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So könnte es aussehen: Am Prenzlauer Berg in Berlin hat Lidl eine Kombination aus Wohnhaus und Einkaufszentrum (unten) errichtet. Dass Discounter als Bauherren für derartige Projekte auch in Bielefeld auftreten, wünscht sich auch die hiesige Politik. - © Lidl Deutschland
So könnte es aussehen: Am Prenzlauer Berg in Berlin hat Lidl eine Kombination aus Wohnhaus und Einkaufszentrum (unten) errichtet. Dass Discounter als Bauherren für derartige Projekte auch in Bielefeld auftreten, wünscht sich auch die hiesige Politik. | © Lidl Deutschland

Bielefeld Die Bielefelder Zukunft: Wohnen überm Supermarkt

Stadtentwicklung: In der wachsenden Stadt sollen Flächen für günstiges Wohnen durch gezielte Verdichtung gewonnen werden. Die Umsetzung hängt jedoch von Investoren ab

Christine Panhorst
04.03.2019 | Stand 03.03.2019, 19:15 Uhr

Bielefeld. Die Idee, über Supermärkten weitere Etagen für günstigen Wohnraum aufzustocken, beschäftigt derzeit Stadtentwickler in deutschen Großstädten. Auch in Bielefeld möchte man in Zukunft Lücken schließen, um Platz zu schaffen. Die hiesige Paprika-Koalition will mit einem Antrag im heutigen Stadtentwicklungsausschuss eine entsprechende Strategie anschieben. Doch die ist auch vom Investoren-Willen abhängig. Großflächiger Einzelhandel solle zukünftig grundsätzlich "mehrstöckig erfolgen, um Wohnungen, Büros und andere gewerbliche nicht störende Nutzungen in den oberen Stockwerken zu ermöglichen", so heißt es im Antrag der Koalition aus SPD, Grünen und Bürgernähe/Piraten. Parkplätze sollten nicht mehr flächig vor dem Markt, sondern "nach Möglichkeit unter oder über dem Verkaufsareal" eingerichtet werden. Dazu müssten zukünftige Marktstandorte für Fußgänger- und Radverkehr erschlossen und mit dem Bus oder Stadtbahn gut erreichbar sein. Auf den Dächern großer Einkaufszentren wünscht sich die Koalition große Solar- oder Photovoltaikanlagen. Nach dieser Liste soll die Verwaltung Vorgaben für große Einzelhandelszentren entwickeln. Statt Flächenfraß wird der Discounter der Zukunft unterkellert und aufgestockt? Diese Vision sei natürlich ideal, sagt Bauamtschefin Catrin Hedwig. "Aber es muss Bauherren geben, die das auch machen. Das liegt ja nicht nur bei uns." Bei Investoren und Handelsketten erfordere das ein Umdenken und das brauche Zeit. "Das wird ein harter Kampf werden, das müssen die hier in der Region erst üben", kommentiert das Hedwig. Handelsketten sehen sich nicht in der Rolle des Vermieters Doch Beispiele wie das des Marktkaufs an der Arthur-Ladebeck-Straße zeigten auch, dass eine Kombination aus Parkdeck und Markt durchaus von Kunden angenommen werde. "Bei den Discountern wird ja oft argumentiert, dass die Kunden sich eben den ebenerdigen Parkplatz vor dem Supermarkt wünschten." Zudem setzten die bestehenden Bebauungspläne Grenzen und die umliegende Gebäudestruktur müsse bei nachträglichen Aufstockungen passen, erklärt Hedwig. Viele Handelsketten würden sich auch nicht in der Rolle des Vermieters sehen. "Sie haben in Städten, wo solche Projekte bereits umgesetzt wurden, oft in Kooperationen gearbeitet." "Unsere konkreten Vorhaben im Bereich Immobilien beziehen sich derzeit ausschließlich auf den Raum Berlin", teilt die Pressestelle von Aldi Nord dann auch auf Anfrage mit. Fragen nach Potenzialen für mittelgroße Städte wie Bielefeld lässt man unbeantwortet. Auch von der Lidl-Pressestelle heißt es dazu nur: "Die kombinierte Nutzung von Immobilien ist eine sehr spezielle Lösung für einzelne Standorte in sehr dicht besiedelten Stadtteilen von Metropolen mit Flächen- und Wohnungsknappheit."

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