Ein Leben rund ums runde Leder: Die Schweizerin Christa Oehlschlägel lernte ihren Mann über den Fußball kennen und auch die Wohnort-Wahl fiel wegen dieses Sportes vor 40 Jahren auf Gütersloh. Bei der EM drückt sie aber den Schweizern die Daumen. - © Michael Schuh
Ein Leben rund ums runde Leder: Die Schweizerin Christa Oehlschlägel lernte ihren Mann über den Fußball kennen und auch die Wohnort-Wahl fiel wegen dieses Sportes vor 40 Jahren auf Gütersloh. Bei der EM drückt sie aber den Schweizern die Daumen. | © Michael Schuh

Gütersloh EM 2016: Wie der Fußball eine Schweizerin nach Gütersloh brachte

NW-Serie: Auch wenn der Fußball Christa Oehlschlägel vor 40 Jahren nach Gütersloh verschlug - bei der EM wird sie vor allem jubeln, wenn die Spieler mit dem weißen Kreuz auf der Brust Tore schießen

Michael Schuh

Gütersloh. Dass ein Mensch der Liebe wegen den Wohnort wechselt, ist nichts Ungewöhnliches - und trifft auch auf Christa Oehlschlägel zu. Bei der Schweizerin trug aber noch ein weiterer Faktor entscheidend dazu bei, dass es sie 1976 nach Gütersloh verschlug: der Fußball. Der Sport sorgte nämlich einerseits dafür, dass sie ihrem zukünftigen Ehemann über den Weg lief und spielte andererseits auch bei der Wahl des neuen Wohnorts eine entscheidende Rolle.

Der Dortmunder Herbert Oehlschlägel konnte mit dem runden Leder umgehen, was dazu führte, dass er 1976 beim Schweizer Zweitligisten Young Fellows Zürich anheuerte. Die Liaison mit dem Verein währte allerdings nur drei Monate, eine andere Verbindung hatte indes auf Dauer Bestand. Denn über den Mannschaftsarzt der Züricher Kicker lernte der Deutsche die 21-jährige Arzthelferin Christa kennen und verliebte sich in sie.

Als es ihn schon nach einem Vierteljahr wieder nach Westfalen zog, fragte er die junge Frau kurzerhand, ob sie mit ihm käme. Und sie sagte zu. "In meinem Verwandten- und Freundeskreis sind alle vom Glauben abgefallen, als ich ihnen mitteilte, dass ich nach Deutschland gehe", erinnert sich die heute 61-Jährige. Doch sie sollte es nicht bereuen, wenngleich es einige Zeit dauerte, bis sich die Eidgenossin wirklich eingelebt hatte. Das Paar ließ sich für drei Monate in Dortmund nieder, während Herbert Oehlschlägel Trainingseinheiten beim SV Röchling Völklingen sowie in Saarbrücken absolvierte und schließlich vom damaligen Zweitliga-Absteiger DJK Gütersloh verpflichtet wurde, für den er anderthalb Jahre die Stiefel schnürte.

Bis 1979 wohnten die Schweizerin und der Deutsche, der später noch in Verl und Harsewinkel kickte, in Avenwedde. Die Anfangsjahre seien nicht leicht für sie gewesen, denkt Christa Oehlschlägel, die mit Schwyzerdütsch groß wurde, zurück: "Mich verstand ja keiner, denn vieles ist in Deutschland anders als in der Schweiz. Was hier eine Peperoni ist, heißt dort Paprika - und umgekehrt. Also habe ich beim Einkauf auf die Ware gezeigt und gesagt: das, das und das."

1979 heirateten die Oehlschlägels und bauten im Rietberger Ortsteil Neuenkirchen ein Haus. Als dann 1981 und 1985 die beiden Töchter das Licht der Welt erblickten, war die junge Mutter endlich ganz in Deutschland angekommen. "Denn auf dem Spielplatz knüpft man unheimlich viele Kontakte", erzählt sie. "Meine beste Freundin lernte ich vor 35 Jahren auf der Straße kennen, weil wir beide einen Kinderwagen schoben."

Die Besuche in der Alpenrepublik sind nach dem Tod von Christa Oehlschlägels Mutter zwar weniger geworden, doch noch immer hat sie eine enge Bindung zu dem Land, in dem sie aufwuchs. "Meinen Schweizer Pass gebe ich niemals ab", sagt sie lachend, "dafür hat man als Schweizerin zu viel Stolz." Und deshalb hegt sie bei der Europameisterschaft zwar Sympathien für das deutsche Team, dem sie den Titel zutraut, drückt aber vor allem den Spielern mit dem weißen Kreuz auf der Brust die Daumen.

Doch nicht nur während der großen Turniere ist Fußball im Hause Oehlschlägel ein allgegenwärtiges Thema. "Ich bin ein ganz großer BVB-Fan und verfolge sämtliche Dortmunder Spiele auf Sky", sagt die 61-Jährige. "Dass der Hummels jetzt zu den Bayern geht, finde ich ganz schön mies."

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Der Liveblog aus Frankreich von NW-Sportredakteur Uwe Kleinschmidt:



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