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Radfahrer und Busse sollen mehr Platz im Straßennetz erhalten, der "Raumfresser Auto" dafür weniger. - © Dennis Angenendt
Radfahrer und Busse sollen mehr Platz im Straßennetz erhalten, der "Raumfresser Auto" dafür weniger. | © Dennis Angenendt

Bielefeld Bielefeld will Radverkehr auf die Überholspur bringen

Der Ehlentruper Weg konzipiert als reine Fahrradstraße – die Herforder Straße umgebaut zum Radschnellweg: Die Teilnehmer des Bürger-Dialogs zu Mobilitätswende traten heftig in die Pedale - nichts für angespannte Autofahrer-Nerven.

Joachim Uthmann
12.06.2019 | Stand 12.06.2019, 21:35 Uhr

Bielefeld. Käme der Radentscheid durch, müsste Bielefeld einen dreistelligen Millionenbetrag in die Rad-Infrastruktur stecken, schätzt Verkehrsdezernent Gregor Moss (CDU). Ein utopisch klingendes Ziel. Und doch will die Stadt den Radverkehr massiv fördern. Hauptrouten, reine Fahrradstraßen und ein Rad-Schnellweg könnten ihn auf die Überholspur bringen. Am Mittwochabend diskutierte Oberbürgermeister Pit Clausen (SPD) das Radkonzept mit Bürgern – und mahnte zur Geduld. Denn gerade die Radfahr-Initiativen, die im Ratssaal vertreten waren und Transparente zeigten, drängen auf einen schnelleren Radwegeausbau. Doch Clausen will den „nicht gegen die Bürger machen: Wir brauchen Sie und Zeit." Denn es wird Konflikte geben. Weniger Platz für "Raumfresser Auto" So stehen Detmolder, Herforder und Stapenhorststaße als Rad-Perspektivstrecken im Netzplan. Das bringt CDU und FDP auf die Palme. Doch Moss betonte, das sei nicht das Ziel. Vielmehr rät Verkehrsplaner Ralf Kaulen (Aachen) zu Alternativen. Da bieten sich nach Ansicht der Nahmobilitätsbeauftragten Barbara Choryan der Ehlentruper Weg im Osten oder die Rolandstraße im Westen an. Sollen sie aber Hauptradroute werden, müssten Autos aus ihnen bis auf Anlieger verbannt werden. Das funktioniere in Städten wie Köln oder Utrecht gut, sagen Moss und Kaulen: Hier würden Quartiere für Autos im Durchgangsverkehr abgeriegelt. Dann bliebe genügend Platz für die Radler, die mehr, schneller und mit breiteren Rädern (Lasten) zu erwarten seien. Der Radanteil soll von 18 auf mindestens 25 Prozent erhöht werden. Clausen glaubt, dass das schneller geht und billiger ist, als ähnliche Umstiegseffekte im öffentlichen Nahverkehr zu schaffen. Radanteil soll auf 25 Prozent steigen Der OB sagt aber auch dem Auto den Kampf an, weil es zu eng werde auf den Straßen angesichts von mehr Autos, wachsender Bevölkerung und mehr Mobilität: „Wir müssen den Raumfresser Auto zurückfahren, um Platz für andere zu erhalten. Im Radverkehr liegt das größte Potenzial." Dafür müsste der Rat den Weg freimachen, trotz zu erwartender Widerstände. Im Prozess mit dem „Zukunftsdialog Rad", zu dem am Abend rund 180 Bürger, viele aus Radinitiativen, kamen, versucht die Stadt zunächst Standards vorzugeben. So soll auf wichtigen Radverbindungen die Breite von Radwegen mit 2,30 Meter über dem gesetzlich vorgeschriebenen Maß liegen. Kopenhagen als Traum Moss erhofft sich von besseren Radwegen mehr Sicherheit: „Die ist für viele wichtig beim Umstieg aufs Rad." Bisher gibt die Stadt jährlich rund 3 Millionen Euro fürs Radnetz. Zu wenig. Moss: „Wir haben sehr viel in die Straße gesteckt und andere Verkehrsarten vernachlässigt." Da stimmten die Zuhörer beim Rad-Dialog zu. Täglich-Radfahrer wie Tobias wünschen sich mehr gute Routen: „Der Traum ist Kopenhagen". Die Dänen gelten als Vorbild für Zukunfts-Radverkehr. Der Ehlentruper Weg, sagt Sabrina, die ihn täglich nutzt, sei mit vielen Autos unübersichtlich. Diese zu verbannen, sei richtig. Eine Hauptroute durch den Stauteiche-Grünzug hält Tobias für fraglich: „Das ist eher Freizeitroute." Die parallele Heeper Straße wird aber nur als Perspektivroute eingestuft.

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