E-Scooter könnten bald auch im Gütersloher Stadtverkehr unterwegs sein. - © Nicolas Armer
E-Scooter könnten bald auch im Gütersloher Stadtverkehr unterwegs sein. | © Nicolas Armer

Gütersloh Zu leise für den Straßenverkehr? Polizei sieht E-Scooter kritisch

Ab Sommer könnten elektrisch angetriebene Roller auch das Gütersloher Straßenbild prägen - besonders die Polizei sieht das allerdings kritisch

Oliver Herold
16.04.2019 | Stand 15.04.2019, 17:20 Uhr

Gütersloh. Wwwwwwwt – an dieses auffällig leise Geräusch wird man sich wohl spätestens von Juni an auch im Gütersloher Straßenverkehr gewöhnen müssen. Denn dann werden die mit einem Elektromotor angetriebenen Roller, auch E-Scooter genannt, erlaubt sein. Bisher ist die Resonanz auf die kleinen Flitzer noch verhalten, doch das könnte sich bald ändern. Worum geht's? E-Scooter ähneln den kleinen Tretrollern aus Kindertagen, haben jedoch einen Elektromotor. In Deutschland waren sie bislang nicht für den Straßenverkehr zugelassen, doch Ende März hat das Bundeskabinett eine Verordnung zur Zulassung von „Elektrokleinstfahrzeugen" im Straßenverkehr gebilligt. Der Bundesrat muss noch sein Okay geben, mit dem bis Ende Mai gerechnet wird. Experten hoffen, dass E-Roller für kurze Distanzen eine Alternative zum Auto sein können. Bei der Stadt Gütersloh hält sich die Euphorie zunächst in Grenzen: „Wir warten ab, wie sich dieser Trend entwickelt und ob das beispielsweise Folgen für die Parkraumsituation hat", sagt Pressesprecherin Susanne Zimmermann. „Wenn sich aus den E-Rollern eine Möglichkeit ergibt, vom Auto umzusteigen, ist das zu begrüßen." Was sind die Regeln? Weil sie einen elektrischen Motor haben, gelten E-Scooter als Kraftfahrzeuge. Laut Verordnung müssen sie eine Lenk- oder Haltestange haben und dürfen höchstens 70 Zentimeter breit, 1,40 Meter hoch und zwei Meter lang sowie maximal 55 Kilogramm schwer sein. Außerdem dürfen sie „bauartbedingt" nicht schneller als 20 Stundenkilometer fahren. Voraussetzung für die Teilnahme am Straßenverkehr ist eine Kfz-Haftpflichtversicherung samt fälschungssicherem Versicherungsaufkleber, der hinten auf den Roller geklebt wird, also eine ähnliche Regelung wie für Mofas und Mopeds bis 50 Kubik. Pflicht sind zwei unabhängig voneinander wirkende Bremsen sowie eine Beleuchtung. Außerdem sind seitliche Reflektoren und eine „helltönende Glocke" vorgeschrieben. Langsame Roller? E-Roller mit einer „bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit" von maximal zwölf Stundenkilometern dürfen von Jugendlichen ab dem zwölften Lebensjahr gefahren werden, und zwar überall dort, wo auch Fußgänger unterwegs sind, also auf Gehwegen, kombinierten Geh- und Radwegen sowie in Fußgängerzonen. Gibt es keinen Gehweg, dürfen auch Radwege benutzt werden. Fehlen auch die, sind E-Scooter auch auf der Fahrbahn erlaubt – allerdings nur innerhalb geschlossener Ortschaften. Schnelle Roller? Fahrzeuge mit einer „bauartbedingten Höchstgeschwindigkeit" zwischen 12 und 20 Stundenkilometern können ab dem 15. Lebensjahr benutzt werden. Es gelten die gleichen Regeln wie für Radfahrer, es müssen also Radwege benutzt werden. Ist keiner vorhanden, muss auf die Straße ausgewichen werden. Führerschein/Helm? Für die Nutzung eines E-Rollers sind weder das Tragen eines Helms noch der Besitz eines (Mofa-)Führerscheins nötig. Anschaffungskosten? Günstige Roller, die mit rund 100 Watt Leistung zwölf Stundenkilometer bringen, gibt es ab 100 Euro. Ein Modell von BMW mit mehr als 400 Watt Leistung und einer Reichweite von bis zu 30 Kilometern kostet rund 2.500 Euro Versicherung? Laut Andre Rodehutskors von der HUK-Coburg wird eine KfZ-Haftpflichtversicherung für E-Scooter wohl bei etwa 36 Euro im Jahr liegen. „Weil gute Fahrzeuge in der Anschaffung mehr als 2.000 Euro kosten, ist auch eine Teilkasko-Versicherung gegen Diebstahl möglich", sagt Rodehutskors. Die Kosten liegen bei etwa 72 Euro inklusive 150 Euro Selbstbeteiligung. „Allerdings gibt es bisher kaum Nachfragen." Wo gibt's sie zu kaufen? Momentan ausschließlich im Internet. Wer sich im örtlichen Fachhandel über E-Scooter-Modelle informieren möchte, hat schlechte Karten, denn bei den Gütersloher Fahrradhändlern sind sie kein Thema. „Wir beobachten den Markt, werden aber vorerst keine anbieten", sagt beispielsweise Henrich Fulland, Geschäftsführer der Bikearena Fulland. Er gehe nicht davon aus, dass es in Gütersloh einen Run geben werde. „Ich glaube nicht, dass jemand mit einem E-Roller von Spexard in die Innenstadt fahren wird", so Fulland. Diese Fahrzeuge seien eher etwas für Großstädte, um die Differenz zwischen U-Bahn und Wohnung zu überbrücken. Auch sei der Preis für „ein vernünftiges und somit sicheres Modell" schlicht zu teuer. Wilfried Beinert von Motorrad Beinert hingegen sieht nach Gesprächen mit Kunden eine große Nachfrage. „Für uns ist das hochinteressant, wir stehen in den Startlöchern", sagt er. Allerdings werde er seinen Kunden raten, nicht die billigen Modelle zu kaufen. „Sicherheit geht vor, wer will schon mit einem Roller fahren, bei dem der Rahmen wackelt?" Was sagt die Polizei? „Sobald E-Scooter im Straßenverkehr unterwegs sind, rechnen wir mit einem Anstieg der Unfallzahlen", sagt Polizeisprecherin Katharina Felsch. Schließlich komme mit ihnen ein neues sehr leises Fahrzeug auf Rad- und Gehwegen hinzu, mit dem viele Verkehrsteilnehmer anfangs nicht rechnen würden. Zugleich appelliert Felsch an die Roller-Fahrer, sich an die Vorschriften zu halten. „Wer entgegen der Fahrtrichtung unterwegs ist oder ohne Licht, riskiert ein Bußgeld." Und: Frisierte Fahrzeuge oder solche ohne Betriebserlaubnis würden sichergestellt.

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