0
Michael Wessing mit Kim Scharpenberg bei den Leichtathletik-Kreismeisterschaften im vergangenen Jahr in Gütersloh. - © Henrik Martinschledde
Michael Wessing mit Kim Scharpenberg bei den Leichtathletik-Kreismeisterschaften im vergangenen Jahr in Gütersloh. | © Henrik Martinschledde

Herzebrock-Clarholz/Bochum Ehemaliger Speerwurf-Europameister Michael Wessing nach OP gestorben

Der 66-Jährige hinterlässt seine Frau und drei Kinder

Wolfgang Temme
09.05.2019 | Stand 10.05.2019, 09:50 Uhr

Herzebrock/Clarholz/Bochum. Die Leichtathletik im Kreis Gütersloh hat ihren prominentesten Trainer verloren. Michael Wessing, Speerwurf-Europameister von 1978, verstarb am Dienstag überraschend während einer Operation in Osnabrück im Alter von 66 Jahren. Wessing lebte seit Jahren mit seiner Familie in Clarholz und gehörte zum Trainerstab der LG Kreis Gütersloh 09. Er hinterlässt Ehefrau Cornelia und drei Kinder. „Wir sind alle bestürzt und trauern mit der Familie. Das ist ein großer Verlust", sagte der LG-Vorsitzende Helge Hienz. Ursprünglich hatte Wessing vorgehabt, wie im Vorjahr mit der LG Kreis am traditionellen Ostertrainingslager auf Borkum teilzunehmen. „Er musst leider wegen seiner Hüftprobleme, die den operativen Eingriff notwendig machten, absagen", berichtete Trainerkollegin Tanja Rolle-Sichau. Statt am Dienstag von ihrem Coach den guten Verlauf der Operation mitgeteilt zu bekommen, erhielten die Athleten die traurige Nachricht von seinem Tod. Größter Triumph bei der EM 1978 Als früherer Handballer war der in Recklinghausen geborene Wessing durch eine Wette zum Speerwurf gekommen. Er warf das 800-Gramm-Gerät auf Anhieb über 50 Meter und wechselte – auch fasziniert vom Duell zwischen Olympiasieger Klaus Wolfermann und Janis Lusis bei den Spielen 1972 in München - die Sportart. Schon 1974 qualifizierte er sich für die Europameisterschaften (Rang 14 mit 71,68 m), 1976 wurde er mit 79,06 Meter Olympianeunter in Montreal. Seinen größten Triumph feierte er bei der EM 1978 in Prag mit 89,12 Meter, wenig später stellte er mit 94,22 Meter einen bundesdeutschen Rekord auf. Das bitterste Kapitel seiner Leistungssportkarriere war der deutsche Boykott der Olympischen Spiele 1980 in Moskau, für die er als einer der Mitfavoriten galt. Für seine Erfolge, die er in seiner Glanzzeit im Trikot des TV Wattenscheid erzielte, wurde er von Bundespräsident Walter Scheel mit dem Silbernen Lorbeerblatt ausgezeichnet. Direkte Ruhrpottmentalität In den Kreis Gütersloh kam Michael Wessing, der beruflich als Unternehmensberater tätig war, vor rund 15 Jahren. Zunächst lebte er mit der Familie am Rande von Harsewinkel, dann zog er nach Clarholz, wo er sich früh ehrenamtlich als Leichtathletiktrainer engagierte. „Mit ihm zog ein Hauch Spitzensport bei uns ein," sagte Mehrkampfcoach Rolle-Sichau, die dankbar war, dass Wessing ihren Athletinnen und Athleten seine Wurf-Kompetenz zur Verfügung stellte. Auch die Vorzeigesportler der LG Kreis, Zehnkämpfer Marvin Gregor und Siebenkämpferin Lisa Steinlage, profitierten von seiner Erfahrung und seinem Können. Mit seiner direkten Ruhrpottmentalität kam Wessing, der seine erfolgreiche Vergangenheit nicht an die große Glocke hängte, auch mit jungen Nachwuchsathleten sehr gut klar. Seine Begeisterung für die Leichtathletik war stets riesig. Das spürte der DLV im Vorjahr, als er Wessing 40 Jahre nach seinem Titelgewinn zu den Europameisterschaften nach Berlin einlud. Es war der letzte große Auftritt eines großen Sportlers.

realisiert durch evolver group