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Der CDU-Europaabgeordnete Elmar Brok wird am 26. Mai nicht erneut für das Europäische Parlament kandidieren. - © burkhard battran
Der CDU-Europaabgeordnete Elmar Brok wird am 26. Mai nicht erneut für das Europäische Parlament kandidieren. | © burkhard battran

Bielefeld/Brüssel Vertreter aller Parteien bedauern den Rückzug von Elmar Brok

In OWL reagiert die Politik mit Anerkennung und Respekt. Auch außerhalb seiner Partei wird der Europapolitiker aus Bielefeld geschätzt. Der CDU-Bezirksverband schickt einen neuen Kandidaten ins Rennen.

Carolin Nieder-Entgelmeier
21.01.2019 | Stand 21.01.2019, 20:43 Uhr

Bielefeld/Düsseldorf. Mit Respekt, Anerkennung und Enttäuschung reagieren Politiker in OWL auf die Entscheidung von CDU-Europapolitiker Elmar Brok, nicht erneut für das Europäische Parlament zu kandidieren. Der CDU-Bezirksverband in OWL wird zudem einen neuen Kandidaten aufstellen, der sich am Samstag bei der Landesvertreterversammlung der NRW-CDU in Siegburg um einen der Listenplätze für die Europawahl bewerben wird. „Wir sind kämpferisch und gehen innerhalb des Verbandsvorstandes Gedankenspiele durch, denn die Kandidatur muss Durchschlagskraft haben", sagt Christian Haase, Höxteraner CDU-Bundestagsabgeordneter und Bundesvorsitzender der Kommunalpolitischen Vereinigung der CDU/CSU. Der neue Kandidat aus OWL steht noch nicht fest „OWL ist der zweitgrößte Bezirksverband in NRW, deshalb ist es wichtig, dass die Region auch nach der Amtszeit von Elmar Brok in Europa vertreten ist." Welchen Kandidaten der Bezirksverband ins Rennen schicken wird, ist laut Unionsfraktionschef Ralph Brinkhaus noch nicht geklärt. „Das wird sich in den nächsten Tagen klären." Haase bedauert die Entscheidung Broks: „Persönlich bin ich enttäuscht, weil Elmar Brok bei einer Kampfabstimmung gute Chancen gehabt hätte. Aber natürlich akzeptiere ich seinen Schritt." Auch der Paderborner CDU-Bundestagsabgeordnete Carsten Linnemann bedauert Broks Rückzug. „Die Entscheidung ist natürlich zu respektieren, aber es ist schon bitter, dass wir ausgerechnet während der noch länger andauernden Brexit-Verhandlungen den Brexitbeauftragten verlieren. Diese Lücke kann nicht so schnell gefüllt werden", sagt der Vorsitzende der Mittelstands- und Wirtschaftsvereinigung der CDU/CSU. "Die CDU ist ihm zu großem Dank verpflichtet" „Elmar Brok hat über 40 Jahre die europäische Politik entscheidend mitgeprägt. Die CDU, insbesondere in OWL, ist ihm zu großem Dank verpflichtet", ergänzt Brinkhaus. Der Vorsitzende des CDU-Bezirksverbandes in OWL hat großes Verständnis für Brok. „Wir freuen uns, dass er sich bereit erklärt hat, weiter in den CDU-Gremien mitzuarbeiten und für die Europa engagieren." Kritisch äußern sich Parteifreunde vor allem über den Landesvorstand der NRW-CDU, der Brok überraschend von der Kandidatenliste für die Europawahl gekippt hatte. „Es geht um das Lebenswerk eines verdienten Abgeordneten, deshalb ärgert mich das Vorgehen bei der Aufstellung der Liste für die Europawahl", moniert Haase. Auch für OWL sei die Aufstellung unglücklich verlaufen. „Es geht mir nicht darum, Schuld zu verteilen. Aber das Verhalten einiger junger Parteifreunde kann ich nicht nachvollziehen." Laut Haase hätte es die Gegenkandidatur nie geben dürfen. "Einige Parteifreunde haben nicht mit offenem Visier gespielt" Auch die lippische CDU-Bundestagsabgeordnete Kerstin Vieregge bedauert den Ausgang der Aufstellung der Listenplätze: „Ich finde es schade, dass einige Parteifreunde nicht mit offenem Visier gespielt haben. Elmar Brok hat persönlich sehr viel zurückgesteckt, weshalb diese Form des Abgangs bedauerlich ist." Vieregge hofft nun, dass Brok seine Expertise weiter einbringen wird. Diese Hoffnung verbinden auch die Europaabgeordneten der NRW-CDU mit Broks Entscheidung. „Ich hoffe, dass er uns weiterhin mit Rat und Tat zur Seite steht. Ich werde mich mit ganzer Kraft dafür einsetzen, dass die europapolitischen Positionen von Elmar Brok in der CDU weiter unsere Richtschnur sind. Die Entscheidung darf kein Abschied von unserer bewährten und immer noch zukunftsweisender Europapolitik sein", sagt Sprecher Peter Liese. "Wir hätten ihn in Europa dringend gebrauchen können" Auch außerhalb seiner Partei erhält Brok für seine Entscheidung viel Anerkennung. Der stellvertretende Vorsitzende der SPD-Bundestagsfraktion, Achim Post, bedauert Broks Schritt: „Selbstverständlich respektiere ich die Entscheidung. Gleichzeitig bedaure ich die Entscheidung. Gerade in diesen schwierigen Zeiten hätten wir ihn in Europa und bei uns in OWL dringend gebrauchen können." Ähnliche Worte findet die erste parlamentarische Geschäftsführerin der Grünen, Britta Haßelmann: „Elmar Brok ist ein entschiedener Pro-Europäer, der über Parteigrenzen hinweg große Anerkennung genießt. Die hat er sich über 39 Jahre im Europäischen Parlament erarbeitet und verdient." Auch der Chef der FDP in OWL, Frank Schäffler, hat Respekt vor der Entscheidung Broks: „Sein Rückzug ist ein Verlust für OWL, weil er sich wie kein anderer in der EU vernetzt hat." Allerdings zähle auch der Wettbewerb innerhalb einer Partei zur Demokratie: „Elmar Brok ist 72 Jahre alt. Jetzt wollen auch mal jüngere Politiker ran."

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