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Jobcenter-Chef in Bielefeld: "Empfänger von Hartz IV sind nicht faul"

Rainer Radloff, Geschäftsführer des Jobcenters, hat mit Menschen in Lebenskrisen zu tun. Mit Traumatisierten, Frauen aus archaischen Gesellschaften und Männern, die seit Jahren nicht aus ihren Stadtteilen rausgekommen sind und isoliert leben

Andrea Rolfes
19.01.2019 | Stand 19.01.2019, 09:17 Uhr
Im Gespräch: Rainer Radloff, Geschäftsführer des Bielefelder Jobcenters, spricht über Jesiden, Sanktionen und Herausforderungen. - © Barbara Franke
Im Gespräch: Rainer Radloff, Geschäftsführer des Bielefelder Jobcenters, spricht über Jesiden, Sanktionen und Herausforderungen. | © Barbara Franke

Herr Radloff, Sanktionen für Hartz-IV-Empfänger sollen abschrecken. Das Bundesverfassungsgericht prüft gerade, ob das System rechtens ist. Darf der Staat Leistungskürzungen vornehmen, um zu disziplinieren? Bringt das Menschen in Arbeit oder verfassungswidrig in Existenznot?
Rainer Radloff:
Bei uns herrscht Leistungsgerechtigkeit. Das bedeutet, wenn jemand etwas leistet, bekommt er auch dafür etwas dafür. Darum geht es auch im SGB II - fördern und fordern. Wenn jemand eine Leistung bekommt, sind wir aufgerufen zu prüfen, ob sie ihm auch zusteht. Das ist wie beim Finanzamt. Wenn ich dort Unterlagen nicht abgebe, bekomme ich eben kein Geld. Wenn wir keine Leistung bewilligen, wird das auch schnell als Sanktion aufgefasst.

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