Schülerstreik für's Klima auf dem Berliner Platz bzw Rathaus Gütersloh.Fridays For Future - © Andreas Frücht
Schülerstreik für's Klima auf dem Berliner Platz bzw Rathaus Gütersloh.Fridays For Future | © Andreas Frücht

Gütersloh Fridays for Future in Gütersloh: Schüler ziehen durch die Innenstadt

Zum zweiten Mal demonstrierten am Freitag Gütersloher Schüler gegen den Klimawandel - aus der Bevölkerung gibt es Unterstützung

24.05.2019 | Stand 24.05.2019, 18:38 Uhr |

Gütersloh. Pfiffe und Buhrufe: Die Enttäuschung bei den etwa 400 „Fridays for Future"-Demonstranten war groß, denn Bürgermeister Henning Schulz kam trotz mehrfacher lautstarker Aufforderungen nicht auf den Adenauerplatz, um sich den Fragen und Anliegen der Schüler zu stellen. Wie sich später herausstellen sollte, war Schulz am Freitagmittag gar nicht im Rathaus zugegen, doch das Gespräch mit Vertretern der Klimaaktivisten soll zeitnah nachgeholt werden, berichtet Stadtsprecherin Susanne Zimmermann. Ein erster Erfolg also. Doch beginnen wir von vorn. Berliner Platz, 12 Uhr: In kleinen und größeren Gruppen sammeln sich bei bestem Wetter die jungen Leute, irgendjemand hat auf den Fußboden mit weißer Farbe „Europawahlen sind Klimawahlen" gesprüht, Musik dröhnt, die Stimmung ist ausgelassen. Viele haben Transparente gebastelt oder Schilder aus Pappe, auf denen Forderungen und Parolen zu lesen sind. Auffällig: Auch mehrere Erwachsene haben sich unter die Schüler gemischt, drei von ihnen sind Ursula und Gerd Godt sowie Petra Semmler. Sie halten ein Plakat hoch, auf dem „Wir sind hier und unterstützen euch! Oma und Opa" steht. „Wir finden gut, was die Jugendlichen hier machen, dass sie aktiv sind und für ihre Zukunft demonstrieren", sagt Ursula Godt. Dass sich jedoch kein einziger Politiker aus dem Stadtrat blicken lasse, das sei „schlichtweg eine Schande", ergänzt Petra Semmler. Kreissprecher der Linken verteilt Infoblätter Um viertel nach zwölf setzt sich der Demozug in Bewegung. Diesmal wird, anders als bei der ersten Klima-Demo im März, nicht nur auf dem Berliner Platz demonstriert, sondern in der gesamten Innenstadt. Ziel ist der Adenauerplatz, doch vorbei geht es erst einmal an einem Stand der Partei Die Linke, die sich als einzige politische Organisation den Jugendlichen stellt. In einer mobilen Feldküche wird gegen eine Spende vegane Suppe in Schalen aus Palmblättern verteilt, gegessen wird mit Löffeln aus Birkenholz. „Wir wollen zeigen, dass man es auch anders machen kann", sagt Michael Pusch, Kreissprecher der Linken, während er mit den Demonstranten Schritt hält und an Passanten eifrig Infomaterial mit dem Titel „Klimakatastrophe und Artensterben" verteilt. Greta: "Ich bin stolz auf meinen Vornamen" Berliner Straße, Kolbeplatz, Eickhoff-, Strenger-, Kaiser- und schließlich Friedrich-Ebert-Straße – nach einer halben Stunde erreicht der Demozug, der sich dank einer auf einem Kinderfahrradanhänger mitgeführten Musikbox mittlerweile zu einer kleinen Party entwickelt hat, das Rathaus. Viele Passanten beobachten das Spektakel wohlwollend und finden es, wie Helga (80) „super, dass die jungen Leute richtig Radau machen und nicht nur reden."Geredet wird dann trotzdem noch bei der Abschlusskundgebung. Greta Giesen („Ich bin stolz auf meinen Vornamen"), 17 und Schülerin des ESG, betont, dass „das politische System seit Jahrzehnten unfähig ist, den Klimawandel zu stoppen" und es jetzt Zeit sei, zu handeln. Zuhörer wie Leia (15) und Paula (16) vom Städtischen Gymnasium wissen das längst, das Thema habe man jüngst in der Schule behandelt und sowieso informiere man sich ständig über Youtube oder Instagram. "Parents for Future": Ist das die neue Bewegung? Mitorganisator Emanuel Zurbrüggen (19) aus Harsewinkel und Mitglied der Linksjugend, zeigte sich am Ende der Demo zufrieden über die große Beteiligung. „Es ist nur schade, dass kein Politiker aus dem Rathaus gekommen ist und sich uns gestellt hat", sagt er. „Schließlich wäre es interessant zu erfahren, warum man für viel Geld den Adenauerplatz umgebaut hat, statt eine Solaranlage auf dem Rathausdach zu installieren." Übrigens: Der Aktivismus der Schüler scheint ansteckend. Aktuell formiert sich auch in Gütersloh eine Bewegung namens „Parents for Future". Anke Freese sammelt daher E-Mailadressen interessierter Erwachsener. „Die meisten haben ja kein Whats App, so müssen wir über E-Mail kommunizieren", sagt sie. Sie habe schon zahlreiche Adressen sammeln können und hofft, so die Klimabewegung aktiv mit unterstützen zu können.

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