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Beispiel Hellingskampschule: Außerhalb der Schulzeiten bleiben Kinder ausgesperrt. Für die Stadt hat der Schutz ihres Eigentums Priorität. - © Wolfgang Rudolf
Beispiel Hellingskampschule: Außerhalb der Schulzeiten bleiben Kinder ausgesperrt. Für die Stadt hat der Schutz ihres Eigentums Priorität. | © Wolfgang Rudolf

Bielefeld Bielefelds Schulhöfe wegen Vandalismus abgesperrt - massive Kritik wächst

Vandalismus: Die Stadt will ihr Eigentum sichern. Die FDP dagegen verweist auf das Recht der Kinder auf Bewegung. Sie kritisiert die zeitliche Dauer der Hofschließungen. Aber nicht nur das

Silke Kröger
26.04.2019 | Stand 26.04.2019, 12:31 Uhr

Bielefeld. Der Hof der Hellingskampschule ist für Kinder eigentlich ideal zum Spielen: Es gibt viel Platz zum Rennen und Toben, Spielgeräte, bunte kindergerechte Malereien schmücken die Hauswände. Drei kleine Jungs, sechs, sieben Jahre alt, mit Ball, Pfeil und Bogen in den Händen, haben Glück an diesem Feriennachmittag: Mitarbeiter des Umweltbetrieb bringen das Grün in Form, die beiden Tore zum Hof stehen daher offen. Lesen Sie auch: Drogen und Prostitution auf Bielefelder Schulhöfen In den Ferien und an Wochenenden geschlossen Die sind eigentlich in den Ferien, an Wochenenden sowie an den Werktagen ab 19.30 Uhr dicht. Ähnliches gilt inzwischen für viele Pausenhöfe in der Stadt. 21 sind es mittlerweile; Hecken und unterschiedlich hohe Zäune verwehren den Zugange, teilweise oder ganz herum. Die Zeiten, an denen die Areale geschlossen sind, variieren. Manche sind schon ab 16 Uhr zu, andere erst später, in den Ferien und am Wochenende. Rausgerissene Pflaster, eingeschlagene Scheiben, Glasscherben Die Verwaltung hat in der Vergangenheit eine solche Umzäunung als ein Geschäft der laufenden Verwaltung gewertet, erklärt Georgia Schönemann vom Amt für Schule. Bevor ein Hof geschlossen werde, gebe es auch immer eine lange Vorgeschichte: "Der Hausmeister schaut nach dem Rechten oder es gibt eine Bestreifung." Auslöser für einen Zaun seien stets "gravierende Vorkommnisse", die mit einem "ordnungsgemäßen Schulbetrieb nicht übereinzubringen" seien. Die Bandbreite ist groß, sie reicht von rausgerissenem Pflaster, eingeschlagenen Scheiben, aus der Verankerung gerissene Fußballtore, zerstörte Türen bis hin zu Verschmutzungen, auch ganz gezielt durch Glasscherben. Wie dann vor Ort vorgegangen werde, sei individuell sehr unterschiedlich. Es gebe ja auch nicht stadtweit die gleichen Phänomene. Manchmal reiche es schon aus, nur die Seite einzuzäunen, die beispielsweise an Wald grenzt, um die Täter abzuschrecken. Allerdings: Ist der Zaun erst einmal da, wird er auch nicht so einfach wieder abgebaut. Dafür seien die Anlagen auch zu teuer, so Schönemann. Teure Zaunanlagen, um Schulfrieden zu sichern Eine rechtliche Überprüfung habe jetzt ergeben, dass bei den Pausenhof-Schließungen laut Hauptsatzung der Stadt die Bezirksvertretungen zu beteiligen seien, sagt Schönemann weiter. Das werde künftig auch geschehen. In dem Zusammenhang sollten auch die bereits vorhandenen Umzäunungen thematisiert werden. Während die Stadt den Schwerpunkt auf den Schutz ihres Eigentums und, so Schönemann, auf den "Schulfrieden" legt, haben Politiker und Verbände wie etwa die Sportjugend eine etwas andere Sicht der Dinge. Solche Entscheidungen "ohne politische Beteiligung können eigentlich nicht der Wet sein", kritisiert Laura von Schubert, sachkundige Bürgerin im Schulausschuss, grundsätzlich das Vorgehen der Stadt Zudem verweist sie darauf, dass "Ausprobierräume", in denen Kinder gefahrlos spielen können, immer wenige würden. Umso wichtiger seien Schulhöfe, die den Kindern viel Platz zum Toben gäben und ihnen ermöglichten, ihre Motorik zu schulen. Gefahrloser Platz zum Toben für Kinder 21 Pausenhöfe seien bsi heute von der Stadt eingezäunt worden, listet die FDP auf. "Von 47 Grundschulen sind 13 Schulhöfe in den Ferien und an den Wochenenden durchgängig geschlossen". Weitere Einzäunungen seien in Planung. Aber, so Franz-Josef Tewes, FDP-Mitglied in der Bezirksvertretung Mitte und zeigt auf die niedrige Hecke und den Zaun der Hellingskampschule: "Abschreckend ist das nur für die, die sich ordentlich verhalten." Vandalen könnten so etwas leicht überwinden. Wohl des Kindes im Vordergrund Für seine Partei stehe das Wohl des Kindes im Vordergrund, betont Tewes. Und das brauche eben Platz zum Spielen. Deshalb halte die FDP eine Schließung der Schulhöfe nur in Ausnahmefällen und befristet - bis zu 12 Monate - für akzeptabel. Aber nicht schon um 16 Uhr, während der Wochenenden und in den Ferien. Eine Einzäunung bedeute die "Kapitulation der Stadt vor Vandalismus", ergänzt FDP-Vorsitzender Jan Maik Schlifter : "Der Rückzug der Stadt aus dem öffentlichen Raum". Besser sei eine regelmäßige Bestreifung, eine regelmäßige Prüfung der Situation -  und eine solche Maßnahme nur mit Einverständnis von Politik und Schulausschuss.

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