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Der Ehemann hatte die Rettungsdienstlerin angeriffen, als sie seine Frau behandeln wollte. - © picture alliance
Der Ehemann hatte die Rettungsdienstlerin angeriffen, als sie seine Frau behandeln wollte. | © picture alliance

Gütersloh Mann greift Sanitäterin in Gütersloh an - jetzt wurde er freigesprochen

Der Angeklagte wollte nach Auffassung des Gerichts Schaden von seiner Frau abwenden

Rolf Birkholz
27.02.2019 | Stand 26.02.2019, 18:12 Uhr

Gütersloh. Bei einem Rettungseinsatz war am 20. August 2017 nachts gegen drei Uhr eine Sanitäterin verletzt worden. Der Mann, der den Rettungswagen zu seiner bewusstlosen Frau gerufen hatte, hatte die Sanitäterin von der Patientin hochgerissen und weggestoßen. Diese erlitt dabei Prellungen an Kopf und Brustbein. Doch der Strafrichter am Amtsgericht sprach den Angeklagten nun am zweiten Verhandlungstag vorm Vorwurf der Körperverletzung frei. Die Frau des Angeklagten war in jener Nacht infolge einer Zahn-OP auf dem Weg zur Toilette ohnmächtig geworden. Als die Rettungsassistentin versuchte, die 30-Jährige wie üblich durch einen Schmerzreiz wieder ins Bewusstsein zu holen, schrie die Patientin. Der Ehemann hörte das in der Küche und eilte herbei. Da seine immer noch halb benommene Frau ihm sagte, sie sei geschlagen worden, riss der 43-Jährige die Helferin hoch und stieß sie zur Seite, wobei sie gegen den Türrahmen prallte. Für zwei Wochen dienstunfähig Wegen dieses Verhaltens, das die Sanitäterin für zwei Wochen dienstunfähig machte, hatte der Staatsanwalt 90 Tagessätze zu je 20 Euro für den aus Marokko stammenden, seit 2010 in Deutschland lebenden Familienvater beantragt. „Ich habe sie nicht angegriffen und auch nicht geschubst", beteuerte der unbescholtene, ohne anwaltlichen Beistand erschienene Mann. Die ihn stützende, detaillierte Aussage seiner Frau, die seinerzeit in dämmrigem Zustand gewesen sei, hielt der Ankläger für ein verständliches „Produkt von Küchentischgesprächen". Der Angeklagte habe in einer Stresssituation überreagiert. Eben dies bewertete der Richter jedoch in diesem Fall, nicht als schuldhaft. Denn nach dem Schreien seiner Frau und deren Aussage, geschlagen worden zu sein, habe der Mann, wenn auch womöglich irrtümlich, gehandelt, „um Gefahr von sich oder seinen Angehörigen abzuwenden". Da er in dieser „absoluten Stresssituation, hilflos, überfordert", subjektiv diesen Eindruck haben konnte, befand der Richter mit Hinweis auf eine Entscheidung des BGH von 1992, „blieb für den Angeklagten nicht viel übrig", als die Sanitäterin wegzuziehen.

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