0
Strahlen mit Trockeneis: Jonathan Eifler behandelt den Unterboden eines BMW mit Trockeneis. - © Robert Becker
Strahlen mit Trockeneis: Jonathan Eifler behandelt den Unterboden eines BMW mit Trockeneis. | © Robert Becker

Gütersloh Diese Gütersloher lösen Verschmutzungen mit Trockeneis

Unternehmensgründer: Mit der Oberflächenbehandlung mit Trockeneis, Kunststoff und Glasperlen haben sich Nicolas Brinkmann und Jonathan Eifler selbstständig gemacht

Robert Becker
11.01.2018 | Stand 11.01.2018, 14:45 Uhr

Gütersloh. Die Idee kam den beiden Unternehmensgründern bei der Restaurierung eines Oldtimers. Wir haben uns gefragt, wie wir den Rost und den alten Lack am besten bearbeiten", erzählt Nicolas Brinkmann. Chemie einsetzen mochte der 30-jährige Kfz-Mechatroniker ebenso wenig wie kräftezehrendes schleifen. Eine Recherche via Internet brachte ihn und seinen Partner Jonathan Eifler auf ein recht neues Verfahren: Oberflächenbehandlung mit Trockeneis. Gut ein Jahr später haben sich Brinkmann (30) und Eifler (25) mit dieser Technik selbstständig gemacht. Die väterliche Scheune in Niehorst haben die beiden im vergangenen Jahr umgebaut und drei Kabinen sowie ein kleines Büro eingerichtet. Seit drei Monaten firmiert das Unternehmen als „NJ-Technik". Derzeit läuft vor allem die Kundenakquise. Einige Aufträge haben die beiden bereits abgearbeitet. Ein Vorteil ist, dass das Verfahren umweltfreundlicher ist als viele der bislang eingesetzten chemischen Behandlungen. Nicht zu viel Risiko Zuletzt waren Brinkmann und Eifler zwei Jahre lang als Subunternehmer in der Heizung- und Sanitärbranche selbstständig. „Uns wurde von vielen Kunden gute Arbeit bescheinigt, aber wir konnten als Subunternehmer zu wenig davon profitieren", erklärt Nicolas Brinkmann, warum die beiden zuletzt nach einer Alternative gesucht hatten. Einerseits wollten beide gern etwas Neues erschließen, sich andererseits aber nicht zu viel Risiko aufbürden. Als Handwerker bei Projekten mit mehreren Zehntausend Euro in Vorleistung zu treten sei nicht ganz unkritisch, geben die Niehorster zu verstehen. Einige Dinge liefen während der sechsmonatigen Gründungsphase parallel. Die Scheune, in der die Familie Brinkmanns nach Aufgabe des Hofes vor fast 50 Jahren immer noch etwas Heu lagerte, wurde umgebaut. Rund eineinhalb Jahre hatte es gedauert, bis der Umnutzungsantrag und die Baupläne genehmigt waren. „Umgebaut hätten wir auch für unsere frühere Tätigkeit", sagt Brinkmann. Nur die Feinausstattung der Werkstatt wurde jetzt eine etwas andere. Businessplan musste nachgebessert werden Nicht allzu schwierig, aber eben doch mit Aufwand verbunden sei die Beschaffung eines Kredits gewesen, sagt Jonathan Eifler. Das mit dem Steuerberater erstellte Unternehmenskonzept, der „Businessplan", musste nur einmal nachgebessert werden. Mit der Sicherheit eines kleinen landwirtschaftlichen Grundstücks konnten die beiden dann 100.000 Euro als Betriebskredit aufnehmen. Ganz bewusst verzichteten die beiden auf ein KfW-Darlehn, die gemeinhin als günstig gelten. „Wir wollten keine zusätzlichen Vorgaben haben und sofort mit der Tilgung beginnen", sagt Eifler. Eingesetzt wurde das Geld für Maschinen und Technik. Den Umbau hatten die beiden aus laufenden Erträgen finanziert. In sieben Jahren soll der Kredit bezahlt sein. Die beiden Gründer sind besonders von den vielfältigen Einsatzmöglichkeiten der Reinigungstechnik, die mit Luftdruck unter Einsatz verschiedener Materialien erfolgt, begeistert. Neben dem Abstrahlen mit Trockeneis bieten sie noch Oberflächenbehandlung per Kunststoff- und Glasperlenstrahlen an. Besonders vielfältig erscheint das Trockeneisstrahlen. Die minus 80 Grad kalten und 1,5 Millimeter runden Körner eignen sich unter anderem zum Reinigen von Werkzeugen (u. a Bäckerei- und Metzgergeräte), Autositzen, Möbeln oder Industriegeräten. Eine mit Kleberesten verunreinigte Förderschnecke glänzt nach der Eisbehandlung wie neu. Glasperlentechnik für Entrostung von Metall Weil die Technik auch mobil einsatzfähig ist, eignet sie sich für die Bearbeitung von Pflasterflächen, zur Entfernung von Graffiti an Bauwerken oder an (auch hölzernen) Baudenkmälern. Während Kunststoffstrahlen für die Lackentfernung eingesetzt wird, ist die Glasperlentechnik für die Entrostung von Metall vorgesehen. Das Trockeneis besorgen sich die Neu-Unternehmer aus Dortmund. Das Eis kann einige Tage zwischengelagert werden, aber viele Fahrten fallen durchaus an, weshalb sich die beiden schon auf den Einstieg ihrer kurz vor der Rente stehenden Väter freuen. Die Jung-Rentner sollen als geringfügig Beschäftigte vor allem die Touren fahren, während die Gründer mittels der jetzt begonnenen Kaltakquise, die laut Brinkmann erstaunlich gut ankomme, die neue Technik bei Unternehmen vorstellen. Wo sie mit „NJ-Technik" in ein paar Jahren stehen werden, können die beiden Einsteiger derzeit nur schwer einschätzen. Ein vergleichbarer Gründer in Ostdeutschland sei mit dem Geschäft in kurzer Zeit quasi durch die Decke gegangen und habe schnell den Durchbruch geschafft, erzählt Nicolas Brinkmann. Erst wenn das bei den Niehorstern genauso wäre, würden sie Personal einstellen. „Dann werden wir eine große Halle bauen oder mieten, mit vielen Kabinen, und richtig loslegen."

realisiert durch evolver group