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Der große Moment: Eduard Wiebe (l.) und Andreas Neitzel am Dienstagabend nach dem Gewinn der Erfinder-Show "Das Ding des Jahres". Danach wurde im Filmstudio kräftig gefeiert. - © Willi Weber
Der große Moment: Eduard Wiebe (l.) und Andreas Neitzel am Dienstagabend nach dem Gewinn der Erfinder-Show "Das Ding des Jahres". Danach wurde im Filmstudio kräftig gefeiert. | © Willi Weber

Bielefeld Bielefelder Erfinder der Rolli-Kupplung feiern rauschende Siegesparty

Nach Gewinn einer Tüftlershow und 100.000 Euro holen Andreas Neitzel und Eduard Wiebe nur kurz Luft, dann wollen sie ihr Produkt noch weiter verbessern

Susanne Lahr
27.03.2019 | Stand 27.03.2019, 16:02 Uhr

Bielefeld. Die Nacht war extrem kurz für die Bielefelder Andreas Neitzel und Eduard Wiebe. Die großen Gewinner der TV-Show "Das Ding des Jahres" haben maximal zwei, drei Stunden geschlafen. "Alles war super aufregend", erzählt Andreas Neitzel. Nachdem ihr "Rollikup" die Jury und das Publikum der Erfinder-Sendung am Dienstagabend überzeugt hatte, gab es die After-Show-Party im Filmstudio. "Und später ging die Fete mit den Mitfinalisten bis in die frühen Morgenstunden weiter." Die NW erreichte die glücklichen Tüftler beim Entpannungsspaziergang am Rhein, bevor sie sich am Nachmittag auf den Heimweg machen wollten. 41 Prozent der Fernsehzuschauer hatten sich in der Finalsendung für den "Rollikup" ausgesprochen. Dabei handelt es sich das weltweit erste universale Kupplungssystem, mit dem sich ein Anhänger, Einkaufskörbe, Koffer oder Kindercaddys mit einem Handgriff an einen Rollstuhl verbinden lassen. Seine Erfinder gehören zur Inklusionsfirma "Teuto InServ", die zur Stiftung Lebenshilfe Bielefeld gehört und ihren Sitz in Ummeln hat. "Das ist das Beste, was ich bisher gesehen habe", hatte schon Jurymitglied Joko Winterscheidt in der Vorrunde gelobt. 100.000 Euro Preisgeld sind nun der Lohn. "Mit diesem Ausmaß haben wir nicht gerechnet", gibt der 53-jährige Andreas Neitzel zu. "Aber es war wunderschön und vielleicht ein einmaliges Erlebnis." Dazu habe auch das tolle Team des Fernsehsenders und die Truppe der Mitbewerber beigetragen. Zur After-Show-Party durften dann auch die Ehefrauen der Tüftler, Renate Neitzel und Rita Wiebe, anreisen. Außerdem hatte Ines Rose, Geschäftsführerin der Brackweder Werkhaus GmbH, und Susanne Krause, Vorstandsvorsitzende der Lebenshilfe Bielefeld, dabei sein können, um den Erfolg mit den neuen TV-Stars gebührend zu feiern. Jetzt kommt die nächste Phase Im Hotel habe man dann mit den anderen Erfindern noch stundenlang gefachsimpelt, "aber irgendwann mussten wir uns dann doch trennen, um wenigsten zwei, drei Stunden zu schlafen", sagt Neitzel. Zum Frühstück habe sich die Truppe aber noch einmal getroffen. "Jetzt sind wir dabei, den Tag zu verdauen, und am Mittwoch werden wir neu anfangen." Womit nur, da doch der "Rollikup" auf ganzer Linie überzeugt hat? "Mit einem neuen Projekt", sagt Wiebe (45) und lacht. Dann wird er etwas ernster. "Teuto InServ" werde nun daran gehen, das Produkt noch einmal weiterzuentwickeln, an der Vermarktung zu arbeiten und Aufklärung zu betreiben. "Unser Produkt ist nämlich keines, das man sich bei einem Shoppingsender mal eben per Handy online bestellt", betont Andreas Neitzel. Es sei schon etwas spezieller und erklärungsbedürftiger. Vor allem sei es kein "One-Hit-Wonder", sagt der 53-Jährige. "Es soll nachhaltig sein, das ist uns das Wichtigste." 1.000 Stück auf Lager Durch die Sendung habe ihr "Rollikup" nun eine große Aufmerksamkeit auf sich gezogen. Gleichwohl geht Neitzel nicht davon aus, dass das 2001 gegründete Inklusionsunternehmen der Lebenshilfe und seine 28 Mitarbeiter nun von Bestellungen überflutet werden. Denn ihre Produkte würden in der Regel über den Fachhandel und Sanitätshäuser vertrieben, über Berufsgenossenschaften angefragt. Die Multifunktionskupplung habe auch eine Hilfsmittelnummer, so dass Kranken- oder Pflegekassenzuschüsse möglich sind. Auf alle Fälle hat "Teuto InServ" rund 1.000 Stück auf Lager. Die Kupplung kostet 399 Euro, der Anhänger, der in der Sendung immer zu sehen war, kostet 950 Euro. Werbung für Barrierefreiheit Wichtig ist den beiden Erfindern aber bei Weitem nicht nur der wirtschaftliche Erfolg. "Wir wollen mit unserem Projekt auch vermitteln, wie weit wir noch von der durchgehenden Barrierefreiheit entfernt sind und auf wie viele Hindernisse beispielsweise Rolli-Fahrer im Alltag stoßen", erklärt Andreas Neitzel. Wie hilfreich der "Rollikup" beispielsweise beim Einkaufen ist, demonstrierten Neitzel und Wiebe in einem Queller Supermarkt und wurden dabei von einem Filmteam begleitet. Statt nur das einzukaufen, was ins Netz des Rollstuhls oder auf den Schoß passt, könne man nun vergleichsweise einen "Großeinkauf" machen.

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