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Noch hat’s längst nicht jeder: ein kostenloses oder kostengünstiges Schulticket. - © Barbara Franke
Noch hat’s längst nicht jeder: ein kostenloses oder kostengünstiges Schulticket. | © Barbara Franke

Bielefeld Na endlich: Bielefelds Schulticket für alle ist in Sicht

Nach anfänglichem Widerstand stimmen im Schulausschuss alle Fraktionen dem Antrag von FDP und CDU zu. Ziel ist die Einführung zum nächsten Schuljahr

Ivonne Michel
15.09.2019 | Stand 15.09.2019, 12:16 Uhr

Bielefeld. Die Einführung des von der FDP seit Anfang des Jahres geforderten Schultickets soll nun durch die Verwaltung vorbereitet werden. Das beschloss jetzt – nach drei zuvor gescheiterten Versuchen – einstimmig der Schulausschuss auf Antrag von FDP und CDU. Ziel ist ein möglichst kostengünstiges Nahverkehrsticket für alle etwa 50.000 Bielefelder Schüler zu konzipieren, das das ganze Jahr über, rund um die Uhr im ganzen Stadtgebiet gilt. Zum Start des kommenden Schuljahr soll es eingeführt werden, so der Plan. Anfang Juli hatten die Liberalen bereits einen entsprechenden Antrag im Rat gestellt, Oberbürgermeister Pit Clausen allerdings wollte ihn nicht auf die Tagesordnung nehmen. Gemeinsam mit der CDU und BiMi (Fraktion Bielefelder Mitte) hat die FDP dann in der Sitzung zum Punkt „Nachhaltigkeitsstrategie/ Klimanotstand" ein Schulticket beantragt. Die Paprika-Koalition wollte dem da aber nicht zustimmen – trotz gewollter Mobilitätswende. „Der Antrag kam damals sehr unvermittelt", sagt SPD-Fraktionsgeschäftsführer Björn Klaus auf Nachfrage der NW. Ein stark vergünstigtes ÖPNV-Ticket für Schüler habe die Partei aber schon seit Längerem mit auf der Agenda. Beim Parteitag im Juni verabschiedete die SPD dann einen umfangreichen Mobilitätsantrag, in dem auch das Schulticket enthalten ist. „Das ganze Thema ist sehr komplex und umfassend, daher wollten wir uns da ausreichend Zeit lassen", sagt Klaus. Auch in der rot-grünen Kooperation sei das Ticket gewollt. Am 12. Dezember könnte der Rat entscheiden Die Verwaltung ist nun beauftragt, bis Jahresende Ausgestaltungsmöglichkeiten aufzuzeigen, damit fundiert entschieden werden kann. Dabei sollen auch Umsetzungsfolgen, Finanzierungsvarianten und mögliche Vereinbarungen mit dem Verkehrsunternehmen Mobiel aufgeführt werden. Ende November sollen die Ausarbeitungen im Schulausschuss vorgestellt werden, am 12. Dezember könnte der Rat dann entscheiden. Auch sei es Ziel, die Gelder für die Finanzierung des stark vergünstigten Schultickets noch im Doppelhaushalt 2020/21 mit einzuplanen. Der Zeitplan sei sportlich, „aber wir sind zuversichtlich, dass wir das schaffen", sagt Klaus. „Es wäre super, wenn das so klappt", sagt der FDP-Vorsitzende Jan Maik Schlifter. Ein solches Ticket sei längst überfällig. „Statt Fahrpreise im ÖPNV zu erhöhen, ist das ein echter Beitrag für mehr Mobilität." Elterntaxen könnten dann häufiger stehen bleiben. Etwa 10.000 Schüler bekommen derzeit das Schulwegticket, alle anderen gut 40.000 müssen komplett selbst zahlen. 57 Euro sind das aktuell im Monat. Auch die freie Schulwahl unterstützt ein Schulticket Wie berichtet bekommen in Bielefeld bisher nur Schüler ein Schulwegticket, die mehr als 2 Kilometer von der nächsten Grundschule entfernt wohnen, in der Sekundarstufe I sind es 3,5 und bei Oberstufenschülern 5 Kilometer. Wer abends mit Bus oder Bahn fahren will, muss draufzahlen, genauso am Wochenende. Es gilt zudem immer nur die Entfernung zur nächstgelegenen Schulform. Das widerspreche aber dem Recht auf freie Schulwahl, unabhängig von der Finanzausstattung des Elternhauses, so Schlifter. So muss eine Familie, die in Brackwede wohnt und deren Kinder das über fünf Kilometer entfernte Gymnasium Am Waldhof besuchen, pro Kind 57 Euro für das Monatsticket aus eigener Tasche bezahlen, da das nächstgelegene Gymnasium in Brackwede ist. Das beinträchtige bei manchen Familien die Entscheidung. Zudem sollten Kinder und Jugendliche früh den ÖPNV für sich entdecken und Sport- und Freizeitangebote in der gesamten Stadt besser nutzen können. Denkbar wäre ein Modell für einen Euro pro Tag Die FDP hatte wie berichtet im Sommer eine Unterschriftenaktion gestartet, um dem Anliegen Nachdruck zu verleihen. Schlifter: „Wir freuen uns jetzt sehr über diesen ersten Erfolg unserer Initiative und dass alle anderen Fraktionen nun mitmachen." Im Ausschuss sprachen sich auch die Vertreter der Schüler und des Stadtelternrats für das Schulticket aus. „Wir könnten uns beispielsweise ein Modell mit einem Preis von einem Euro pro Tag vorstellen", ergänzt Klaus. Und, wenn das bei den Schülern gut funktioniere, das Modell im nächste Schritt für alle Bielefelder anzubieten.

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