In Spanien verhaftet, an die Schweiz ausgeliefert: Seit seiner Auslieferung am 26. April sitzt Felix Vossen in der Schweiz in Untersuchungshaft. Ob er sich bereits zu den Vorwürfen geäußert hat, lässt die Zürcher Staatsanwaltschaft offen. - © dpa
In Spanien verhaftet, an die Schweiz ausgeliefert: Seit seiner Auslieferung am 26. April sitzt Felix Vossen in der Schweiz in Untersuchungshaft. Ob er sich bereits zu den Vorwürfen geäußert hat, lässt die Zürcher Staatsanwaltschaft offen. | © dpa

Gütersloh/Zürich Nervöser Blick wird Felix Vossen zum Verhängnis

Der Zufall musste bei der Verhaftung helfen

Patrick Menzel

Gütersloh/Zürich. Ein nervöser Augenaufschlag beim Stadtbummel. Mehr brauchte es am Ende nicht, um Felix Vossen schließlich auf die Schliche zu kommen und die filmreife Flucht des weltweit gesuchten Filmproduzenten nahezu unspektakulär zu beenden. Mitte Februar klickten in der spanischen Hafenstadt Valencia die Handschellen. Mittlerweile ist der Sohn der einstigen Gütersloher Handtuch-Dynastie, der Freunde und Bekannte um viel Geld gebracht haben soll, an die Schweiz ausgeliefert worden. Dort droht ihm ein Betrugsprozess.Die für Wirtschaftsdelikte zuständige Zürcher Staatsanwaltschaft III wirft dem 42-Jährigen vor, mit einem ausgeklügelten Schneeballsystem und einem nahezu undurchschaubaren Firmennetzwerk rund 30 Anleger aus England und der Schweiz um mehrere Millionen Euro geprellt zu haben. Die Opfer kamen allesamt aus Vossens Freundes- und Bekanntenkreis, er versprach ihnen 20 Prozent Rendite pro Jahr. Diese soll der Filmproduzent ("I, Anna", "Miss You Already"), der eine Zeit lang in London auch als Börsenhändler gearbeitet hat, aber ab einem gewissen Zeitpunkt nicht mehr mit tatsächlichen Gewinnen ausgezahlt haben, sondern mit den Geldern anderer Investoren.Wie hoch die Schadenssumme konkret ist, weiß bislang offenbar niemand so ganz genau. Während die Geschädigten in England von einer Gesamtsumme von 66 Millionen Schweizer Franken (rund 60 Millionen Euro) sprechen, beziffert die spanische Polizei den angeblichen Schaden mit 15 Millionen Franken (14 Millionen Euro). Die Staatsanwaltschaft Zürich als Herrin des Ermittlungsverfahrens gegen Vossen ließ die Zahlen auf NW-Nachfrage unkommentiert.Weiterhin bedeckt halten sich die Strafverfolger in der Schweiz auch zu den näheren Umständen von Vossens Festnahme und seiner Auslieferung. Laut spanischer Polizei hatte der mutmaßliche Millionenbetrüger durch sein verdächtiges Verhalten das Interesse einer Polizeipatrouille geweckt, als er Mitte Februar zu Fuß auf der belebten Avenida de Peris y Valero in der Innenstadt von Valencia unterwegs war. Bei der Kontrolle hielt Vossen den Polizisten kurz einen gefälschten französischen Pass vor und ergriff dann die Flucht. Die Polizisten hatten ihn schnell eingeholt und brachten den mutmaßlichen Betrüger, dessen Spur sich am 3. März 2015 auf einem Flug von London nach Zürich verloren hatte, schließlich hinter Schloss und Riegel. Bei seiner Verhaftung trug Vossen neben einem griechischen Führerschein und einer italienischen Identitätskarte auch eine größere Menge Bargeld in verschiedenen Währungen bei sich. In seiner Mietwohnung, die nur wenige Meter vom Ort der Festnahme im Stadtzentrum von Valencia liegt, stellte die Polizei anschließend weitere Pässe sicher - neben seinem echten deutschen Reisepass, einen gefälschten griechischen und niederländischen Ausweis. Zudem beschlagnahmten die Ermittler elf Mobiltelefone, sechs Laptops und große Mengen Bargeld: 82.310 Schweizer Franken, 13.010 Britische Pfund und 5.905 Euro.Dem Vernehmen nach sollen die Beamten auch 244 Gramm Drogen - unbestätigten Informationen zufolge soll es sich dabei um Kokain handeln - sichergestellt haben. Auch sollen entsprechende Utensilien zum Bearbeiten und Strecken der Drogen gefunden worden sein. Die Behörden in Spanien und der Schweiz wollten dies auf Anfrage allerdings nicht kommentieren.Wann die Staatsanwaltschaft Zürich Anklage erheben wird, ist derzeit nicht absehbar. Bis die Strafverfolger in der Schweiz das undurchsichtige Vossen-Netzwerk entflochten haben, dürften allerdings noch einige Wochen ins Land gehen.

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