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Bekommt längst nicht jeder: Wer kein Schulwegticket hat, zahlt für ein Schülerabo derzeit 56 Euro im Monat - pro Kind. Das ist vielen Familien zu teuer. Sie fahren ihre Kinder lieber mit dem Auto zur Schule. Das ist nicht im Sinne der Verkehrswende. - © Ivonne Michel
Bekommt längst nicht jeder: Wer kein Schulwegticket hat, zahlt für ein Schülerabo derzeit 56 Euro im Monat - pro Kind. Das ist vielen Familien zu teuer. Sie fahren ihre Kinder lieber mit dem Auto zur Schule. Das ist nicht im Sinne der Verkehrswende. | © Ivonne Michel

Bielefeld Vorbild Münster: Schulticket für alle Bielefelder Schüler

Nur etwa jeder Fünfte hat aktuell Anspruch auf ein Schulwegticket. Alle anderen müssen tief in die Tasche greifen. Das ärgert Eltern - und schränkt ein. FDP will das jetzt ändern, denn woanders geht's auch

Ivonne Michel
11.03.2019 | Stand 11.03.2019, 15:16 Uhr

Bielefeld. Nicht nur in Theesen am Mondsteinweg gibt's Streit um wenige Meter. Der Grund, warum manche Kinder kein Schulwegticket bekommen, Eltern sich im Stich gelassen fühlen (NW vom 8. März). Die FDP will da jetzt Bürokratie abbauen und ein Ticket einführen, das allen Schülern der Stadt zwischen fünf und 25 Jahren die Nutzung aller öffentlichen Verkehrsmittel für einen Monatspreis von 10 bis 20 Euro ermöglicht. Schüler, die Anspruch auf Fahrtkostenerstattung haben, sollen es weiterhin kostenlos bekommen. Eine entsprechende Vorlage will die FDP am heutigen Montag beim Kreisparteitag beschließen, dann einen Antrag im Rat stellen. "Woanders geht das auch", sagt der Vorsitzende Jan Maik Schlifter. In Münster gibt es die "goCard", ein "Schul- und Freizeit-Abo" für Schüler aller Schulformen für 22 Euro pro Monat. Das Ticket gilt rund um die Uhr im gesamten Stadtgebiet, am Wochenende und in den Ferien noch darüber hinaus, inklusive Fahrradmitnahme. Im Gebiet des Verkehrsverbunds Rhein-Ruhr können alle Schüler unter 25 Jahren das "Schoko-Ticket" für 36,70 Euro im Monat bekommen und haben freie Fahrt im gesamten Ruhrgebiet. "Beides deutlich günstiger als hier bei uns", sagt Schlifter. Familien eine attraktive Alternative zum Elterntaxi bieten Rund 10.000 der insgesamt etwa 50.000 Schüler in der Stadt haben aktuell Anspruch auf ein Schulwegticket. Das hängt von der Entfernung ab: Schüler der Primarstufe müssen mehr als zwei Kilometer, der Sekundarstufe eins mehr als dreieinhalb Kilometer und der Sekundarstufe zwei mehr als fünf Kilometer von der Schule entfernt wohnen. Es gilt allerdings immer die Entfernung zur nächstgelegenen Schulform. Das widerspreche aber dem Recht auf freie Schulwahl, unabhängig von der Finanzausstattung des Elternhauses, so Schlifter. So muss eine Familie, die in Brackwede wohnt und deren zwei Kinder das über fünf Kilometer entfernte Gymnasium Am Waldhof besuchen, pro Kind 56 Euro für das Monatsticket aus eigener Tasche bezahlen, da das nächstgelegene Gymnasium in Brackwede ist. Das beinträchtige bei manchen Familien die Entscheidung. "Jeder sollte sich aber doch die Schule entsprechend des zum Kind passenden Profils auswählen können", fordert Schlifter. Aufgrund der hohen Ticketkosten fahren viele Eltern ihre Kinder dann lieber auf dem Weg zur Arbeit mit dem Auto zur Schule. Um dadurch bedingten Staus entgegenzuwirken und Kinder zu unterstützen - wie politisch gewünscht - eigenständig ihren Schulweg zu absolvieren, müsse man den Familien eine attraktive Alternative zum Elterntaxi bieten. Schulträger zahlt monatlich pro Schüler 49,90 Euro für das Schulwegticket Dass der Schulträger pro Schüler 49,90 Euro monatlich für das Schulwegticket mit sehr eingeschränktem Nutzungsumfang zahlen muss, Schüler (56 Euro/Monat) ansonsten fast genau so viel wie Erwachsene (58,90 Euro, allerdings mit Abo-Bindung für ein Jahr, sonst 78 Euro) zahlen müssen, sei zudem schon "sehr exotisch". Zumal das Schülerticket zudem nicht übertragbar ist und keine Mitnahmeregelung beinhaltet. In Spitzenzeiten am Morgen, wenn alle Schüler nahezu gleichzeitig in die Schule müssen, setzt MoBiel zusätzlich zu den regulären Linien 32 Busse und zehn Bahnen ein. Die Kosten, die dadurch entstehen, können laut des Verkehrsunternehmens durch die Einnahmen des Schulwegtickets nicht gedeckt werden. Es werde groß über die Mobilitätswende gesprochen, ergänzt Schlifter. Ein wesentliches Ziel sei da doch, den ÖPNV zu verbessern, mehr Menschen zur Nutzung zu motivieren. Da müsse man bei den Schülern anfangen - und Familien finanziell entlasten. Dass MoBiel da der zentrale Dienstleister werden will, sei immer die Aussage. Dann müsse man auch entsprechende Lösungen anbieten. Im nächsten Schritt seien da Gespräche geplant. "Es kann jedenfalls nicht sein, dass die, die für ständig sprudelnde Steuereinnahmen sorgen, sich um 50 Meter fürs Schulwegticket streiten müssen", sagt Schlifter.

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