Schon seit Jahren soll die Schäferhündin in diesem dunklen Keller gehalten werden. - © Screenshot Privatvideo
Schon seit Jahren soll die Schäferhündin in diesem dunklen Keller gehalten werden. | © Screenshot Privatvideo

Halle Tierquälerei? Hund wird angeblich jahrelang in dunklem Keller gehalten

Ein Nachbar postet ein Video der grenzwertig wirkenden Haltung bei Facebook - das Veterinäramt ist machtlos

Uwe Pollmeier
31.10.2018 | Stand 31.10.2018, 16:08 Uhr

Halle-Bokel. Schon seit Jahren soll in einem dunklen Kellerraum eines Mehrfamilienhauses am Bokeler Ortsrand eine Schäferhündin gehalten werden. Publik gemacht hat die auf Außenstehende grenzwertig wirkende Haltung ein Nachbar, der ein Video bei Facebook gepostet hat. Auf diesem ist zu sehen, wie das Tier in einem schlichten, etwa 15 Quadratmeter großen Kellerraum bei minimalem Tageslicht in einer Plastikwanne sitzt, die auf dem Betonfußboden steht. „Von 24 Stunden verbringt der Hund durchschnittlich 20 im Keller. An manchen Tagen kommt er gar nicht raus", sagt der Nachbar. Zwar stünde in dem Keller eine Schale mit Wasser, Futter habe er jedoch nicht gesehen. Mittlerweile wurde ihm der Zugang zum Kellerraum seitens des Vermieters verwehrt. Schon mehrfach habe er sich ans Veterinäramt des Kreises gewandt, zuletzt auch an Tierschützerin Sandra Borchert aus Norddeutschland, die das Video weiterverbreitet hat. Bis Dienstagnachmittag wurde es schon mehr als 6.000 Mal geteilt. „Die Schäferhündin ist etwa zehn Jahre alt und leidet an Hüftgelenk-Dysplasie und Inkontinenz", sagt Borchert. Sie sei zwar selbst nicht vor Ort gewesen, habe jedoch viele Informationen vom Nachbarn sowie dessen Vormieterin erhalten. „Der Hund hat dort nur einen Plastikkorb ohne Decke, der auf dem Betonboden steht. Jetzt kommt auch noch der Winter, dem Tier muss geholfen werden", appelliert Borchert an die Netzwerkmitglieder und findet online auch deutliches Gehör. Im Netz wird ganz klar Partei für die Hündin ergriffen, viele beschimpfen die Halterin und fordern vom Kreis Gütersloh, dass dieser den Hund aus seiner Lage befreit. "Nicht alles, was unschön ist, lässt sich auch verbieten" In der Praxis gestaltet sich die Angelegenheit jedoch weitaus zäher. „Nicht alles, was unschön ist, lässt sich verbieten", bringt Jan Focken, Sprecher des Kreises Gütersloh, die Problematik auf den Punkt. Eine Veterinärin des Kreises sei vor Ort gewesen und habe sich davon überzeugt, dass alle Vorschriften eingehalten werden. „Der Hund wird nachweislich nicht die ganze Zeit im Keller gehalten", sagt Focken. So etwas sehe ein Veterinär einem Tier an. Ob das Tier allerdings den von der Halterin zugesicherten täglichen Auslauf erhalte, könne man natürlich nicht im Detail überprüfen. „Das Gesetz gibt es aber nicht her, dass wir hier einschreiten", sagt Focken. Die in der Tierschutz-Hundeverordnung festgehaltenen Mindestanforderungen seien erfüllt. Der Hund werde, so Focken, nicht ganztägig im Keller gehalten, so dass er auch das vorgeschriebene Tageslicht erhalte. Allerdings habe man der Hundehalterin auch Verbesserungen auferlegt. So habe sie etwa dafür zu sorgen, dass die Hündin nicht länger „auf dem nackten Beton" liegen muss und ihr zumindest eine Decke zugestanden wird. Kontakt geprägt durch Beschimpfungen Der Nachbar, der detailgetreue Protokolle über die Haltung der Schäferhündin geführt hat, zeigt sich wenig beeindruckt von der Überprüfung des Veterinäramtes. „Als jemand vom Kreis hier war, wurde der Hund vorher aus dem Keller geholt. Die ersten Tage war es dann besser, mittlerweile ist er aber wieder ständig im Keller", sagt der Nachbar. Kurioserweise verfügt die Bokelerin, die beruflich im Sozialbereich tätig ist, über ein ausreichend großes Außengelände sowie einen Zwinger. Darin lebt jedoch, seit dem Tod ihres zweiten Hundes vor etwa einem Jahr, ein neuer Hund. „Sie gibt sich immer so tierlieb, aber dann macht sie so etwas", sagt der Nachbar verständnislos. Mittlerweile sei der Kontakt geprägt von Beschimpfungen. Die Hundehalterin selbst war am Dienstag für eine Stellungnahme leider nicht erreichbar.

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