Ein Arbeiter montiert eine Trommel einer Waschmaschine am Hauptsitz der Miele & Cie KG in Gütersloh. - © Verwendung weltweit
Ein Arbeiter montiert eine Trommel einer Waschmaschine am Hauptsitz der Miele & Cie KG in Gütersloh. | © Verwendung weltweit

Gütersloh Miele-Betriebsrat fürchtet noch höheren Stellenabbau

Sparkurs: Unternehmensberater von McKinsey sollen helfen, die Kosten zu drücken. In der Belegschaft wächst die Sorge

Ludger Osterkamp

Gütersloh. Der Hausgerätehersteller Miele will sich ein Sparprogramm verordnen. Die Unternehmensberater von McKinsey, seit einigen Tagen im Haus, sollen schauen, wo Miele „deutlich mehr als 100 Millionen Euro" pro Jahr sparen kann. Ergebnisse sollen 2019 vorliegen. Miele spricht von einer breit angelegten Strategieberatung, wie sie für größere Unternehmen üblich und unverzichtbar sei. Es gehe darum, sich weltweit wettbewerbsfähig aufzustellen und die Standorte zu sichern. Weitere Unternehmensberater von einer anderen Firma sind bereits seit Frühjahr im Gerätewerk unterwegs – auch dort werden Sparpotenziale ausgelotet. Sorgen bereitet der Gütersloher Belegschaft die Marktentwicklung bei den Waschmaschinen. Seit einigen Monaten bleibt die Zahl der verkauften Geräte hinter den Erwartungen zurück. Ein Rückgang bei den Produktionszahlen – im vergangenen Geschäftsjahr waren es 820.000 Frontlader – könnte dazu führen, dass sich die für Anfang 2020 geplante Eröffnung des Werkes im polnischen Ksawerow stärker auswirkt als bislang errechnet. Bis 2025 hatte Miele in Gütersloh bis zu 500 Stellen über Verrentungen abbauen wollen – nun aber, so befürchtet der Betriebsrat, könnte die Zahl höher ausfallen. Preiswerte Einsteigermodelle aus Polen Die Rechnung gehe nicht mehr auf, sagte Betriebsratschef Klaus Niebusch. Bislang sei mit der Geschäftsleitung vereinbart gewesen, 50 Prozent der Geräte in Polen und 50 Prozent in Gütersloh zu produzieren – das jedoch unter der Annahme, dass Miele „1,1 Millionen Waschmaschinen plus X" im Jahr 2025 produziere. Auf Gütersloh würden inklusive der Waschtrockner und Kleingewerbe-Maschinen („Kleine Riesen") circa 600.000 Stück entfallen. Schrumpft diese Zahl nun, könnte weiterer Stellenabbau drohen. In Polen will Miele die preiswerten Einsteigermodelle produzieren, im übrigen aber an seinem Qualitätsimage festhalten. Zunächst gehe man dort mit 400 Mitarbeitern an den Start. „Unter veränderten Bedingungen ist die 50/50-Quote nicht mehr haltbar", sagte Niebusch. Sie müsse zugunsten der Gütersloher Belegschaft verbessert werden. Firmensprecher Carsten Prudent sagte dagegen, es gebe „derzeit keine seriösen Prognosen und erst recht keine Festlegung", wie viel Personal 2025 und darüber hinaus in Gütersloh benötigt werde. Das hänge von der Marktentwicklung ab. Es bleibe bei dem Ziel, „die notwendigen Kapazitätsanpassungen im Werk Gütersloh ohne aktiven Personalabbau in Form betriebsbedingter Kündigungen zu erreichen". Um sich zu wappnen, lotet der Betriebsrat laut Niebusch mit der IG Metall bereits die Möglichkeiten für einen Standortsicherungstarifvertrag aus – das könnte auf Einkommenseinbußen für die Mitarbeiter hinauslaufen.

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