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Letzte Ausstellung im Schauraum von Raphalea Kula bevor das Parkhaus H1 abgerissen wird - © Barbara Franke
Letzte Ausstellung im Schauraum von Raphalea Kula bevor das Parkhaus H1 abgerissen wird | © Barbara Franke

Bielefeld Der Abrissbagger kommt, die Kunst muss weichen

Das Parkhaus am Kesselbrink neben dem H1-Hochhaus ist bald Geschichte. Damit verlieren auch Bielefelder Künstler eine vielfältige genutzte Ausstellungsfläche.

Heimo Stefula
01.09.2022 , 12:00 Uhr

Bielefeld. Das Timing hätte nicht besser passen können: Während die Mitarbeiter des Asia-Shops neben den temporären Atelier-Räumen an der Friedrich-Ebert-Straße die leeren Verkaufsregale fast fluchtartig in einem Miettransporter verstauen, kauert Raphaela Kula im zwei Quadratmeter großen Schaukasten vor der Galerie und drapiert ein letztes Stillleben als letzten Gruß. Ihr Mann Fritz Bornemeyer tapeziert unterdessen die Fensterfront mit Plakaten, auf denen geschrieben steht: „Tschüss Schauraum am Kesselbrink“.

Über drei Jahre lang durften Künstlerinnen und Künstler das leer stehende Ladenlokal im Parkhaus H1 als Ausstellungsfläche nutzen. „Das lief alles sehr unkompliziert ab“, verrät Raphaela Kula, und weiter: „Anruf genügt und man hatte die Schlüssel“. Sie selbst veranstaltete sogar eine Lesung in den gläsernen Atelier-Räumen. „Zitronen aus Kanada“ heißt das Buch, aus dem sie vorlas, Erinnerungen an die Zeit im Konzentrationslager im polnischen Zgorzelec, aufgeschrieben von Stanislaw Hantz.

Kunstschaffende aus dem Kulturhaus Ostblock, wenige hundert Meter weiter östlich, stellten dort ihre Werke aus, der Senner Künstler Uli Horaczek zeigte „Nudel-Exponate“. Lena Whooo arbeitete mit Glasscherben, die Künstlerin Marie-Pascale Gräbener und die Soziologin Kerstin Große-Wöhrmann stärkten das „Bielefelder Werte-Netz“ mittels genähter Wert-Scheine. Der Verein „Offene Ateliers“ fand dort eine temporäre Ausstellungsfläche ebenso wie das BBK-Atelier (Ravensberger Park) oder das Künstlerinnenforum OWL.

"So etwas gab es sonst nirgends in Bielefeld"

Damit ist nun Schluss. Ab sofort kann der Bauunternehmer Goldbeck die Abrissbirne schwingen und das Parkhaus dem Erdboden gleichmachen. Für Raphaela Kula ein Grund, sich gebührend zu verabschieden. Ihr Ausstellungsgegenstände sind eine frische, gelb strahlende Sonnenblume sowie trockene Birkenäste, als gegensätzliches Ensemble miteinander verbunden. „Die Birke ist tot, das Parkhaus ist dem Tod geweiht und die Sonnenblume wird verdursten, ich werde sie nicht gießen“, erklärt Kula die Zusammenhänge. Sie bedauert: „Schade, so etwas gab und gibt es sonst nirgends in Bielefeld – Kunst im Vorbeigehen, einfach so von Passanten wahrgenommen – oder auch nicht.“ Sie erkennt noch eine Parallele mit Gevatter Tod: „Auch die Birken bei mir daheim werden wohl sterben – an Wassermangel“.

Letzte Ausstellung im Schauraum von Raphalea Kula bevor das Parkhaus H1 abgerissen wird - © Barbara Franke
Letzte Ausstellung im Schauraum von Raphalea Kula bevor das Parkhaus H1 abgerissen wird | © Barbara Franke

Der Asia-Shop ist weg, der Schauraum ist weg und das Restaurant „Urfa Kebab“, das sehr beliebt war, muss auch den Abrissbaggern weichen. Immerhin: Es hat eine neue Bleibe gefunden. Voraussichtlich wird das Restaurant in das Gebäude an der Herforder Straße 26 ziehen, in direkter Nachbarschaft zum Stadtgasthaus am Willy-Brandt-Platz oder sogar direkt ins Stadtgasthaus, dessen Betreiber nach 13 Monaten aufgeben müssen.

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