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Die Spurensicherung bei der Arbeit. - © Christian Mathiesen
Die Spurensicherung bei der Arbeit. | © Christian Mathiesen

Bielefeld Polizei nimmt Mieter nach Wohnungsbrand fest: Mordkommission ermittelt

Weil es bei Ankunft der Feuerwehr in einem der Mehrfamilienhäuser extrem stark qualmte, mobilisierten die Einsatzkräfte ein Großaufgebot an Rettern. Die Polizei schließt Brandstiftung nicht aus

Ariane Mönikes
22.10.2019 | Stand 22.10.2019, 15:35 Uhr
Stefan Becker

Jürgen Mahncke

Christian Mathiesen

Altenhagen. Nach einem Wohnungsbrand kamen am späten Montagnachmittag die Männer mit den weißen Anzügen in die Moenkamp-Siedlung in Altenhagen: Die Spurensicherung der Kriminalpolizei erschien, weil ein Mieter unter Verdacht steht, absichtlich im Keller sowie in seiner Wohnung Feuer gelegt zu haben. Da der 47-jährige Mann seine Tat zuvor noch angekündigt haben soll, richtete die Polizei nach NW-Informationen eine Mordkommission namens „Moenkamp" ein. Gegen Mittag stand in der Siedlung die Wohnung in einem Mehrfamilienhaus in Flammen. Als die ersten Einsatzkräfte vor Ort eintrafen, sei so dichter Qualm aus einem Fenster im ersten Stock und dem Treppenhaus gedrungen, dass Einsatzleiter Thomas Brüggemeier gleich mehrere Teams mit Atemschutzgeräten in das Haus schickte. Bereits beim Betreten des Treppenhauses lokalisierten die Feuerwehrmänner auch noch einen Brand im Keller. Während die Männer mit den Masken in den verlassenen Wohnungen auf allen Etagen nach möglichen Verletzten suchten, lieferte draußen ein Hydrant das Wasser für die umfangreichen Löscharbeiten. Wegen der schwierigen Lage mobilisierte die Berufsfeuerwehr noch die Löschabteilungen aus Altenhagen, Heepen, Brake und Milse. Denn ursprünglich hieß es im Notruf, dass möglicherweise Menschen eingeschlossen seien. Flucht ins Freie 80 Einsatzkräfte waren vor Ort. Auf einer benachbarten Wiese landete der Rettungshubschrauber Christoph 13 und brachte den Notarzt zum Einsatzort. Als die Helfer eintrafen, waren 13 Bewohner bereits ins Freie geflüchtet, doch eine fünfköpfige Gruppe harrte notgedrungen noch in der Wohnung über dem Brand aus. Ihr war der Fluchtweg durch das völlig verqualmte Treppenhaus abgeschnitten. Durch Fenster und Balkon, aber auch telefonisch, habe man immer Kontakt zu den Betroffenen gehabt, so Brüggemeier. Als das Treppenhaus wieder rauchfrei war und die Flammen in der Wohnung sowie im Keller gelöscht waren, konnte die Gruppe ins Freie entkommen. Dort standen bereits die Nachbarn. Ein Gesprächsthema der Menschen war der Mieter, in dessen Wohnung der Brand ausgebrochen war, den der Notarzt untersuchte und die Polizei anschließend mit Handschellen in einen Gefangentransporter verfrachtete und zum Polizeipräsidium brachte. Verdacht der vorsätzlichen Brandstiftung Gegen den 47-Jährigen besteht mindestens der Verdacht der vorsätzlichen Brandstiftung. Laut Feuerwehr gab es mindestens vier Brandstellen allein in seiner Wohnung. Die Ermittlungen hierzu dauern noch an. Am Dienstag wird auch die Spurensicherung am Tatort zurückerwartet. Wie Nachbarn erzählten, habe der Mann vor Ausbruch der Feuer wiederholt gerufen: „Ich bringe Euch alle um". Nach der Trennung von seiner Familie galt der Mann, Jahrgang 1972, als „Eigenbrödler", der keinen Kontakt zu seinen Nachbarn pflegte. Ein 13-jähriges Mädchen untersuchte der Notarzt im Beisein der Familie. Zur medizinischen Abklärung habe er die Schülerin vorsichtshalber ins Krankenhaus bringen lassen, sagte Einsatzleiter Brüggemeier. Großes Glück hatten drei Meerschweinchen der Schülerin. Feuerwehrleute trugen die Nager in ihren Käfigen hinaus ins Freie und platzierten sie im Schatten eines Baumes. Zwei Katzen hatten sich offenbar rechtzeitig selbst in Sicherheit gebracht. Ersatz-Unterkünfte durch die BGW Im sonnigen Hof der Anlage sammelten die Einsatzkräfte neue Energie für die anstrengende Arbeit unter schwerem Atemschutz. Während die einen frische Luft holten, warfen die anderen unentwegt die Trümmer aus den schwarzen Löchern im Backstein-Mauerwerk, die einmal Fenster und Balkontür waren. Für die Feuerwehr endete der Einsatz gegen 15.30 Uhr. Die Mieter im Erdgeschoss unter der Brand-Wohnung kamen laut Feuerwehr fürs Erste bei Verwandten unter - das Löschwasser hat die Wohnungen in Mitleidenschaft gezogen. Anderen Mietern bot die BGW Alternativen für die nächsten Nächte an. Während des Einsatzes war auf der Milser Straße der Verkehr erheblich behindert. Rettungswagen, Löschfahrzeuge und Streifenwagen reihten sich am Straßenrand auf und fuhren dann in die Siedlung ein.

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