Ein besonderer Moment: Otto III. Graf von Ravensberg schlägt Norbert "Nobby" Morkes zum Ritter. - © Jens Dünhölter
Ein besonderer Moment: Otto III. Graf von Ravensberg schlägt Norbert "Nobby" Morkes zum Ritter. | © Jens Dünhölter

Gütersloh Nobby Morkes bei Anno 1280 zum Ritter geschlagen

Der Gründer und Chefausrichter trägt ab sofort den Namen "Partum Heros" - in Anlehnung an eine bekannte Fernsehwerbung

Jens Dünhölter

Gütersloh. Im Rat der Stadt Gütersloh sitzt mit "Ritter Partum Heros" - was zu Deutsch etwa so viel bedeutet wie "Lieferheld" - ab sofort ein vereidigter Kämpfer der Unterdrückten. Hinter dem Titel verbirgt sich niemand anderes als der stadtbekannte BfGT-Chef Norbert Morkes. Für seine besonderen Verdienste um die heimische Mittelalterszene wurde der Gründer und Inhaber der Firma Anno-Events bei der zehnten Auflage des Mittelalterfestes "Anno 1280" auf dem Hof Kruse in Isselhorst von Gastgeber Graf Otto III. Graf von Ravensberg mit drei Schwerschlägen in den Ritterstand erhoben. Vor genau zehn Jahren hatte Morkes die familienfreundliche Zeitreise in die Vergangenheit in kleinem Rahmen mit acht Ständen, vier Heerlagern sowie etwa 1.500 bis 2.000 Gästen aus der Taufe gehoben. Mittlerweile lockt eines der größten Mittelalterfeste in Deutschland (100 Heerlager, 100 Versorger/Händler) Jahr für Jahr gut 20.000 Anhänger, Freunde, Fans und Neugierige ins Annoland. Aus mehreren, von den Heerlagern unterbreiteten Vorschlägen entscheid sich das Volk mit unzähligen "Huld, Huld, Jubel"-Rufen einstimmig für den künftigen Szenenamen. Das Votum spielt auf die Ähnlichkeit mit einem Pizzaboten in einem bekannten TV-Werbespot an. Ein noch zu erstellendes Wappen könnte nach Vorschlag aus der Runde eine Pizza Margherita auf weißem Grund sein. Mit Tränen in den Augen nahm der "Lieferheld" auch eine aus Umhang, Gürtel, Mütze, Ring, Kopfbedeckungen und einem Ring bestehende neue Gewandung sowie ein Schwert entgegen, um seine Untertanen zukünftig gegen jegliches Ungemach und Missbillen zu verteidigen. Die Teilnehmer überreichten zudem eine vertäfelte, mit mehr als 500 Unterschriften versehene Dankestafel. Nach der Taufe des Schwertes und der Feuertaufe zwischen sechs brennenden Keulen des Gaukler-Duos Aptus Ludus stand dem Ritterstand nichts mehr im Weg. Norbert Morkes ist der Zweite, dem diese Ehre widerfährt. Vor zwei Jahren wurde bereits Gastgeber Bernhard Kruse in den Ritterstand erhoben. Für den gebürtigen Schleswig-Holsteiner Morkes aus der Karl-May-Festspielstadt Bad Segeberg eine unglaubliche Ehre: "Wir haben direkt neben der Festbühne gewohnt. Als Kind bin ich bei Winnetou vom Pferd gefallen. Jetzt bin ich Ritter auf Anno. Unglaublich." Die besondere Ehrerbietung war für den Erwecker der heimischen Mittelalterszene gleichzeitig dickes Trostpflaster für viel wettertechnischen Ärger. Nach neun Mittelalterfesten mit Sonnengarantie wurden Ausrichter, Teilnehmer und Besucher in diesem Jahr erst durch Hitze, später von Unwetterwarnungen nebst einiger kalter Duschen von oben arg gebeutelt. Bei den "Kindlingen, Verwachsenen, Menschlingen", so der Elf Herr Blüterich vom Federgeist-Theater, machten je nach Sichtweise die Redewendungen "Wir hangeln uns von einem Schauer zum nächsten" oder "Der Gute Geist des Hofes hat in diesem Jahr Urlaub" die Runde. Speziell die Halblinge entdeckten das nicht einmal in den Programmheften angekündigte "Matschen im Schlamm" als große Attraktion. Auch die Händler machten das beste aus der Situation. Der nur über provisorischen Steg erreichbare "Käse-Carsten" brachte flugs das Schild "Haus im See" über seinem Holzhaus an. Trotzdem waren die Besucherzahlen nicht wesentlich schlechter als in den Vorjahren. "Wir gehen davon aus, dass wir die 20.000 auch in diesem Jahr wieder erreichen", stellte Morkes nach der Zeremonie fest, "angesichts der widrige Umstände sind wir sehr zufrieden. Es hätte uns wesentlich heftiger treffen können." Der trockene Samstag sowie der sonnige Sonntag entschädigten bei der kulturhistorischen Abenteuerreise in die Ära von Elfen, Trollen, und Rittern in Feierlaune für vieles. Zum Abschied hatte die Anno-Familie darum der Alltag schnell wieder eingeholt. Beim Abbau gestern Abend wetteiferten die Heerlager bereits darum, welche Bewerbung für das elfte Anno-Fest als erste beim Veranstalter einginge. Zu richten sind diese ab sofort an "Ritter Partum Heros" - den Lieferhelden.

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