0
Lautstark: Am späten Vormittag zogen die Aktivisten durch die Gütersloher City. - © Jens Dünhölter
Lautstark: Am späten Vormittag zogen die Aktivisten durch die Gütersloher City. | © Jens Dünhölter

Gütersloh Bündnis protestiert gegen Tönnies-Erweiterung

Eine kleine Gruppe Aktivisten geht am Tönnies-Sitz in Rheda sowie in Gütersloh und Bielefeld auf die Straße

Jens Dünhölter
21.08.2017 | Stand 22.08.2017, 12:20 Uhr

Gütersloh. Ein siebenstündiger Protesttag ist wahrlich kein Zuckerschlecken. Diese Erfahrungen machten am Samstag Aktivisten des von Linken, Grünen, Tierschutzverbänden, Naturschutz-Organisationen sowie Privatpersonen gebildeten Bündnisses gegen die Tönnies-Erweiterung. Der Fleischkonzern will wie berichtet seine Schacht-Kapazitäten von zurzeit 26.000 auf 30.400 Schweine pro Tag erhöhen. Gegen diese aus ihrer Sicht "Schweinerei" macht das Bündnis seit einiger Zeit im Internet sowie mit Protestaktionen mobil. Mittlerweile sind fast 10.000 Unterschriften zusammen. »Massive Beschimpfungen und körperliche Attacken« Aus Anlass des "Welterschöpfungstages" gingen die Widerständler am Samstag bei drei Kundgebungen in Rheda, Gütersloh sowie in Bielefeld von 9 bis 16 Uhr auf die Straße. Speziell an der ersten Station in Rheda mussten sich die rund 15 Teilnehmer nach Aussage von Gründungsmitglied Camila Cirlini "massive Beschimpfungen und Beleidigungen sowie körperliche Attacken" seitens der Rhedaraner über sich ergehen lassen. Ein besonders aggressiver Störer wurde erst von anwesenden Polizeibeamten zur Vernunft gebracht und des Platzes verwiesen. Nach dem unerfreulichen Auftakt trafen die Demonstranten gegen 11.20 Uhr am Gütersloher Bahnhof ein. Mit lautstarken Rufen ging es von da aus via Strengerstraße und durch die Fußgängerzone zum Berliner Platz. Bündnis-Mitbegründerin Cirlini: "Massentierhaltung ist einer der größten Klimakiller. Wir haben die Verantwortung, unseren Kindern und Enkeln eine Welt zu übergeben, in der sich das Leben lohnt". »Wasserverbrauch wird gesteigert« Laut Ralf Külker vom Naturschutzbund Deutschland (NABU) würde der Fleischkonzern seinen täglichen Wasserverbrauch durch die Erweiterung um 1.000 Kubikmeter auf insgesamt 6.500 Kubikmeter steigern. Külker: "Das ist soviel, wie die gesamte Stadt Rheda-Wiedenbrück plus ihrer Gewerbebetriebe zusammen verbrauchen". Mit Blick auf den "Welterschöpfungstag" (Das Datum eines Jahres, an dem die natürlichen Vorräte aufgebraucht sind) stellte Camila Cirlini fest: "Vor zehn Jahren war es am 26. Oktober soweit; im diesem Jahr bereits am 2. August - zwölf Wochen früher". Auf ein weiteres Risiko der Erweiterung wies der zum Bündnis gehörende Gütersloher Bambi-Kino-Betreiber Oliver Groteheide hin: "Die multi-resistenten Schlachtrückstande können in keinem Klärwerk gefiltert werden. Nach unseren Information besteht ein konkretes Risiko durch Infektionen". Maskierter Fleischbaron Die staunenden Marktbesucher überraschten die Aktivisten mit einem provokanten, obskuren kleinen Schauspiel. Ein Aktivist mit Clemens Tönnies-Maske hatte Landrat Sven-Georg Adenauer an die Kette gelegt und erklärte dem Politiker beim gemeinsamen Spiel mit einer großen Weltkugel: "Ich gebe das Geld, ich sage was Du machst". Und der maskierte Fleischbaron erklärte nur lapidar: "Kein Problem, wir haben eine zweite Erde dabei. Wir tun jedenfalls immer so". Mittags brach die kleine Gruppe per Zug zu einer von Greenpeace organisierten Demo in Bielefeld auf. Die nächsten Protestaktionen finden am 26. August ab 10 Uhr In Rheda in der Nähe des Rathauses, sowie am 9. September von 11 bis 13 Uhr am Berliner Platz in Gütersloh in Form einer Mahnwache statt.

realisiert durch evolver group