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Erfindung: Die Rollstuhlkupplung Rollikup hat das Integrationsunternehmen "TEUTO InServ" selbst entwickelt. Sie wird in einer Werkstatt der Bielefelder Lebenshilfe angefertigt.
Foto: Jörg Dieckmann - © Joerg Dieckmann
Erfindung: Die Rollstuhlkupplung Rollikup hat das Integrationsunternehmen "TEUTO InServ" selbst entwickelt. Sie wird in einer Werkstatt der Bielefelder Lebenshilfe angefertigt.
Foto: Jörg Dieckmann | © Joerg Dieckmann

Bielefeld Zwei Bielefelder stellen Anhängerkupplung für Rollstühle in TV-Show vor

Erfindung soll behinderten Menschen das Leben leichter machen

Sebastian Kaiser
12.03.2019 | Stand 14.03.2019, 17:37 Uhr

Bielefeld. "Rollikup" ist das weltweit erste Kupplungssystem für Rollstühle. Entwickelt haben es Eduard Wiebe und Andreas Neitzel von der Inklusionsfirma "Teuto InServ", die zur Stiftung Lebenshilfe gehört. Damit lassen sich Anhänger, Einkaufskörbe, Koffer oder Kindercaddys leicht an einen Rollstuhl kuppeln.

"Am Anfang stand die Anfrage eines Rollstuhlfahrers, der sein Kind zum Kindergarten bringen wollte und etwas brauchte, um einen Kinderwagen an seinen Rolli zu hängen", berichtet Eduard Wiebe. Dass es das nicht gibt, gibt's doch gar nicht, dachte Wiebe und machte sich an die Arbeit. Da es zahlreiche Rollstuhlhersteller mit ebenso zahlreichen Modellen gibt, musste er sich eine universelle Lösung überlegen.

Kupplungshaken wurde neu konstruiert

Da die auch leicht und sicher zu handhaben sein muss, "konnten wir nicht einfach eine Kupplung für Fahrradanhänger verwenden", erzählt er. "Die sind für unsere Zwecke viel zu kompliziert." Denn Rollstuhlfahrer müssten den Anhänger ja hinter ihrem Rücken mit einer Hand ankuppeln, ohne dabei hinsehen zu können.

Ohne hinzusehen: Andreas Neitzel zeigt, wie sich ein anhänger mit einer Hand ankuppeln lässt.

Foto: Jörg Dieckmann - © Joerg Dieckmann
Ohne hinzusehen: Andreas Neitzel zeigt, wie sich ein anhänger mit einer Hand ankuppeln lässt.
Foto: Jörg Dieckmann | © Joerg Dieckmann


Angefertigt in Brackwede

Bei einem Maschinenbau-Zulieferer in Minden fand Wiebe Metall- und Kunststoffelemente, "die wir in unserem Betrieb anpassen können." Was fehlte, war das Herzstück, der Kupplungshaken. Da es so etwa nicht gab, hat er ihn selbst konstruiert. Angefertigt wird das Teil in der Werkstatt für behinderte Menschen der Werkhaus gGmbH in Brackwede, die ebenfalls zur Lebenshilfe gehört.

Auf die Idee, sich mit der Erfindung bei der Pro 7-Show "Das Ding des Jahres" zu bewerben, brachte Wiebe eine frühere Praktikantin. Da er die Show nicht kannte, schrieb sie ihm eine ellenlange E-Mail. "Die junge Frau ist blind und muss sich dafür eine enorme Mühe gegeben haben. Da konnte ich gar nicht anders, als mich zu bewerben", sagt Wiebe. Sein Chef Andreas Neitzel, Geschäftsführer von "Teuto InServ", unterstützte ihn: "Schließlich geht es um eine Sache, die rund 400.000 sogenannten aktiven Rollstuhlfahrern in Deutschland das Leben wirklich einfacher machen kann."

In der Jury sitzt Top-Model Lena Gercke

Praktisch: Vom Rollstuhl aus kann Eduard Wiebe einen kleinen Anhänger beladen. 

Foto: Jörg Dieckmann - © Joerg Dieckmann
Praktisch: Vom Rollstuhl aus kann Eduard Wiebe einen kleinen Anhänger beladen.
Foto: Jörg Dieckmann | © Joerg Dieckmann

1.000 Bewerbungen gab es für die Show, 400 wurden zum Casting eingeladen und "wir sind bei den 56, die es bis in die Sendung geschafft haben", sagen Wiebe und Neitzel. Am 19. März sind sie in dem Erfinder-Wettbewerb zu sehen. In der Jury sitzen unter anderem der bekannte Moderator Joko Winterscheidt und Top-Model Lena Gercke.

Wiebe und Neitzel hoffen natürlich, es bis ins Finale, das am 26. März ausgestrahlt wird, zu schaffen. Auch ohne den Show-Effekt sind sie von ihrer Erfindung, die als Patent angemeldet ist, überzeugt. "Wir haben eine Kleinserie von 1.000 Stück der Rollikups aufgelegt. Die sind für 90 Prozent aller Rollstühle geeignet", sagt Andreas Neitzel. Auf Messen ist die "Rollikup" bereits präsentiert worden.

Erstes selbst entwickeltes Produkt

"Es gibt auch eine allgemeine Hilfsmittelnummer. Somit können Käufer Zuschüsse etwa bei Berufsgenossenschaften beantragen", so Neitzel. Bei "Teuto InServ" arbeiten Menschen mit und ohne Handycap. Insgesamt 35 Mitarbeiter montieren Teile für die Automobilindustrie, arbeiten in einer Druckerei oder prüfen Elektrogeräte. Neitzel: "Die Rollikup ist unser erstes selbst entwickeltes Produkt."

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