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Neuer Anblick in der City - und Ärgernis für manchen Passanten. - © Wolfgang Rudolf
Neuer Anblick in der City - und Ärgernis für manchen Passanten. | © Wolfgang Rudolf

Bielefeld Polizei alarmiert: Bielefelds neue E-Scooter haben Sicherheitsprobleme

Gefährdung für Fußgänger: An Tag eins des neuen Angebots bleiben viele offene Fragen. Falsch abgestellte Fahrzeuge versperren Gehwege - und Nutzer düsen unerlaubt durch Fußgängerzonen

Christine Panhorst
15.08.2019 | Stand 15.08.2019, 17:37 Uhr

Bielefeld. Seit Mittwochmorgen, 7 Uhr, gibt es in Bielefeld ein Verkehrsmittel mehr: Für die E-Scooter von Tier Mobility habe man sich wegen ihrer Robustheit und guten Ausstattung entschieden, heißt es von Kooperationspartner MoBiel beim gemeinsamen Pressetermin. Die Gehwege seien tabu, betont Patrick Kühn vom Verkehrsamt. Doch alle Sicherheitsbedenken können am Start-Tag nicht ausgeräumt werden. Im Gegenteil. In der Fußgängerzone sorgen ab Mittag illegale Rollerfahrten für Aufregung. Bei Ordnungsamt und Polizei gehen Beschwerden ein. In Fußgängerzonen Schon an Tag eins verirren sich E-Scooter-Fahrer unerlaubterweise in Fußgängerzonen und auf Gehwege. Mit bis zu Tempo 20 werden sie zur Gefahr für Fußgänger. Fahrradpolizist Uwe Kühl muss immer wieder aufklären: „Das Problem ist, dass die Leute nicht wissen, was man darf und was man für Pflichten hat. Viele wissen auch nicht, mit wie vielen Personen man einen Roller benutzen darf und wo das Fahren überhaupt erlaubt ist." Auch die Stadtwache achte auf die korrekte Nutzung und spreche Leute an, die auf Gehwegen unterwegs seien, sagt Norman Rosenland vom Ordnungsamt. Solche Verstöße könne Tier Mobility aus der Entfernung nicht verhindern, heißt es vom Anbieter. Die zugehörige Verleih-App gebe jedoch vor dem Start Sicherheitshinweise zur Nutzung, sagt Philip Reinckens, Deutschlandchef von Tier Mobility. Die Anwendung auf dem Smartphone, die den Verleih regelt, zeigt auf ihrer integrierten Karte neben den Standorten der Roller auch rote gekennzeichnete Bereiche an: „Das sind zum Beispiel Parks und Fußgängerzonen, in denen die Fahrt nicht beendet werden kann", erklärt Reinckens. Die App verhindert so zwar, dass in Fußgängerzonen geparkt wird, aber nicht, dass in ihnen gefahren wird. Die Faustregel für Nutzer: Gesetzlich erlaubt ist die Rollerfahrt dort, wo auch Radfahrer fahren dürfen. Zu zweit Die E-Scooter sind für maximal eine Person ausgelegt. Laut Gesetz dürfen die E-Scooter schon ab 14 Jahren genutzt werden. Bei Tier Mobility müssen Nutzer jedoch mindestens 18 Jahre alt sein, um den Verleih nutzen zu dürfen: Denn wer einen Roller mietet, schließt einen Vertrag mit dem Verleiher ab und zahlt per Kreditkarte oder Paypal-Konto (online Bezahldienst). Auch hier kommt es am Start-Tag zu Verstößen. Menschen flitzen im Duo über das Pflaster. Der Polizei-Leitstelle wird gemeldet, Kinder seien auf den neuen E-Scootern Am Gehrenberg unterwegs. Diese habe man aber nicht mehr angetroffen, heißt es von der Polizei. Abgestelltes Hindernis Am frühen Mittwochmorgen stehen die Fahrzeuge noch ordentlich aufgereiht an ihren 114 Standorten, an denen sie der zuständige Logistiker aufgestellt hat. Schon am Nachmittag werden sie zum Teil zu Hürden für Fußgänger: Unter anderem an der Renteistraße sind gleich zwei E-Scooter mitten auf dem schmalen Bürgersteig abgestellt worden. Schwierigkeiten macht, dass die E-Flitzer nach Ende einer Fahrt beliebig im Innenstadt-Bereich abgestellt werden können. „An geeigneten Standorten", heißt es dazu lediglich von Tier Mobility. Aber die sind für die Bielefelder Erstnutzer offenbar nicht leicht auszumachen. Wirklich tabu sind nur Parks und Fußgängerzonen. Auf Gehwegen ist das Abstellen durchaus gestattet. Patrick Kühn vom Verkehrsamt der Stadt erklärt, dass sie aber breit genug sein müssten. „Auf mindestens 1,50 Metern muss der Weg frei bleiben, damit zum Beispiel Rollstuhlfahrer nicht behindert werden." Die Stadt werde Tier Mobility in den kommenden Wochen begleiten und für die städtischen Spielregeln „sensibilisieren". Blinkerlos Auch bei der Ausstattung bleibt manches Fragezeichen: Einen Blinker haben die Elektroflitzer nicht. Doch für ein Handzeichen müsste der Lenker losgelassen werden – beim E-Scooter eine schlechte Idee. Auch einen Rückspiegel gibt es nicht. Das birgt im Verkehr Risiken. Die Roller von Tier Mobility sind jedoch keine Ausnahme: Die deutschen Vorgaben für E-Scooter verlangen bisher Vorder-, Brems- und Rücklicht, Rückstrahler, zwei unabhängige Bremsen – aber keine Blinker und Spiegel. Vor dem Abbiegen heißt es also Schulterblick und falls nötig: Anhalten. Helmfrage Zum Pressetermin am Rathaus hat Tier Mobility zwar eigene Helme mit Logo mitgebracht, die fürs Foto übergestülpt werden. Den Bielefeldern werden sie aber nicht zur Verfügung stehen. Helme werden nicht verliehen. „Wir halten uns da an die Regelungen der Bundesregierung, die keine Helmpflicht vorsehen", sagt Reinckens. Beim Fahrrad gebe es sie auch nicht. Wer mit Helm fahren möchte, muss ihn selbst mitbringen. Vandalismus Die E-Scooter sind handlich, wiegen 20 Kilo und sind auf den ersten Blick nicht gesichert. Vandalismus scheint da vorprogrammiert. Doch Reinckens erklärt, in allen Rollern seien SIM-Karten und GPS-Sender verbaut. „Wenn die E-Scooter nicht von einem Nutzer aktiviert sind, aber trotzdem bewegt werden, registrieren das unsere Systeme." Draußen schlägt der Roller Alarm, ein lautes Piepen sei dann zu hören.

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