Inhaber Manfred Heveling schließt sein Geschäft an der Gütersloher Blessenstätte. - © Andreas Frücht
Inhaber Manfred Heveling schließt sein Geschäft an der Gütersloher Blessenstätte. | © Andreas Frücht

Gütersloh Neuer Leerstand in Gütersloh: Hifi Corner schließt nach 36 Jahren

Bis Ende der Woche ist noch Räumungsverkauf in dem Kultladen an der Blessenstätte - dass Inhaber Manfred Heveling keinen Nachfolger findet, liegt nicht nur an der Konkurrenz im Internet

Matthias Gans
12.06.2019 | Stand 12.06.2019, 13:49 Uhr

Gütersloh. „Wie wichtig der Händler ums Ecke ist, weiß man erst, wenn er nicht mehr da ist." Vor knapp vier Jahren hat Manfred Heveling diesen Spruch auf der Facebook-Seite seines Geschäfts veröffentlicht. Nun schließt er seinen „Hifi Corner" an der Blessenstätte – nach 36 Jahren. Und erntet allseits bedauernde, aber dankbare Kommentare seiner Stammkunden. „Der beste Laden Güterslohs schließt also", kommentiert ein Kunde bei Facebook. „Was hab ich Zeit und Geld bei euch gelassen, und nie was davon bereut", schreibt ein anderer. „Ich konnte keinen Nachfolger finden", sagt der 66-Jährige zur Begründung. Tatsächlich ist die Schließung mehr als die Kapitulation eines anerkannten Fachhändlers vor der Konkurrenz aus dem Internet. Sie hat auch mit einem Kulturverlust zu tun: der Kunst des Hörens. „Vielen Menschen ist ein guter Klang nicht wichtig", sagt Heveling. „Ein Bluetooth-Lautsprecher ist schon gehobener Standard, den meisten reicht das Handy." Anlagen für Diskotheken gebaut Der Begriff High Fidelity, eigentlich eine DIN-Norm, steht für die Leidenschaft, Musik auf einer hochwertigen Anlage mit gutem Klang zu genießen. Und diese Passion hat nicht mehr so viele Fans wie einst, als Heveling sich entschied, Radio- und Fernsehtechniker zu werden. „Ich war immer schon ein begeisterter Frickler", erinnert er sich. Als Junge habe er schon mit dem den legendären Bausatz „Radiomann" von Kosmos experimentiert. Nach der Lehre bei der Harsewinkeler Firma P.A. Richter Ende der 60er Jahre arbeitete er zunächst bei Radio Prusky. Zusammen mit seinem Arbeitskollegen Jens Hesse machte er sich dann in Marienfeld selbstständig, um Anlagen für Diskotheken zu bauen. 1983 eröffneten die Beiden dann Hifi-Corner an der Carl-Miele-Straße, ein paar Jahre später ging es an die Blessenstätte. Jens Hesse betrieb dann allein sein Geschäft JH Akustik, das er im vergangenen Jahr schloss. Ein echter Name in der Tuning-Szene Manfred Hevelings Schwerpunkt lag bei Hifi-Ausstattungen für Autos. „Die jungen Männer wollten Frauen beeindrucken, wenn sie mit ihren Autos an Eisdielen vorbeifuhren", sagt Heveling. Und er half ihnen dabei, importierte große Marken aus den USA und baute sie in die Autos ein. In der Auto-Tuning-Szene war Hifi-Corner recht bald ein Begriff, es konnte der Szene nicht basslastig und laut genug sein. Als er einmal vier Basslautsprecher in einem Auto eingebaut hatte und er diese aufdrehte, weil der Kunde Verzerrungen zu hören meinte, hebelte der Schalldruck sämtliche Scheiben aus. „Manche Autos hatten gar keine Zulassungen mehr, weil sie so extrem dicke Scheiben hatten, um dem Druck standzuhalten, die mussten dann auf einem Anhänger zu den Festivals gefahren werden", sagt Heveling. Messungen hätten Spitzenwerte von 160 Dezibel ergeben. „Eine tödliche Lautstärke. So ein Quatsch." Er hatte jemanden im Auge - doch der wollte nicht Ein weiterer Schwerpunkt sollte das Thema Selbstbaulautsprecher sein. „Das bot vielen Hifi-Fans die Chance, zur Hälfte des Preises daheim einen Lautsprecher aus hochwertigen Komponenten zu bauen." Heute fehle den Leuten die technische Begeisterung und das Verständnis dafür. Heveling setzte bei seinen Marken auf Qualität, die Firmen fanden in ihm einen überzeugten Verkäufer. Für Block war er so erfolgreich, dass ihn die Firma zur Präsentation neuer Geräte nach Mailand einlud. Einige Zeit habe er einen Mitarbeiter als Nachfolger im Auge gehabt, der sich im Digitalen ausgekannt habe, während er der Experte für die Analogtechnik sei, die perfekte Ergänzung also. Doch der habe sich anders entschieden. Einem anderen Interessenten habe er abgeraten mit den Worten: „Lass es, du machst dich nur unglücklich." Zwar gebe es eine Rückbesinnung auf Hifi, aber nicht in der nötigen Masse. "Ein Leben ohne Hifi kann ich mir nicht vorstellen" Und so hat der 66-Jährige bald viel Zeit, Musik zu hören, die aber vor allem live. Untätig will er aber doch nicht sein. „Ich habe noch Geräte daheim, die auf eine Reparatur warten. Ein kleines Online-Geschäft werde ich zudem daheim noch aufrecht erhalten. Ein Leben ohne Hifi kann ich mir einfach nicht vorstellen."

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