Baustelle: Mehr als 20 Arbeiter sind derzeit am Marktplatz mit dem Rohbau der neuen Feuer- und Rettungswache beschäftigt. Die Gliederung des Großvorhabens in vier Bauteile sorgt für einen reibungslosen Materialfluss und eine gute Taktung. Im Vordergrund: Bauteil 3, wo später der Rettungsdienst untergebracht wird. - © Andreas Frücht
Baustelle: Mehr als 20 Arbeiter sind derzeit am Marktplatz mit dem Rohbau der neuen Feuer- und Rettungswache beschäftigt. Die Gliederung des Großvorhabens in vier Bauteile sorgt für einen reibungslosen Materialfluss und eine gute Taktung. Im Vordergrund: Bauteil 3, wo später der Rettungsdienst untergebracht wird. | © Andreas Frücht

Gütersloh So geht es mit dem Bau der Feuer- und Rettungswache voran

Es geht aufwärts

Rainer Holzkamp

Gütersloh. Die Portugiesen sind bessere Einschaler. Sagt Andreas Stahl. Der Mann mit dem weißen Helm auf dem Kopf sollte es wissen. Denn Stahl ist nicht nur Polier auf der seit langem größten städtischen Baustelle am Marktplatz, wo die neue Feuer- und Rettungswache emporwächst. Der 63-Jährige vom Bauunternehmen Lühn aus dem Emsland hat in seinem Berufsleben auch schon so viele Baustellen gesehen und geleitet, dass er die national unterschiedlichen Qualitäten der Leute auf dem Bau genau kennt. Beruhigend, dass derzeit einige Fachkräfte aus Portugal das Großprojekt vorantreiben Denn Einschaler sind während des laufenden Rohbaus besonders gefragt, schließlich gibt es reichlich Betonsohlen und -wände zu gießen. Polier Stahl, der schon in Hannover eine Feuerwache gebaut hat, schätzt ebenso das spezielle Know-how der Kollegen aus Bulgarien. "Die machen richtig gute Flechtarbeit", biegen wie kaum ein anderer den Armierungsstahl zur perfekten Bewehrung des Betons. Für Andreas Stahl ist die Baustelle am Marktplatz die letzte seines Berufslebens. Zwei Monate hinter dem Zeitplan Dieser besondere Anlass ist ihm freilich nicht anzumerken. Ebenso wenig der Umstand, dass seine Mannschaft aufgrund der Vorgaben des Bauherrn "schon ein bisschen unter Zeitdruck" stehe. Stahl lässt sich so schnell nicht aus der Ruhe bringen. "Sonst wird das nix." Fünf Monate nach Baubeginn liegen sie zwei Wochen hinter dem Zeitplan. Der strenge Frost. Wie Stahl bleiben aber auch Stadtbaurätin Nina Herrling und die erfahrene Projektleiterin Christa von der Lippe aus der städtischen Hochbauabteilung gelassen. "Wir werden das bis zum Ende hin wieder aufholen." Ein gutes Jahr noch, dann soll die neue Feuerwache den Probebetrieb aufnehmen. Bislang liegen laut Herrling für 71 Prozent der Gewerke die Ausschreibungsergebnisse vor. Und nichts deutet darauf hin, dass die vom Rat gezogene Kostengrenze von knapp 24 Millionen Euro überschritten wird. Und das trotz des anhaltenden Baubooms, der sich allerdings in einer vergleichsweise geringen Resonanz auf die europaweiten Ausschreibungen niedergeschlagen hat. Lediglich acht Bieter gab es für den Rohbau. "Die Abläufe insbesondere bei der Reinigung und Desinfektion werden sich deutlich verbessern" Beim neuen Theater waren es noch doppelt so viele. Mit Qualitätseinbußen sei deshalb aber nicht zu rechnen, versichert Herrling. "Sonst hätten wir nicht vergeben." Damit alles gut wird, schauen viele geschulte Augen auf das Vorhaben. So hat sich das Ostberliner Büro ARQ um Architekt Philipp Quack, Gewinner des städtebaulichen Wettbewerbs, für die Bauleitung einen lokalen Partner an die Seite geholt: das Bielefelder Büro BHP Architekten. Im Boot ist zudem noch ein externer Projektsteuerer - und als letzte Instanz die Stadt als Bauherr. Ist dieses hohe Aufkommen an Aufsicht wirklich notwendig? "Bauen", sagt Christa von der Lippe mit einem Schmunzeln, "Bauen ist nicht einfacher geworden." Das fängt schon bei der Entwässerung des Grundstücks an. Da die Kapazität des Kanalnetzes in der City bei starken Regenfällen rasch an ihre Grenzen stößt, haben sich die Beteiligten auf eine außergewöhnliche Vorkehrung verständigt: den Bau eines Staukanals quer über das Gelände, der die Wassermassen zunächst auffängt und erst später langsam ans Netz abgibt. Betonfertigteile werden angeliefert und montiert Weitere Besonderheit: Der Rohbau ist in vier Bauteile gegliedert worden. Demnach werden die Bodenplatten sowie die weiteren Gewerke jeweils nacheinander fertiggestellt. So wandert das Material stets fließend mit. Herrling nennt das eine gute Taktung. Spannende Arbeiten verspricht die Stadtbaurätin für kommende Woche. Dann werden die Betonfertigteile über der künftigen Fahrzeughalle entlang der Friedrich-Ebert-Straße angeliefert und montiert. Eine Sache der Präzision. Die Feuerwehrleute verfolgen die Arbeiten schon jetzt "mit Interesse und großer Freude", wie Fachbereichsleiter und Branddirektor Joachim Koch berichtet. Denn die Zeit der Improvisation und der Platznot am teils baufälligen Altstandort neigt sich für die Hauptamtlichen langsam dem Ende zu. "Die Abläufe insbesondere bei der Reinigung und Desinfektion werden sich deutlich verbessern", sagt der Feuerwehrchef. Manches Procedere beruht noch auf dem Standard von 1985, die Bausubstanz ist oft noch älter. Wie die gegen Einsturz gesicherten Fahrzeughallen. Koch: "Bald sind wir endlich auch in dieser Hinsicht wieder auf dem aktuellen Stand." Im Frühjahr 2019 kann der Probebetrieb aufgenommen werden Bleibt alles im vorgesehenen Takt, kann die neue Feuer- und Rettungswache, die auch wieder die Rettungsleitstelle des Kreises beherbergen wird, im Frühjahr 2019 den Probetrieb aufnehmen. Der komplette Umzug erfolgt einige Monate später im Sommer. Vorher müsse alles 100-prozentig klappen, heißt es. Polier Andreas Stahl kann dem gelassen entgegensehen. Seinen weißen Helm hat er dann bereits an den Nagel gehängt.

realisiert durch evolver group