Straßen, die keine zusätzliche Beschränkung der maximal zulässigen Höchstgeschwindigkeit durch ein Verkehrszeichen aufweisen, 100 Stundenkilometer fahren darf", erklärt er. Wer sich so verhalte, missachte jedoch die Grundregel des Paragrafen 1 der Straßenverkehrsordnung (StVO). Danach erfordere die Teilnahme am Straßenverkehr ständige Vorsicht und gegenseitige Rücksichtnahme. „Jeder Verkehrsteilnehmer hat sich so zu verhalten, dass kein anderer geschädigt, gefährdet oder – mehr als nach den Umständen unvermeidbar – belästigt wird", bemüht Riepe den entsprechenden Paragrafen, der in jeder Fahrschule in der ersten Theoriestunde gelehrt wird. Fehlender Platz zum Ausweichen Nach Paragraf 3 der StVO ist die Geschwindigkeit zudem immer den Straßen-, Verkehrs-, Sicht- und Wetterverhältnissen sowie den persönlichen Fähigkeiten des Fahrers und den besonderen Eigenschaften von Fahrzeug und Ladung anzupassen. Es dürfe nur so schnell gefahren werden, dass innerhalb der übersehbaren Strecke gehalten werden kann. Auf Fahrbahnen, die so schmal sind, dass dort entgegenkommende Fahrzeuge gefährdet werden könnten, muss jedoch so langsam gefahren werden, dass mindestens innerhalb der Hälfte der übersehbaren Strecke gehalten werden kann. Grundsätze, die an der Straße „An der Egge" mit ihren ausgefransten Banketten, dem fehlenden Platz zum Ausweichen und den nicht beschilderten Rechts-vor-Links-Kreuzungen regelmäßig missachtet werden. „Insbesondere die Fahrer mit den OS-Kennzeichen fahren zu schnell", beschwert sich eine Anwohnerin über die Pendler, die die Abkürzung zwischen Autobahn und Harsewinkel nutzen. Belästigung von anderen Verkehrsteilnehmern Bernhard Riepe, der sich mit den Anwohnern in der kommenden Woche ein Bild vor Ort machen will, verweist auf einen weiteren Passus der Verkehrsregeln: Schließlich muss sich jeder Autofahrer gegenüber verkehrsschwachen Personen, wie Kindern, Hilfsbedürftigen und Älteren, insbesondere durch Verminderung des Tempos und durch Bremsbereitschaft so verhalten, dass diese nicht gefährdet werden. „Wer dies beherzigt, wird auf kleinen Straßen und Wirtschaftswegen im Außenbereich deutlich langsamer als 100 Stundenkilometer fahren", schreibt Riepe. „Gefährdungen und Belästigung von anderen Verkehrsteilnehmern und Anwohnern, wie jüngst ’In der Egge’ vorgetragen, gehörten dann der Vergangenheit an", lautet seine Hoffnung. Allein den Anwohnern fehlt der Glaube an so viel Einsicht.

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