Viel Dampf: Serhat Celik vom „El Tabaco" ist selbst leidenschaftlicher Shisha-Raucher. - © Andreas Frücht
Viel Dampf: Serhat Celik vom „El Tabaco" ist selbst leidenschaftlicher Shisha-Raucher. | © Andreas Frücht

Gütersloh Shisha-Trend: Wasserpfeifen werden immer beliebter

Mediziner warnen vor den Gesundheitsschäden eines Trends, der auch in Gütersloh boomt

Gütersloh. In arabischen Ländern gehören Wasserpfeifen auf den Tischen der Cafés seit jeher zum Straßenbild wie in deutschen Städten der Eisbecher. Nachdem sich der Trend vor etwa zehn Jahren auch bei uns immer mehr durchgesetzt hat, ist Shisharauchen besonders bei jungen Menschen beliebt. Neben dem Eventcharakter der aufwendigen Zubereitung der Pfeifen und der großen Auswahl an Aromen schätzen die Konsumenten vor allem das chillige Ambiente in diesen Cafés – und dass man in Zeiten des Nichtraucherschutzes überhaupt noch irgendwo rauchen kann, ohne sich die Füße abzufrieren. Ordnungsamt kontrolliert die Bars regelmäßig In Gütersloh haben sich laut Ordnungsamt neun Bars auf Wasserpfeifen spezialisiert, zwei von ihnen sind derzeit geschlossen. Die anderen haben schillernde Namen wie „Layali" an der Kampstraße, „Mon’ Ami" an der Eickhoffstraße, die „BarHamo" an der Berliner Straße oder das „Diamond" an der Kökerstraße. Die Lokale werden regelmäßig vom Ordnungsamt kontrolliert, besonders was die Einhaltung des Jugendschutzes und des Nichtraucherschutzes angeht. „In Shisha-Bars dürfen nur Tabak-Substitute geraucht werden, also Shiazo-Steine, Fruchtmelasse, Cremes und Pasten – rein pflanzliche Produkte ohne Tabakinhaltstoffe", heißt es in der Antwort des Ordnungsamtes auf eine Nachfrage von nw.de. "Gütersloh ist eine Shisha-Stadt" Hakan Avan und Serhat Celik vom „El Tabaco Shisha Store" können den Boom bestätigen – denn nicht nur in den Bars, sondern auch in den Wohnzimmern wird immer öfter zur Wasserpfeife gegriffen. „Gütersloh ist eine Shisha-Stadt und die Szene wächst immer weiter", sagt Hakan Avan. „Was soll man hier auch anderes groß machen?" Eine Runde „shishan", so das Tätigkeitswort, nimmt immerhin rund 1,5 Stunden in Anspruch. Weil meist mit mehreren Personen geraucht wird, ist es für viele ein geselliger Zeitvertreib. Im „El Tabaco" bekommen Kunden ab 18 Jahren neben Wasserpfeifen, Köpfen, Schläuchen und Kohle auch die ausgefallensten Geschmacksrichtungen, die das Shisharauchen für die Konsumenten so interessant machen: „Die Aromen gehen von Salami bis Zitronenkuchen – und die Leute wollen ständig etwas Neues." Für viele sei die Shisha ein echtes Hobby: „Die einen sammeln Briefmarken oder Fußballbilder, andere sammeln Wasserpfeifen." Rauchtabak darf nur maximal 5 Prozent Feuchtigkeit enthalten Zwischen 60 und 390 Euro kosten die Exemplare in den Vitrinen des „El Tabaco". Wer nur ab und zu raucht, spart sich die Anschaffung und geht in eine der Bars. Dort führt nicht nur das Ordnungsamt, sondern auch der Zoll regelmäßig Kontrollen durch – und hat ebenso regelmäßig etwas zu beanstanden. „Es wird immer wieder festgestellt, dass die Betreiber der Bars Wasserpfeifentabak aus verschiedenen Geschmacksrichtungen selbst mischen. Der Tabak wird dann portionsweise verkauft. In Deutschland ist aber nur der Verkauf von Tabak in geschlossenen Verpackungen mit Steuerzeichen zu dem dort aufgedruckten Kleinverkaufspreis zulässig", sagt Kirsten Schüler, Sprecherin des für Gütersloh zuständigen Hauptzollamts Bielefeld. Diese portionsweise Entnahme in der von vielen Barbetreibern praktizierten Form sei verboten. „Die Zollbeamten stellen außerdem immer wieder fest, dass der Shisha-Tabak in hohem Maße mit Melasse oder Glycerin nachgefeuchtet wurde. Die Ladenbesitzer befeuchten mit der Begründung nach, dass er ansonsten kaum zu rauchen sei", so Schüler. In Deutschland dürfe Rauchtabak aber nur maximal fünf Prozent Feuchtigkeit enthalten. Gefährliche Folgen für untrainierte Raucher Besonders für untrainierte Raucher können die Mischungen gefährliche Folgen haben. Zwar sind weder dem Ordnungsamt noch im „El Tabaco" Fälle von Vergiftungen in Gütersloh bekannt geworden, aber „gesünder" als Zigaretten sind Wasserpfeifen nicht – im Gegenteil. Experten wie der Arzt Morris Beshay warnen seit Jahren vor dem giftigen Cocktail, der beim Verbrennen des speziellen Tabaks entsteht. Doch während der Rauch längst verboten wurde, ist der Dampf noch erlaubt.

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