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Mehrere große Geschäfte werden bestreikt, kündigt Verdi an. - © Symbolbild: AFP
Mehrere große Geschäfte werden bestreikt, kündigt Verdi an. | © Symbolbild: AFP

Wirtschaft / Shopping Streik im Bielefelder Einzelhandel - "Konflikt eskaliert"

Von Marktkauf über Ikea bis zu Douglas: Beschäftigte legen jetzt ihre Arbeit nieder. Verdi macht Front gegen die Großkonzerne - und stellt klare Forderungen.

Dennis Rother
05.08.2021 | Stand 12.04.2022, 15:51 Uhr

Bielefeld. Die Vereinte Dienstleistungsgewerkschaft (Verdi) setzt ihre Warnstreikaktionen im nordrhein-westfälischen Einzelhandel fort: Am Freitag, 6. August, und am Samstag, 7. August, legen Marktkauf-Beschäftigte in Bielefeld in Gadderbaum, Baumheide, Oldentrup und Sennestadt die Arbeit nieder. Das gleiche gilt für Angestellte von Real an der Teutoburger Straße sowie von Ikea, Saturn, H&M und Douglas. Das teilt Verdi am Donnerstagvormittag in einer Presseerklärung mit.

Verdi hatte in der vierten Verhandlungsrunde einen Vorschlag zur Lösung der stockenden Tarifrunde unterbreitet, heißt es in der Mitteilung weiter. „Wir hatten zum Zeitpunkt der vierten Verhandlungsrunde die Hoffnung, dass die Arbeitgeber den Ernst der Lage mittlerweile verstanden haben, denn die Beschäftigten verzichten inzwischen im 3. Monat auf die so dringend benötigte Entgelterhöhung.

Vorwurf: "Fadenscheinige Argumente"

Anstatt jedoch mit uns den Weg in Richtung Abschluss zu gehen, wurden fadenscheinige Argumente auf den Tisch gelegt, um eine Einigung weiter hinauszuzögern. Die Arbeitgeber haben eine soziale Verantwortung, der sie sich endlich stellen müssen", sagt Ursula Jacob-Reisinger, Verdi-Gewerkschaftssekretärin im Handel für den Bezirk Ostwestfalen-Lippe.

Der Lösungsvorschlag von Verdi sehe vor, dass auf Wunsch der Beschäftigten Teile einer möglichen Entgelterhöhung für einen bestimmten Zeitraum in Freizeit umgewandelt werden können. "Dies würde den Beschäftigten mehr Arbeitszeitsouveränität geben und einen wesentlichen Beitrag zum Gesundheitsschutz leisten", so die Gewerkschaft.

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Verdi: Arbeitgeber "bleiben stur"

Zudem biete der Vorschlag die Möglichkeit zu der von der Arbeitgeberseite geforderten "Entlastung auf Seiten der Liquidität", da sie anstelle von Entgelterhöhungen den Beschäftigten zunächst nur mehr Urlaubstage gewähren müssten.

Die Arbeitgeber hätten den Vorschlag schlicht abgelehnt und keine eigenen Lösungsansätze vorgetragen, so Verdi weiter: "Sie bleiben stur bei ihrem „freiwilligen Orientierungsrahmen", den sie für tarifgebundene Mitgliedsunternehmen empfehlen. Die Entgelte können danach nach zwei Nullmonaten um 2 Prozent zum 1. Juli 2021 erhöht werden.

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"Respektlos und nicht hinnehmbar"

Weiterhin besteht die Option, den Beschäftigten eine Einmalzahlung in Höhe von 300 Euro zu gewähren. Die Folge: Freiwillige, jederzeit widerrufbare Zahlungen ohne Rechtsanspruch für die Beschäftigten und als „besonderes Geschenk" der Reallohnverlust."

Ursula Jacob-Reisinger sagt: "Das Verhalten der Arbeitgeber gegenüber den Beschäftigten ist respektlos und nicht hinnehmbar. Anstatt sich auf den Weg der Einigung zu machen, eskaliert die Arbeitgeberseite den Konflikt weiter. Der HDE spielt auf Zeit und hat offensichtlich kein Interesse daran, ein zügiges Tarifergebnis zu vereinbaren.

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Das fordert Verdi

Dabei bleiben vor allem die Beschäftigten auf der Strecke. Sie, die im vergangenen Jahr noch als Heldinnen und Helden gefeiert wurden und uns, trotz der Angst vor Ansteckung im Nacken, tagtäglich mit allem Notwendigen versorgt haben, sollen mal wieder leer ausgehen beziehungsweise vom „Wohlwollen" ihrer Arbeitgeber abhängig sein."

Verdi fordert für die Branche 4,5 Prozent und 45 Euro mehr Lohn, Gehalt und Ausbildungsvergütung bei einer Laufzeit von 12 Monaten, ein Mindestentgelt von 12,50 Euro pro Stunde sowie die gemeinsame Beantragung der Allgemeinverbindlichkeit der Tarifverträge. Die Verhandlungen werden am 1. September fortgesetzt.

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