Errettet: Die "Drei Damen) haben Tamino (Carlos Moreno Pelizari, vorn) gegen den Löwen verteidigt. Nur umsorgen sie den Ohnmächtigen.
Errettet: Die "Drei Damen) haben Tamino (Carlos Moreno Pelizari, vorn) gegen den Löwen verteidigt. Nur umsorgen sie den Ohnmächtigen.

Gütersloh Detmolder Landestheater bietet stimmige Aufführung

Heike Sommerkamp

Gütersloh (NW). Niedlich-liebenswerte Kuscheltiere, intensive Klangkraft, jede Menge komödiantischer Momente und eine weihevolle Botschaft - eigentlich kann man dies auf der Opernbühne schwerlich unter einen Hut bringen. Mit Wolfgang Amadeus Mozarts "Zauberflöte" gelang dies dem Landestheater Detmold bei ihrem Gütersloher Gastspiel am Montag- und Dienstagabend mühelos. Für Plüschtierfreunde: Vom lebensgroßen Löwen über flügelschlagende Flauschküken hin zu Pelikan, Giraffe, Storch und Strauß reichte die Reihe der von geschickten Puppenspielern zum Leben bewegten Tierschar. Nicht aus Plüsch, aber knuddelig: Papagena (Franziska Ringe) legte zum Beweis ihrer Vogelweibchenhaftigkeit sogar laut kakelnd ein Ei auf die Bühne. Für Komikfans: Dass die Zauberflöte ihre Buffoelemente hat, ist klar. Bei den Detmoldern durften aber auch die drei Damen und die drei Knaben durchgehend zum Amüsement beitragen. Rein mimisch und gestisch, versteht sich - stimmlich lieferten sie Wohlklang im Terzett, jugendlich-gerade timbriert die Knaben, in fraulicher Fülle die Damen. Unfreiwillig heiter: Die heimische Bühne in Detmold ist offenbar etwas anders dimensioniert als die des Theaters Gütersloh. Von Stühlen versperrte Türen, durch die jemand aufzutreten versuchte, bewiesen dies ebenso wie einige versehentlich umgestoßene Schwerter. Womöglich ebenfalls der ungewohnten Umgebung geschuldet das immer wieder deutlich vernehmbare, kurzzeitige taktliche Auseinanderklaffen zwischen dem Symphonischen Orchester und den jeweiligen Vokalisten, trotz des präzisen Dirigats von Andris Rasmanis. Ansonsten hieß es hörtechnisch "zurücklehnen und genießen". Carlos Moreno Pelizari gab den Tamino mit kraftvollem, zunehmend auch beseelten Tenor, Katharina Ajyba legte Pamina an seiner Seite mit geschmeidig-selbstbewusster Klangfülle an. Angenehm ernst zu nehmen bei aller zur Rolle gehörenden Flattermannhaftigkeit Papageno: Andreas Jören stellte den Vogelmenschen als ganzen Kerl aus dem Volke dar, mit vollem Bass. Diana Schnürpel drückte der Saal am Montagabend spürbar die Daumen: Die Königin der Nacht war stimmlich angeschlagen. Souverän zeichnete sie dennoch stimmlich eine Übermutter und mischte bei der furios angegangenen Rachearie sogar eine glaubhafte Prise Wahn in die Wut. Michael Zehe (Sarastro), ebenfalls laut Ansage nicht voll bei Stimme, hielt sich dynamisch ein wenig zurück - sein profund-väterlicher Bass wirkte auch so. Markus Gruber (Monostratos) überzeugte nicht nur als Tenor, sondern auch als Tänzer: Bei der Glockenspielszene überraschte er mit Tütü und gekonntem Spitzentanz. Schließlich hatten Vernunft und Aufklärung gesiegt, die Paare sich gefunden - hier schlüpfte ein letztes Kuschelküken in Papagenas Hand aus dem Ei - die Nacht war verscheucht und die Oper zu Ende. Anhaltend-herzlicher Applaus für alle Akteure, der das gelungene Gesamtergebnis feierte.

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