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Kaffeetrinken in Wohnzimmer-Atmosphäre: Nesrin Sayar in ihrem Café Nes am Dreiecksplatz. - © Andreas Frücht
Kaffeetrinken in Wohnzimmer-Atmosphäre: Nesrin Sayar in ihrem Café Nes am Dreiecksplatz. | © Andreas Frücht

Gütersloh Dieses Café hat am Gütersloher Dreiecksplatz wieder eröffnet

Nesrin Sayar serviert am Dreiecksplatz im Café Nes türkischen Tee und Varenseller Kuchen - das ist aber noch längst nicht alles

Anja Hustert
14.06.2019 | Stand 14.06.2019, 18:13 Uhr

Gütersloh. „Ich hätte nie damit gerechnet, dass ich einmal ein eigenes Café besitze", sagt Nesrin Sayar. Doch das, was die 57-jährige Dolmetscherin am Dreiecksplatz ihr Eigen nennt, ist viel mehr als ein gemütlicher Ort zum Kaffeetrinken: es ist Begegnungsstätte, Ort für Literatur, Sprachschule, Dolmetscherbüro, Ausstellungsraum, bald vielleicht auch Malschule. Und manchmal wird hier im Café Nes auch aus dem Kaffeesatz gelesen. 1985 kam Nesrin Sayar als junge Studentin aus der Türkei in den Kreis Gütersloh. Gemeinsam mit ihrem Ehemann und der Tochter lebte sie in Harsewinkel, studierte Mathematik und Informatik, gab nebenbei Sprachkurse. „Wer hier ankommen möchte, muss als erstes die deutsche Sprache lernen", hat sie selbst erfahren. Und das möchte sie auch weitergeben und kümmert sich daher um junge Flüchtlinge – um sechs von ihnen besonders intensiv. „Meine Söhne", nennt sie sie. Umzug in die Friedrichstraße Nr. 7 Und diese Söhne waren auch der Grund, dass am Dreiecksplatz nun türkischer Kaffee serviert wird. „Im Mai 2017 habe ich das Café Nes an der Friedrichstraße Nr. 5 eröffnet", erzählt Nesrin Sayar. Und Mohammed aus Afghanistan, dem zu dem Zeitpunkt vom Bundesamt für Migration ein weiterer Deutschkurs verwehrt worden war, wurde als Praktikant eingestellt. „Wir haben hier jeden Tag Deutsch gelernt", erzählt die sportliche Frau, die hauptberuflich als Übersetzerin und Dolmetscherin arbeitet. Im Kontakt mit den Besuchern konnten Mohammed und seine Ziehbrüder gleich das Gelernte anwenden. „Natürlich gab es am Anfang Gäste, die gefragt haben, was haben die ganzen Flüchtlinge hier zu suchen?", erinnert sich Nesrin Sayar. Doch die Freundlichkeit der jungen Männer überzeugte – inzwischen ist das Café Nes vom Dreiecksplatz nicht mehr wegzudenken. Kürzlich ist es ein Haus weiter gezogen und befindet sich nun an der Friedrichstraße Nummer 7. „Wir haben am 3. Mai dort wieder eröffnet - zu Freitag18!", erzählt Nesrin Sayar, die den Besuchern dann gerne einen kalten Vorspeisenteller serviert. „Außerdem habe ich jeden Tag eine Suppe und Bulgursalat auf der Karte", erzählt sie. Und eben Kuchen. „Den bekomme ich von Silkes Zuckerwerkstatt in Rietberg-Varensell", fährt sie fort. Leicht Kreationen mit viel Quark und Joghurt. „Im Moment sind Erdbeer und Rhababer lecker", findet die Café-Besitzerin. Knapp 30 Plätze hat sie im Café, das ebenso mit modernen Stühlen eingerichtet ist wie mit antiken Fundstücken. Türkischen Tee gibt es aus dem Samover, wer sich mit einer kleinen Gruppe zum Frühstücken anmeldet, bekommt den Kaffee in Omas alten Sammeltassen serviert. „Die habe ich alle bei der Diakonie gefunden", sagt Nesrin Sayar. Café Nes wird zum Ausstellungsraum für Kunst In ihren Räumen sind wechselnde Kunstausstellungen zu sehen – derzeit hängen dort Blumen- und Natur-Bilder von Madiha Kocyigit und mit dem Fineliner gepunkete Porträts von Saman Shirvani. Der 30-jährige Iraner ist ebenfalls ein Ziehsohn von Nesrin Sayar. „Herr Shirvani möchte hier Malkurse anbieten" erzählt die Cafébesitzerin, die ihre Räume auch für private Sprachstunden nutzt. Café Nes ist montags bis samstags von 10 bis 18 Uhr geöffnet und sonntags von 13 bis 18 Uhr. Bei schönem Wetter laden vor der Tür Holzstühle mit großen lila Kissen zum Verweilen auf dem Dreiecksplatz ein. Wenn es ihre Zeit erlaubt, setzt Nesrin Sayar sich zu ihren Gästen. Und wer sie darum bittet, für den wagt sie auch einen Blick in den Kaffeesatz.

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