Die Schüler trafen sich in Gütersloh auf dem Berliner Platz. - © Andreas Frücht
Die Schüler trafen sich in Gütersloh auf dem Berliner Platz. | © Andreas Frücht

Gütersloh Gütersloher Schüler gehen für mehr Klimaschutz auf die Straße - hier gibt's die Fotos

Mehr als 350 Jugendliche demonstrieren auf dem Berliner Platz. Sie wollen ihre Zukunft retten und haben Ideen, wie sie etwas für die Umwelt tun können

Gütersloh. Es ist so still, dass man ein Handy fallen hört. Nur von der nahen Baustelle sind Geräusche zu hören. Noch vor wenigen Sekunden haben die mehr als 350 Schüler auf dem Berliner Platz in Gütersloh „we are unstoppable, another world ist possible" (dt.: wir sind nicht zu stoppen, eine andere Welt ist möglich) geschrien. Doch jetzt, um 12.45 Uhr, schweigen sie alle. Zusammen mit streikenden Schülern auf der ganzen Welt gedenken sie in diesem Moment den Opfern des Klimawandels. "Weil ihr unsere Zukunft klaut" Um 12.46 Uhr machen die Jugendlichen dann zu den Glockenschlägen der Martin-Luther-Kirche und unter den ersten Sonnenstrahlen dieses Tages weiter wie zuvor – getreu dem Motto „wir sind hier, wir sind laut, weil ihr unsere Zukunft klaut". Unterstütz werden sie dabei von der Pop-Rock-Band Mess Around. Die Gütersloher machen zum ersten Mal bei der weltweiten Bewegung „Fridays for Future" mit. Sie folgen damit dem Beispiel der Schwedin Greta Thunberg, die im August vergangenen Jahres zum ersten Mal die Schule schwänzte, um vor dem schwedischen Reichstag in Stockholm zu demonstrieren. „Es ist traurig, dass es so weit kommen musste", sagt Anna-Lena, „dass wir schwänzen müssen, damit man uns Aufmerksamkeit schenkt." Die 16-Jährige ist Teil des Organisationsteams. „Ich finde das ist kein Schwänzen, wenn es für einen guten Zweck ist", meint die 15-jährige Marlin. Sie verpasst zwei Unterrichtsstunden, fühlt sich aber von der Politik im Stich gelassen und steht trotz des Regens zwischen all den anderen Schülern und hält ihr Plakat mit der Aufschrift „Dieses Schild ist so erbärmlich wie unsere Klimapolitik" hoch. 14 Jugendliche haben die Veranstaltung organisiert Organisiert hat die Kundgebung eine Gruppe von etwa 14 Freiwilligen. Vor etwa zwei Monaten haben sie sich über die sozialen Medien gefunden. Mit so vielen Teilnehmern hatten die Jugendlichen aber nicht gerechnet. Beim Ordnungsamt haben sie daher 200 Protestanten angekündigt und am Donnerstag sprachen sie gegenüber dieser Zeitung sogar nur von knapp 120 Schülern. Auch Moritz-Bernd ist Teil der Orga-Gruppe. „Gestern Abend noch hatten wir Bedenken wegen des Sturms und wollten auch der Band absagen, doch jetzt ist ja alles gut gegangen", freut sich der 16-Jährige. Er besucht die Janusz-Korczak-Schule und engagiert sich seit einem Jahr bei den Jusos. „Wir sind alt genug, um unseren Verstand zu benutzen und offenbar auch, um eine solche Veranstaltung anzumelden", sagt er auf die Frage, was er Politikern entgegnet, die sagen, dass die Schüler viel zu jung sind, um den Klimawandel zu verstehen. Er verzichtet an diesem Tag daher auch auf einen Chemietest und rechnet mit dem Eintrag von drei unentschuldigten Fehlstunden auf seinem Zeugnis. Lehrer machen mit ihren Schülern eine Exkursion zur Kundgebung Damit seine Schüler einen solchen Eintrag nicht bekommen und weil die Veranstaltung gut in den Naturwissenschaftsunterricht passt, ist Lehrer Dustin Stiegelmann mit seiner siebten Klasse hergekommen. „Man ist nie zu jung, um sich zu engagieren" sagt er. „Ausbauen kann man das dann später." Seine Schüler hatten ihn spontan gebeten, zu der Kundgebung gehen zu dürfen. Die Schüler haben neben ihren Plakaten auch Ideen mitgebracht, wie sie persönlich etwas für die Umwelt tun können: „Mit dem Fahrrad fahren, auch wenn Mama einen fahren könnte", „Die Rückseite der Zettel beschreiben" und „Den Müll trennen", sind nur ein paar der Vorschläge. Am Samstag soll es dann gleich weiter gehen. Es geht weiter Mitorganisator Emanuel hat die Jugendlichen zu einer Demo für den Tierschutz in die Innenstadt eingeladen. Für den kommenden Freitag sei noch nichts geplant, so die Organisatoren. Wenn aber wieder ein weltweiter Protest angesetzt wird, will auch Gütersloh wieder dabei sein.

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