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Hanfpflanze: Aus der Blüte der weiblichen Pflanze wird Marihuana gewonnen. - © Pixabay
Hanfpflanze: Aus der Blüte der weiblichen Pflanze wird Marihuana gewonnen. | © Pixabay

Gütersloh Kommissarin berichtet: An jeder Schule in Gütersloh wird Cannabis konsumiert

5. Forum "Schule fragt Psychiatrie - Psychiatrie fragt Schule" im Evangelisch Stiftischen Gymnasium

Anja Hustert
14.06.2019 | Stand 13.06.2019, 18:23 Uhr

Gütersloh. "Wir haben an jeder Schule Cannabis-Konsumenten. Das Problem fängt dann an, wenn man die Augen davor verschließt", sagt Kriminaloberkommissarin Vanessa Ogan. Nein, die Augen verschließen vor Drogenkonsum von jungen Menschen möchte in Gütersloh niemand. Vielmehr soll das Thema auf die Tagesordnung, so wie beim fünften Forum Forum "Schule fragt Psychiatrie - Psychiatrie fragt Schule". "Es ist wichtig, dass wir im Gespräch bleiben", meint auch Klaus-Thomas Kronmüller, Ärztlicher Direktor des LWL-Klinikums Gütersloh. Das Gütersloher Bündnis gegen Depression hatte das Thema Cannabis ausgewählt - "auf besonderen Wunsch der Schulsozialarbeit", sagte Hans-Werner Küster, Schriftführer des Bündnisses und bis vor drei Jahren Lehrer am Evangelisch Stiftischen Gymnaisum. Hier im ESG - und nicht wie sonst im LWL-Klinikum - trafen sich die Experten. Schulhausmeister muss Cannabis-Tütchen wegräumen "Cannabis ist in Gütersloh nicht nur im sprichwörtlichen Sinne in aller Munde", bestätigt auch Thomas Rimpel, stellvertretender Schulleiter am ESG. Jeden Montagmorgen müsste der Schulhausmeister auf dem Schulhof die Hinterlassenschaften von Menschen wegräumen, die sich am Wochenende dort aufgehalten haben. "Zerbrochene Wodkaflaschen, aber auch Cannabis-Tütchen", so der Schulleiter. Gerade in den vergangenen Wochen sei im Umfeld der Schule zu sehen, wie Drogen konsumiert oder gedealt würden - rund um den Wasserturm und auf der Grünfläche am Parkhaus Daltropstraße. "Wir sehen das Thema als Herausforderung und wollen ein Problembewusstsein entwickeln", so Rimpel. THC-Gehalt in Marihuana heute um ein Vielfaches höher als früher "Ich hatte meine erste Cannabis-Erfahrung mit Cookies in Thailand", erinnert sich Frank Jürgens, leitender Oberarzt in der Akutbehandlung Sucht des LWL-Klinikums. Während früher in der Elterngeneration eher Haschisch konsumiert wurde - bekannt als Shit - Krümel, die von schokoladenähnlichen Blöcken in den Tabak gestreut wurden, gehe es heute hauptsächlich um Marihuana, auch Gras genannt. Aber der THC-Wert, der berauschende Inhaltsstoff sei heutzutage um ein vielfaches höher als früher. "Ob ihr Kind Cannabis konsumiert, können Sie als Eltern nicht ohne weiteres erkennen", sagte Jürgens, selbst Vater von zwei Kindern. Man könne es allenfalls riechen. Mehr als vor Marihuana, das aus den Blüten der weiblichen Hanfpflanze gewonnen wird, warnte er vor synthetischen Canabinoiden, den sogenannten Legal Highs: "Finger weg" Das ist ein Scheiß-Zeug!" rief er auch in Richtung des ESG-Pädagogik-Leistungskurses, der ebenfalls am Symposium teilnahm. Der Suchtexperte riet den Eltern, Ruhe zu bewahren. "Wichtig ist es, mit den Kindern im Gespräch zu bleiben, eine klare Haltung zu zeigen und sich beraten zu lassen." Cannabis kommt an jeder Schule in Gütersloh vor Ein Problem beim Cannabis-Konsum sei, dass er immer früher beginne. "Cannabis ist der häufigste Grund für die Aufnahme einer stationären Suchtbehandlung", sagt Moritz Noack, Oberarzt der Abteilung für Suchttherapie an der Kinder- und Jugendpsychiatrie in Hamm. "Unsere Patienten beginnen bereits im Jugendalter mit dem Konsum." Das bestätigte auch Vanessa Ogan. "Wir haben im Kreis Gütersloh Zwölfjährige,die von 14-Jährigen angefixt werden." Bei den 12- bis 17-Jährigen habe jeder Zehnte schon Erfahrung mit Cannabis gemacht", bestätigte Lars Riemeier von der Fachstelle zur Suchtvorbeugung der Caritas. "Das Phänomen kommt an jeder Schule vor. Ein Problem wird es erst dann, wenn ich als Schule keine Idee habe, wie ich mit dem Thema umgehe."

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