Weiß, wie Gründer von heute ticken: Jochen Heimann von "Startup Teens". - © Mike-Dennis Müller / www.mdm.photo
Weiß, wie Gründer von heute ticken: Jochen Heimann von "Startup Teens". | © Mike-Dennis Müller / www.mdm.photo

Bielefeld So will Bielefelds Founders Foundation Schüler für Start-Ups begeistern

Je jünger, desto besser: Warum es nie einfacher, aber auch nie wichtiger war als heute, auf eigene Geschäftsideen zu setzen, berichten erfolgreiche Jungunternehmer und Mentoren beim ersten „Startup Teens“-Treffen in der Founders Foundation

Bielefeld. Bloß nicht zögern, einfach machen, lautet die Devise. Unternehmerische Fähigkeiten seien gerade in der heutigen, digitalisierten, schnelllebigen Zeit enorm wichtig, sagt Sebastian Borek, Mitgründer und Geschäftsführer der Founders Foundation. Dort kamen jetzt erstmals  Jugendliche mit Ideen, erfolgreiche junge Gründer und erfahrene Experten zusammen. Das Ziel des deutschlandweiten, kostenlosen Projekts: Mehr Schüler für unternehmerisches Denken und Handeln zu begeistern und bei der Umsetzung zu fördern. „Das kommt leider an den Schulen viel zu kurz", sagt Jochen Heimann, Projektleiter für NRW. Die Berufsvorbereitung konzentriere sich dort stark auf mögliche Ausbildungsberufe und Studiengänge. Dabei schließe das eine das andere nicht aus. „Ganz wichtig ist, dass man wirklich für die Sache brennt, mit vollem Herzen dabei ist", sagt Heimann. Dann zähle die Zeit nicht, wie bei geliebten Hobby auch. Zu gründen sei auch parallel zur Schule oder Ausbildung schon möglich. Leidenschaft, Ehrgeiz, eine gewisse Dickköpfigkeit und Kritikfähigkeit gehörten dann dazu. Wie genau das Zeitmanagement funktionieren kann, welche Fehler man vermeiden sollte, was man bei Finanzierung, rechtlichen Rahmenbedingungen oder Vermarktung beachten muss, können die Jugendlichen auf der kostenlosen „Startup Teens"-Plattform in Trainingsvideos lernen.„Wir wollen keine Schulabbrecher von morgen produzieren", sagt Heimann, „aber motivieren, an guten Ideen zu arbeiten." Manche zocken Videospiele, andere entwickeln Ideen Der Digitalbereich sei ganz klar die Branche, in der sich verstärkt junge Gründer tummeln. „Das ist die Welt, in der sich die Jugendlichen bewegen und oft besser auskennen als viele Erwachsene", sagt Heimann. Die „Digital Natives" könnten hier Ideen ohne hohen finanziellen Aufwand umsetzen. Dass noch mehr Jugendliche da ihr Potenzial und die riesigen Möglichkeiten nutzen, wünscht sich die Initiative, die seit drei Jahren deutschlandweit arbeitet und jetzt erstmals in Bielefeld war. Ob Gründer oder nicht, sei auch Typsache. Während viele Jugendliche stundenlang Videospiele zockten, arbeiteten andere in dem Alter schon sehr ernsthaft an eigenen Geschäftsideen. Wie Allegro Sprute. Der 17-Jährige, der neben erfahrenen Experten wie Borek und Johanna Tjaden, Managing Director und Mitglied der Geschäftsleitung der Commerzbank NRW, auf dem Podium sitzt und den Schülern Tipps und Einblicke gibt, hatte keine Lust auf Rasenmähen oder Kellnern. Aber eine andere Idee, um Geld zu verdienen: Senioren digitale Technik näher bringen - über eine Plattform, die Schüler als Lehrer vermittelt. Mit Unterstützung von „Startup Teens" und der Founders Foundation gründete er sein Unternehmen „Lerne smart". Es muss nicht Berlin oder München sein "Viele nutzen auch die verkürzte Schulzeit, nehmen sich nach dem Abi bewusst Zeit, etwas auszuprobieren, machen Praktika und besuchen Events wie das hier", ergänzt Heimann. Dabei wollten längst nicht alle nach Berlin oder München, sondern gern auch erst einmal in ihrer Heimat bleiben. Bielefeld biete da durch die Founders Foundation extrem gute Möglichkeiten. „Wir haben die Hoffnung, den Gründergeist wieder neu zu entfachen". Die Zahlen sehen da aktuell noch anders aus: „Zwei Drittel der Studenten streben ein Angestelltenverhältnis an", berichtet Heimann. Unternehmerisches Denken und Handeln sei heute aber in allen Bereichen gefragt und von Vorteil. "Die Entwicklungen sind so rasant, dass viele Gründer gebraucht werden", sagt Borek. Mädchen unterschätzen häufig ihre Fähigkeiten Neuntklässlerin Jolina Hukemann ist eine der wenigen Mädchen, die zur Veranstaltung gekommen sind. Ihre Idee: Eine Online-Plattform, die Laien-Schiedsrichter für die unteren Ligen im Fußball - im zweiten Schritt dann auch in anderen Sportarten - vermittelt. "Da fehlen Schiedsrichten häufig, teilweise müssen deshalb sogar Spiele ausfallen", sagt die 14-Jährige. "Pipe it", steht als Geschäftsname auf ihrer Visitenkarten, "founder" als Bezeichnung unter ihrem Namen. „Mädchen habe auch oft gute Ideen, sind allerdings meist zurückhaltender und bescheidener, unterschätzen ihre eigenen Fähigkeiten häufig und gehen nicht so schnell an die Öffentlichkeit", sagt Heimann. Was eine gute Idee ausmacht? "Sie muss ein Problem lösen, das viele betrifft - und es zehn Mal besser machen", sagt Borek. Und am Markt ankommen. Was die Experten den jungen Gründern mit auf den Weg geben: Nicht warten und zu lange planen, sondern einfach machen und ausprobieren: jetzt. Kritik annehmen - und daraus zu lernen. Sich auf seine eigenen Fähigkeiten verlassen und die technischen Möglichkeiten sinnvoll nutzen: am besten in einem Team, das sich gut ergänzt. Und Netzwerke aufbauen und nutzen. "Wenn man so jung ist, hat man kaum was zu verlieren - und hat so viel Zeit", ergänzt Allegro Sprute.

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