Deutlich früher als gedacht: Bei Karstadt ist bereits seit einigen Wochen der Sommerschlussverkauf gestartet. - © Andreas Frücht
Deutlich früher als gedacht: Bei Karstadt ist bereits seit einigen Wochen der Sommerschlussverkauf gestartet. | © Andreas Frücht

Gütersloh Gütersloher Einzelhandel lockt bereits mit Rabattaktionen

Ziel ist nicht die Lagerleerung für neue Ware

Oliver Herold

Gütersloh. Nanu, ist der Sommer schon wieder vorbei? Bereits seit einigen Wochen nämlich lockt der Gütersloher Einzelhandel mit Rabattaktionen und Schlussverkäufen auf Kleider, kurze Hosen, Bademode, Jacken, Jeans. Warum eigentlich - und ist das überhaupt rechtens? "Das ist ganz normal", sagt Rainer Schorcht, Chef des Gütersloher Einzelhandelsverbandes auf Nachfrage. Zwar beginne der eigentliche und früher fest terminierte offizielle Sommerschlussverkauf (SSV) erst in der letzten Juli- und endet in der ersten Augustwoche, doch seit der Aufweichung des Rabattgesetzes im Jahr 2001 "darf jeder Händler zu jedem Zeitpunkt und nach eigener Kalkulation seine Preisnachlässe selbst bestimmen", erläutert Schorcht. Diese Rabattkampagnen, sogenannte "Sale"-Aktionen, sind das gesamte Jahr über erlaubt und nicht nur auf Bekleidungsartikel beschränkt. "Oft fängt ein Händler im Ort an und die anderen ziehen nach." Sale-Schilderwald So wie aktuell. In den Schaufenstern der Innenstadt wimmelt es von "Sale"-Schildern, dern: "Die Händler versuchen, noch vor dem Ferienstart am Freitag so viel Ware wie möglich zu verkaufen", erklärt Schorcht. Zwischen 20 und 50 Prozent lasse sich derzeit schon auf aktuelle Sommermode einsparen, deutlich mehr Rabatte, nämlich bis zu 70 Prozent, gebe es nur beim Sommerschlussverkauf. Dieser war bis 2001 gemeinsam mit dem Winterschlussverkauf übrigens die einzige gesetzlich erlaubte Möglichkeit für Händler, ihre Waren mit großen Rabatten zu verkaufen. Der Grund: Seit 1. Januar 1934 galt in Deutschland das Rabattgesetz, das regelte, wann und wie Händler Preisnachlässe geben durften. Mehr als drei Prozent Rabatt auf den Warenpreis waren für Verbraucher nicht drin. Um die Lager für die neue Saison zu leeren, wurden die Schlussverkäufe eingeführt. Offiziell gibt es den Sommerschlussverkauf zwar nicht mehr, doch der Tradition wegen und weil er bei den Kunden nach wie vor beliebt ist, machen viele Händler trotzdem mit. Die Vielzahl an Rabattaktionen gibt Kunden den Anreiz, noch einmal shoppen zu gehen und Sommerware zu kaufen. Bei den Älteren ist der SSV ohnehin Pflicht - mit dem Unterschied, dass er nicht mehr an einen festen Termin gekoppelt ist. Bei Karstadt findet er bereits jetzt statt: "Wir reagieren damit auf den Wettbewerb", erläutert Dirk Rückwart von der Geschäftsführung. Schon seit einigen Wochen sei das Sommersortiment im Rahmen dieses "Schlussverkaufes" reduziert, nun gebe es noch einmal 30 Prozent auf bereits reduzierte Ware. "Man kann bis zu 70 Prozent sparen." Doch es gibt noch mehr Rabatte: Wer dieser Tage sehenden Auges durch die Fußgängerzone schlendert, kann die Schilder "135 Jahre - wir machen mit" kaum übersehen haben - und hat sich vielleicht gewundert. Hier handelt es sich um alle dem Schuhhaus "Potthoff" gehörende Filialen. Das Traditions-Unternehmen feiert nämlich dieses Jahr seinen 135. Geburtstag und bietet seit dem 21. Juni zwischen 30 und 70 Prozent Rabatt auf Schuhe. Zum Abverkauf wurden in den insgesamt 17 Filialen in OWL extra Holzregale aufgebaut, die nach Möglichkeit bis zum Ende des Sommers gefüllt sein sollen, erklärt Geschäftsführerin Ulrike Meyer. Doch warum überhaupt diese hohen Preisnachlässe? Rainer Schorcht, der Einzelhandelsverbandschef, begründet die Aktionen nicht nur mit zu leerenden Lagerräumen, sondern mit dem "harten Wettbewerb" in Deutschland. Neben Discountern wie Lidl oder Aldi, die ebenfalls Modeartikel verkaufen, gebe es zudem auch Druck von großen Ketten wie Takko, Kik oder H&M sowie von Online-Händlern wie Zalando. "In Deutschland gibt es doppelt so viel Verkaufsfläche, wie eigentlich gebraucht wird", sagt Schorcht. Übrigens: Neben den aktuellen Rabatten dürfen sich Schnäppchenjäger bereits auf die Zeit um Weihnachten freuen. Dann nämlich werden erneut flächendeckend die Preise purzeln, nicht nur bei Mode. "Bei Schmuck, Parfüm oder Spielwaren wird ein Drittel des Jahresumsatzes erzielt", sagt Schorcht. Da wolle kein Händler auf die Zeit danach hoffen.

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