0
Ein Experte im Schutzanzug saugt die Raupen des Eichenprozessionsspinners aus dem Baum in Bielefeld. - © Sarah Jonek
Ein Experte im Schutzanzug saugt die Raupen des Eichenprozessionsspinners aus dem Baum in Bielefeld. | © Sarah Jonek

Eichenprozessionsspinner Gefährlicher Einsatz gegen Gifttiere in Bielefeld

Ingo Kalischek
03.07.2019 | Stand 04.07.2019, 11:53 Uhr
Alexandra Buck

Bielefeld. Lange Zeit sah es so aus, als würde der EichenProzessionsspinner einen Bogen um die Stadt machen. Im gesamten Land sorgen die Raupen seit Wochen für Ärger. Jetzt wurde ein Nest aber erstmals auch in Bielefeld entdeckt. Die Brennhaare der Raupe sind gefährlich für Mensch und Tier. Deshalb rückte die Stadt am Mittwoch mit speziellem Gerät aus. Das Nest wurde auf dem Friedhof in Dornberg entdeckt, in drei Metern Höhe in einer Eiche. Ein Mitarbeiter des Umweltbetriebs entfernte die Raupen mit einem Spezialsauger. Den hatte die Stadt extra angeschafft. Der Mann trug dabei einen Einmal-Schutzanzug sowie eine Atemmaske. Aus gutem Grund. Die winzigen Härchen des Eichen-Prozessionsspinners verhaken sich in der Haut und setzen ein Nesselgift frei. Das führt zu juckenden roten Pusteln, die ungefähr zwei Wochen lang anhalten. In einigen Fällen können die Haare auch heftige allergische Reaktionen, Fieber und Schwindel auslösen. Meist dann, wenn Menschen regelmäßig mit den Raupen in Kontakt kommen – zum Beispiel Landwirte und Gärtner. Die Haare verteilen sich bei Wind in der Luft. Sie können zu Atembeschwerden führen, selbst dann, wenn Menschen sie nicht bewusst berühren.  Raupen fressen sich durch die Eichen Deshalb sperrte die Stadt den Bereich auf dem Dornberger Friedhof. In vielen Kommunen fressen sich die Raupen bereits seit Wochen durch die Eichen – und die Geldbeutel. In Dortmund mussten Gastronomien und ein Freibad schließen, in Duisburg eine Schule. Städte wie Frankfurt und Darmstadt setzen Hubschrauber ein, um die Insekten mit einem Giftstoff zu besprühen. Und die Stadt Münster entfernte mehr als 10.000 Nester. In OWL sorgen die Raupen unter anderem in Gütersloh für Ärger. Uwe Eweler vom Umweltbetrieb kann sich nicht erklären, warum in Bielefeld bislang keine weiteren Fälle bekannt sind. „Wir warenhier wie ein gallisches Dorf und hatten wohl einfach Glück." Sollten die Raupen in Privatgärten auftauchen, kostet eine Beseitigung mehrere hundert Euro. Uwe Eweler glaubt jedoch nicht, dass in Bielefeld mit weiteren Nestern zu rechnen ist. Die Tiere verpuppen sich Anfang Juli – und fliegen dann ab Mitte August als eher unscheinbare und harmlose Schmetterlinge durch die Luft. „Die Raupen sind jetzt also in den letzten Zügen. In diesem Jahr wird es kein zweites Mal mehr geben", glaubt Eweler. Ganz ausschließen will er aber nicht, dass irgendwo in Bielefeld doch noch ein Nest gefunden wird. Dann sollten sich Bürger unverzüglich beim Ordnungsamt melden, die Raupen nicht anfassen und sie auch nicht von ihren Tieren berühren lassen. Die Nester sind in etwa so groß wie ein Fußball. Sie sehen aus wie dünne, weiße Watte. Nachts wandern die bis zu vier Zentimeter langen Raupen in großen Gruppen am Stamm entlang, wie in einer Prozession, daher ihr sperriger Name. Mit ihren giftigen Haaren schützen sie sich vor Feinden. Eweler betont, dass das Auftreten des Eichen-Prozessionsspinners nicht unnatürlich ist. Mitten im Wald würde man Nester meist auch nicht beseitigen. Das sei nur an belebten Orten im Grünen wie auf Spielplätzen oder in Parkanlagen der Fall.  Die Population ist explodiert Der Wirbel um die kleinen Tiere ist in diesem Jahr deshalb so groß, da sie sich extrem zahlreich durch die Eichen fressen. Die Population ist explodiert. Gemütlich machen es sich die Raupen immer dort, wo es warm, sonnig und trocken ist. „Klimaveränderungen wie der milde Frühling haben dafür gesorgt, dass sich die Raupen stark vermehren", erklärt Eweler. Auch fehle es immer mehr an natürlichen Fressfeinden wie Kuckuck, Hornisse oder Meise. Während Bielefeld in diesem Jahr vermutlich mit einem blauen Auge davon kommen wird, rechnen Experten für das kommende Jahr mit mehr Problemen in der Stadt. „Wenn man einmal Ärger mit ihnen hatte, ist mit einem verstärkten Auftreten im Folgejahr zu rechnen", sagt Eweler. Die Schmetterlinge werden ab Mitte August fleißig ihre Eier verteilen. Aus denen schlüpfen dann im Mai die Raupen mit ihren giftigen Brennhaaren. Reste davon bleiben noch lange in den Bäumen hängen. Ihre allergene Wirkung verlieren die Haare erst nach bis zu vier Jahren. Eine Kontaktgefahr bleibt somit weiterhin bestehen.

realisiert durch evolver group