0
Dank Biewer-Yorkshire-Terrierer Jimmy traut sich Violetta Schymonek wieder raus. Und kann wieder lachen. - © Sarah Jonek
Dank Biewer-Yorkshire-Terrierer Jimmy traut sich Violetta Schymonek wieder raus. Und kann wieder lachen. | © Sarah Jonek

Aktion Familienhund Hund Jimmy holt Bielefelderin aus dem Burnout-Tief

Für Violetta Schymonek (56) ist der kleine Terrierer Freund, Vertrauter und Seelentröster - und wichtigster Therapeut im Alltag.

Ivonne Michel
24.06.2022 , 02:00 Uhr

Bielefeld. Eine besondere Ausbildung hat Jimmy nicht. Er ist einfach da. "Und ich muss jeden Tag rausgehen mit ihm und traue mich auch wieder", sagt Violetta Schymonek. Das fiel der 56-Jährigen eine Zeit lang extrem schwer. Sie litt unter Mobbing, das sie bis in den Burnout brachte. Dank Jimmy geht es der gelernten Medizinisch-Technischen-Assistentin (MTA) deutlich besser. Der schwarz-weiße Biewer-Yorkshire-Terrierer ist ihr Freund, Vertrauter und Seelentröster. "Sozusagen ein persönlicher Schutzengel", ergänzt Schymonek.

Jimmy sorgt für Struktur im Tag. Und manchmal auch einen vollen Terminkalender. Morgens Baden, mittags zu Hundefriseur, anschließend eine Entspannungsrunde im Bürgerpark: Ab 17 Uhr ist dann Zeit fürs Treffen mit der NW. Jimmy ist etwas besonders, das scheint er zu spüren. So wirkt er zumindest, als sein Frauchen ihn in der Hundetasche in den Park hinterm Haus trägt. Hier ist mein Revier, gibt der kleine Knirps sehr selbstbewusst auch den größeren Hunden, die vorbeikommen, ganz deutlich zu verstehen. "Er kann schon richtig loslegen", sagt sein Frauchen und streichelt ihm besänftigend über das frisch frisierte Köpfchen. Als Welpe sei er einmal von einem größeren Hund gebissen worden.

Eine Nachbarin hingegen begrüßt Jimmy freudig. "Das Gute ist, man kommt immer in Kontakt, wenn man mit ihm unterwegs ist", sagt Schymonek, die aus Polen stammt und seit über 30 Jahren mit ihrem Mann in Bielefeld lebt. Der gemeinsame Sohn ist mittlerweile 34 und wohnt in Köln. Anfangs habe sie Angst gehabt, er könne eifersüchtig sein auf Jimmy. "Aber die beiden mögen sich auch sehr gern", berichtet Schymonek. Heute seien sie fast wie Brüder. Dass es ihr dank Jimmy jetzt wieder so viel besser geht, schätze ihre Familie sehr.

Große Angst, eine oder einen ihrer Kolleginnen oder Kollegen zu treffen

Als MTA habe sie in verschiedenen Praxen und Kliniken in Bielefeld gearbeitet, häufig als Vertretungskraft. Wenn dann jemand gehen musste, sei sie immer mit die Erste gewesen. An ihrer letzten Arbeitsstelle sei sie dann so stark gemobbt worden, dass sie sich nicht mehr aus dem Haus oder ans Telefon getraut habe. So große Angst habe sie gehabt, eine oder einen ihrer Kolleginnen oder Kollegen zu treffen. "Es war ganz schlimm." Dann kam die Diagnose Burnout. Nichts ging mehr.

"In der Reha haben mir die Therapeuten dann geraten, mir einen Hund anzuschaffen", berichtet Schymonek. Als Kind sei sie mit Foxterriern aufgewachsen. "Sie waren immer so lustig, so verspielt, lebendig und eigenwillig." So habe sie sich für Yorkshire-Terrierer interessiert. Bei der Züchterin sei sie dann auf Jimmy getroffen. "Er kam direkt auf mich zugelaufen", erinnert sie sich.

Das alles ist jetzt sechs Jahre her. Wegen Rheuma könne sie nicht mehr in ihrem Beruf arbeiten, berichtet Schymonek. Jimmy sei das Beste, was ihr passieren konnte. Ihr Mann sei tagsüber berufstätig. Dank Jimmy sei sie nicht allein, habe immer jemanden zum Reden. "Er ist immer froh und munter", ergänzt Schymonek. "Ohne ihn wüsste ich nicht, wo ich heute wäre."

Auch kleine Radtouren unternehme sie jetzt wieder. Mit knapp zwei Kilogramm Gewicht passt Jimmy nicht nur in die Handtasche, sondern auch in den Fahrradkorb. Er merke sofort, wenn es ihr nicht gut gehe. Wie im ersten Coronawinter, als sie und ihr Mann am Virus erkrank waren. Da habe er sich immer an sie gekuschelt, sei kaum von ihrer Seite gewichen. "Während die Welt dich verrückt macht, ist da jemand, der geduldig auf dich wartet, um dich zu heilen und glücklich zu machen", sagt Violetta Schymonek. Eine große Aufgabe für einen kleinen Hund.

Aber dafür wird er auch verwöhnt. Allein bleiben falle ihm schwer. Habe sie mal einen längeren Termin, helfe eine Nachbarin aus. Und zu Hause hat Jimmy neuerdings eine ganz besondere Beschäftigung, wenn sein Frauchchen mal nicht da ist: Eine Leckerchen-Wurfmaschine, inklusive Kamerafunktion. "Über mein Handy kann ich ihn dann beobachten, mit ihm sprechen und ihm über den Apparat ein Leckerchen zuwerfen", berichtet Schymonek.

Die Aktion "Bielefelds bester Familienhund"

Die Lokalredaktion sucht Bielefelds besten Familienhund und hatte die Leserinnen und Leser aufgerufen, Bilder und die Geschichten ihrer Hunde zu mailen. Wir sind überflutet worden von Mails mit süßesten Hundefotos und vielen, vielen Geschichten, die wirklich anrührend sind. Unsere Jury hat nun fünf Tiere aussucht, besucht und erzählt jetzt ihre ganz besonderen Geschichten. Nach der Vorstellung in Zeitung und Internet werden wir dann um Ihre Hilfe bitten, um schließlich Bielefelds besten Familienhund zu küren.

Mehr zum Thema

Kommentare

Um Ihren Kommentar abzusenden, melden Sie sich bitte an.
Sollten Sie noch keinen Zugang besitzen, können Sie sich hier registrieren.

Mit dem Absenden des Kommentars erkennen Sie unsere Nutzungsbedingungen für die Kommentarfunktion an.

Kommentar abschicken