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Die Stadt geht auf Nummer sicher und hat mit einem Dutzend Metallpfeilern die Decke im Karstadt-Parkhaus abgestützt. - © Andreas Frücht
Die Stadt geht auf Nummer sicher und hat mit einem Dutzend Metallpfeilern die Decke im Karstadt-Parkhaus abgestützt. | © Andreas Frücht

Gütersloh Drohende Karstadt-Schließung: Sanierung des Parkhauses ausgesetzt

Wegen der angekündigten Schließung des Karstadt-Warenhauses in Gütersloh liegen die Pläne für das Parkhaus jetzt auf Eis. Werden nun sogar ganze Abschnitte der Garage vorsichtshalber geschlossen?

Rainer Holzkamp
14.07.2020 | Stand 13.07.2020, 19:07 Uhr

Gütersloh. Dass die Zitterpartie um den Erhalt des Karstadt-Kaufhauses noch ein glückliches Ende findet, damit rechnen in diesen Tagen wohl nur die größten Optimisten.

Auch wenn Bürgermeister Henning Schulz beim Eigentümer des Gebäudes am Berliner Platz, dem Immobilienfonds Highstreet, um eine Absenkung der Mietforderung kämpft, deutet manches weiter darauf hin, dass Ende Oktober die Lichter hinter der markanten Glasfassade ausgehen werden.

1.500 Euro bisher

So hat die Stadt ihre Sanierungsplanung für ihren 50-prozentigen Anteil am Parkhaus Berliner Platz/Karstadt über die Grundlagenermittlung hinaus bereits ausgesetzt und gleichsam die Reißleine gezogen, ehe weitere Kosten anfallen. Bisher halten sich die Ausgaben mit 1.500 Euro noch in einem überschaubaren Rahmen.

Der 40 Jahre alte städtische Teil des Parkhauses ist dermaßen marode, dass die Stadt seit Anfang dieses Jahres Teile der Decken bereits mit zahlreichen provisorischen Stützen abfangen muss, bevor Menschen oder Autos Schaden nehmen. Die Liste der Mängel ist lang. Saniert werden müssen nach offiziellen Angaben vor allem tragende Stahlbetonbauwerksteile, diverse Risse und Dehnungsfugen, Abdichtungen und Versiegelungen, verschiedene technische Anlagen wie Entwässerung und Beleuchtung sowie die Parkabfertigung. Zwar hat die Stadt bisher keine Angaben zum finanziellen Aufwand gemacht, doch gehen Experten von Kosten zwischen 1,5 und 2 Millionen Euro aus.

"Auch von der Geometrie her nicht zukunftsfähig"

Eine Ausgabe, die sich die Stadt ohnehin am liebsten erspart hätte. „Denn auch nach einer Sanierung bleibt es letztlich ein altes Parkhaus," hieß es im Januar. Und erst kürzlich, nach Bekanntwerden der Schließungsabsichten für das Kaufhaus, bezeichnete der Bürgermeister das Parkhaus auch von der Geometrie her als „nicht zukunftsfähig".

Vor diesem Hintergrund hatte die Stadt schon voriges Jahr versucht, den anderen Teil des Gebäudes zu erwerben, um dann das Parkhaus komplett abzureißen und an gleicher Stelle ein neues, modernes hinzusetzen. Doch die Verhandlungen mit Highstreet beziehungsweise dessen Bevollmächtigtem, dem Investmentbanking-Unternehmen Goldman Sachs, scheiterten.

"Standsicherheit für zehn Jahre"

Zuletzt sah daher die Planung des städtischen Fachbereichs Tiefbau eine Sanierung „zum Erhalt der Standsicherheit für eine Nutzungsdauer von zehn Jahren" vor, wie dessen Leiter Alfons Buske auf Anfrage mitteilt. Die Planungsleistungen sind demnach im April an ein Fachbüro vergeben worden.

Der Auftrag umfasse die Leistungsphase 1 (Grundlagenermittlung) bis 9 (Dokumentation) gemäß Honorarordnung für Architekten und Ingenieure (HOAI). Im Planungsprozess abgeschlossen ist laut Buske die Phase 1. Damit ist voraussichtlich auch bereits das Ende des Vorhabens erreicht. Ob die Stadt in diesem Fall dennoch für die übrigen Phasen zur Kasse gebeten werden kann, darüber gibt es keine Aussagen.

Der Bürgermeister plädiert vor dem Hintergrund der geplanten Kaufhausschließung dafür, das gesamte Quartier samt Berliner Platz und Spiekergasse hinsichtlich einer Überplanung in den Fokus zu nehmen. Es müssten zügig Lösungen erarbeitet werden. Unerwünschte Zwischennutzungen des Gebäudes gelte es zu unterbinden. Dazu solle bald eine Veränderungssperre erlassen werden.

Bis klar ist, wie es an der Stelle weitergeht, werden laut Buske weitere Entlastungs- und Abstützungsmaßnahmen im Parkhaus erforderlich. Die Erste Beigeordnete Christine Lang hat außerdem die Schließung von einzelnen Abschnitten ins Gespräch gebracht.

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