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Nach dem Verkauf seines Partyzelt-Verleihes ist Branchenumsattler Markus Drücker seit dem Frühjahr mit seiner neuen Firma "m.d - Trockeneis-Technik" im Bereich der umweltbewussten, ressourcenschonenden Reinigung ohne Wasser unterwegs. - © Jens Dünhölter
Nach dem Verkauf seines Partyzelt-Verleihes ist Branchenumsattler Markus Drücker seit dem Frühjahr mit seiner neuen Firma "m.d - Trockeneis-Technik" im Bereich der umweltbewussten, ressourcenschonenden Reinigung ohne Wasser unterwegs. | © Jens Dünhölter

Gütersloh Dieser Gütersloher reinigt ganz ohne Wasser: Wie das geht

Markus Drücker hat früher als Zeltverleiher gearbeitet. Dann hatte er eine coole Idee. Jetzt säubert der 57-Jährige Autos und Fassaden – und das alles ohne Chemie und Wasser.

Jens Dünhölter
06.08.2019 | Stand 06.08.2019, 17:30 Uhr

Gütersloh. Großflächen-Reinigung ohne Wasser? Das klingt für die meisten Menschen zunächst vermutlich unwahrscheinlich. Für Markus Drücker ist es dagegen Alltag. Nach mehr als 30 Jahren als Partyzeltverleiher hat der 57-Jährige im Frühjahr den Sprung ins kalte Eis gewagt. Seit Februar ist der Gütersloher mit seiner neu gegründeten Firma „M. D. Trockeneis Technik" als mobiler Trockeneis-Reiniger unterwegs. Er säubert unter anderem Boote, Fassaden, Fahrzeuge, Maschinen, Fachwerkgebäude. Der Begriff Trockeneisreinigung ist dabei etwas irreführend. Im Gegensatz zur Säuberung mit Hochdruckreinigern oder manuellen Methoden kommt die Trockeneisreinigung ohne einen Tropfen Wasser aus. Statt Wasser wird 100 Prozent reines, tiefgefrorenes Kohlendioxid zum Entfernen von Graffiti, in der Denkmalpflege, der Beseitigung von Krustenflechte auf Platten, zum Unterbodenschutz oder der Motorreinigung bei Kraftfahrzeugen verwendet. Klimaneutrale Alternative „Die drei Millimeter dicken Trockeneis-Pellets sind farb- und geruchslos, klimaneutral und frei von Lösungsmitteln", erklärt Drücker. Er hat sich bewusst für einen Neustart im Bereich umweltbewusstes Reinigen entschieden. Noch muss er sich nur gegen wenige Bewerber durchsetzen. Mit lediglich drei Mitbewerbern in Niehorst, Bad Salzuflen und Hamm ist der Markt in der direkten Umgebung übersichtlich. Den daraus fast automatisch resultierenden Nachteil bekommt der Firmenneugründer oft genug bei seiner Kundengewinnung zu spüren. „80 bis 90 Prozent der Leute können sich unter Trockeneisreinigung nichts vorstellen. Die kennen den Begriff nicht", sagt Drücker. Nach einer kurzen Erläuterung wie neulich im Gütersloher Rathaus verwandele sich Unkenntnis aber meist schnell in Begeisterung. „Die meisten finden es richtig toll", so Drücker. Das Geheimnis der schonenden, extrem gründlichen, alternativen Art, Oberflächen gründlich zu säubern, liegt in der Kälte. Die von einem Lieferanten in Münster stammenden, in speziellen Thermokisten aufbewahrten Eis-Pellets werden mit minus 80 Grad auf die zu behandelnde Oberfläche geschossen. Die kinetische Energie der Partikel überträgt sich beim Aufprall auf die Verschmutzung, erzeugt so vergleichsweise weiches Strahlgut. Im Gegensatz zu Wasser ist die behandelte Fläche sofort sauber und trocken. Selbst Sandstrahlen hinterlasse Rückstände, weil der Sand in kleine Poren eindringen könne, erklärt Drücker. „Das Reinigen mit dem eisigen Kohlendioxid ist eine schöne Sache", betont Drücker. Nachdem er sich selbst ausführlich über die Methode informiert hatte, war er bereit, rund 50.000 Euro für einen neuen Transporter und die erforderlichen Geräte zu investieren. Herzstück der Anlage ist der transportable Kompressor. Durch die Verwendung von zu 100 Prozent gefilterter Luft ist er auch für Einsätze in der Lebensmittelindustrie geeignet. Allein in diesem Bereich gingen durch vorgeschriebene Einsätze mit Hochdruckreinigern und Schaum „jeden Werktag Millionen Kubikmeter Wasser für die Reinigung drauf", berichtet Markus Drücker. Mobiler Service und Hebebühne Bisher bietet der 57-Jährige einen mobilen Service an. In eine Scheune will er zudem eine Hebebühne einbauen, um dort Fahrzeugreinigungen durchführen zu können. „Nicht jeder Autofahrer hat eine Hebebühne zu Hause", sagt er. Die Verrechnung beim Kunden erfolgt über den Stundenlohn beziehungsweise über den Verbrauch an eisigem Kohlendioxid. Wie es mit dem Ein-Mann-Unternehmen in sechs oder zwölf Monaten weitergeht, wird nach Auftragsentwicklung entschieden. „Momentan arbeite ich allein", sagt Drücker. „Vielleicht kommt demnächst noch ein Mitarbeiter oder ein weiteres Fahrzeug hinzu." Einen winzigen Nachteil hat die besondere Reinigungsmethode indes doch – zumindest für den Inhaber. Egal wie viel oder wenig Markus Drücker auch abstrahlt: Nach vier, fünf Tagen sind die Thermokisten leer. „Alles verdampft", erklärt der Experte das Trockeneis-Prinzip.

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